Erschienen am: 03.03.2017, Ausgabe SPS-MAGAZIN 3 2017

Festo Lernfabrik Scharnhausen

Integrierte Lernräume

Bildung, Wissen und individuelles Lernen sind ein wesentlicher Bestandteil der Unternehmenskultur von Festo. Um die Lücke zwischen praktischem Lernen am Arbeitsplatz und theoretischem Lernen im Schulungszentrum zu schließen, ist die Lernfabrik am Festo-Standort Scharnhausen direkt in die Produktion integriert. Zudem sollen Ideenschmieden weiteren Raum für kooperative Technologie- und Produktentwicklungen schaffen.


Lernziele, Personenzahl, Trainer, Dauer, Wiederholungen und Methodik einer Schulungsmaßnahme werden gezielt auf den Mitarbeiter angepasst.
Bild: Festo Vertrieb GmbH & Co. KG

Juliane Körner wirft nochmals einen prüfenden Blick auf alle Arbeitsstationen. Das Training zum Thema Energieeffizienz beginnt in zehn Minuten. Die kaufmännische Auszubildende im zweiten Lehrjahr ist seit zwei Monaten in der Lernfabrik in Scharnhausen eingesetzt. Zusammen mit einem technischen Auszubildenden verwaltet sie die Trainingsanmeldungen und ist verantwortlich für die Pflege und Instandhaltung der Räume. "Besonders gut gefällt mir, dass wir Azubis uns im Team selbstständig um die Vorbereitung der Trainings kümmern." Gleich, ob Azubi, neuer oder erfahrener Mitarbeiter, die Wissensvermittlung findet nicht in einem isolierten Seminarraum, sondern direkt neben der praktischen Anwendung statt. "Da die Trainings auf die Mitarbeiter in Scharnhausen ausgerichtet sind, haben wir auch immer wieder Kontakt mit technischen Themengebieten", erklärt Körner. "Gerade für uns kaufmännische Azubis ist es eine gute Chance, Einblick in die Produktion zu bekommen.

Kurze Wege

Die 220m² große Lernfabrik soll die Lernkultur von Festo unmittelbar in die Abläufe der Technologiefabrik integrieren. Das Angebot umfasst derzeit 33 Trainings, Produktschulungen und Prozessqualifizierungen. Für neue Mitarbeiter, um die Funktion von Produkten zu verstehen und sich in ihre Aufgaben einzuarbeiten, und für langjährige Mitarbeiter, um innovative Prozesse und Technologien kennenzulernen. Ein breites Programm von gezielten Unterweisungen, Planspielen, Aufbauseminaren sowie der Wissensaustausch durch Führungskräfte und Kollegen ermöglichen ein auf die Anforderungen des einzelnen Mitarbeiters zugeschnittenes Lernen. In den Trainingsräumen der Lernfabrik sind verschiedene Lernstände mit Originalkomponenten und -software aus der Produktion ausgestattet. Zielgruppenspezifische Lernszenarien mit Führungskräften und Fachexperten als Trainer ermöglichen ein arbeitsplatznahes und kurzzyklisches Lernen. "Die einzelnen Lektionen lassen sich auch zwischendrin leicht in den Arbeitsalltag einbauen", erklärt Manfred Zahn, Leiter Qualifikation bei Festo. Zudem haben man in der Lernfabrik die Möglichkeit, technische Innovationen in interdisziplinären Gruppen zu testen. Neue Mitarbeiter starten im vierzehntägigen Rhythmus alle gemeinsam in der Lernfabrik mit einem eineinhalbstündigen Einführungstraining. Sie erhalten einen Überblick zu allgemeinen Themen wie Qualität, Energie, Sicherheit, Empfindlichkeit von Bauteilen, Werkstandards oder Pausenzonen.

Individuelle Lern-Steckbriefe

In individuellen Steckbriefen werden Lernziele, Personenzahl, Trainer, Dauer, Wiederholungen und die gewünschte Methodik einer Schulungsmaßnahme formuliert. Ziel ist ein standardisierter Trainingsablauf. Er beinhaltet mechanische Bearbeitung, Montage, Elektronikfertigung und Automatisierung, aber auch Querschnittsthemen, Festo-Produkte, Festo Produktionssysteme und standortbezogene Trainings. Ein zentrales Element der Lernfabrik in Scharnhausen ist die cyber-physische Lern- und Forschungsplattform CP Factory. Sie soll die praxisnahe Vermittlung von Technologiewissen hinsichtlich einer zukünftig stärker digitalisierten Produktion und Mensch/Maschine-Interaktion ermöglichen. Dazu bildet die Plattform neue Entwicklungen der vernetzten Produktion ab und stellt einen Smart-Factory-Baukasten für Lehre und Forschung bereit. Sie umfasst die Stationen der realen Produktionsanlage modellhaft, integriert relevante Aspekte von Mechatronik und Automation und ermöglicht beispielsweise das Lernen von Anlagenprogrammierung, Vernetzung und Datenmanagement. Darüber hinaus lässt sich die CP Factory für Entwicklung und Test von flexiblen Softwarelösungen einsetzten, die dann in der Produktion Anwendung finden.