Erschienen am: 22.05.2017, Ausgabe SPS-MAGAZIN 5 2017

Deutscher Industrie-PC-Hersteller erweitert Angebot

Produktplattform für Mensch-Technik-Interaktion

TL Electronic, Entwickler und Hersteller von industrieller PC-Hardware, verstärkt die Zusammenarbeit mit Winmate aus Taiwan. Im Interview erläutert der geschäftsführende Gesellschafter Stefan Götz, welchen Nutzen die Kooperation stiftet und wie sich die Mensch-Maschine-Interaktion im Internet der Dinge verändern wird.


Können Sie unseren Lesern kurz erläutern was die besonderen Fähigkeiten von TL Electronic sind?

Stefan Götz: TL Electronic entwickelt, fertigt und vertreibt am Stammsitz Bergkirchen bei München kundenspezifische Industrie-PCs, Panel-PCs sowie LCD-Industriemonitore. Unsere hochwertigen, maßgeschneiderten IT-Lösungen werden in allen Bereichen der Industrie, der Medizintechnik, im Maschinen- und Anlagenbau sowie im Umfeld erneuerbarer Energie eingesetzt. Extreme Umgebungsbedingungen sind keine Seltenheit, darauf sind wir spezialisiert. Und uns zeichnet eine konsequente Kundenorientierung aus. Dadurch haben wir unsere heutige Position erreicht.

Sie arbeiten mit dem taiwanesischen Unternehmen Winmate zusammen. Können Sie uns die Gründe dafür nennen?

Götz: TL Electronic arbeitet bereits seit über 14 Jahren sehr intensiv mit Winmate zusammen. Unsere 34-jährige Erfolgsgeschichte bestärkt uns darin, weiter wachsen und unser Unternehmen fit für die Zukunft machen zu wollen. Dafür bauen wir auf einen Partner, mit dem wir unser Angebot deutlich erweitern können.

Was macht Winmate als Partner so attraktiv und was haben Ihre Kunden davon?

Götz: Winmate bietet ein umfassendes Produktprogramm und besetzt damit auch neue Marktsegmente. Über 130 eigene Entwicklungsingenieure greifen dort Trends auf und arbeiten stetig an neuen Produkten. Mit den Entwicklungen werden auch Nischen in der Industrie besetzt, z.B. im Bereich Mobile Computing mit extrem robusten Industrie-PCs zur schnellen Datenerfassung am Gabelstapler. Mit der Kooperation wird der Grundstein für unsere Zwei-Säulen-Strategie gelegt. Die erste Säule: Das Produktprogramm von TL Electronic wird nahezu um die gesamte Palette von Winmate erweitert. Dazu zählen serienmäßige Industrie- und Panel-PCs genauso wie Tablet-PCs für extreme Umgebungen, also Ruggedized Tablets und Handhelds. So entsteht eine umfassende Produktplattform für eine passgenaue Mensch-Technik-Interaktion. Die zweite Säule unserer Kooperation sind umfassende Dienstleistungen für die Winmate-Hardware in Deutschland, Italien und Österreich. Das reicht von der Ersatzteilbelieferung über die Vollgerätebevorratung bis hin zum 24-Stunden-Express-Service vor Ort, z.B. in der Automobilindustrie.

24-Stunden-Express-Service hört sich nicht neu an…

Götz: Unsere Servicekompetenz integriert sich in die Wertschöpfungsprozesse unserer Kunden. In großen Automobilproduktionen beispielsweise gibt es fest definierte Wartungszyklen. Dabei werden Industrie-PCs laufend ausgetauscht und überprüft, um die Anlagenverfügbarkeit sicher zu stellen. Jeweils vier bis sechs Geräte werden dazu in spezielle Kunststoffboxen zur Abholung bereitgestellt. Über unser Logistiknetzwerk werden die standardisierten Transportboxen mit unseren Ersatzgeräten ausgewechselt und zu uns nach Bergkirchen bei München gebracht. Nach der Wartung und erfolgreichen Abschlusstests werden die Systeme wieder in den Fertigungsprozess integriert. Diese zirkulierenden Serviceeinsätze funktionieren nach definierten Prozessschritten und werden digital erfasst.

Was bringt die Zukunft? Wie ist Ihre Sicht auf das Internet der Dinge?

Götz: Wir sind für die Zukunft sehr gut gewappnet. Eine Glaskugel wie die Wahrsager haben auch wir nicht, aber wir studieren Trends, untersuchen die wichtigsten Handlungsfelder und identifizieren nutzenstiftende Lösungen. Wir erkennen: In einer zunehmend vernetzten Produktion werden sich die Arbeitsplätze verändern und damit die Steuerungsrechner und Bediengeräte - unsere Kernkompetenz von der Hardware über die Software bis zum Service. In der Mensch-Technik-Interaktion werden mobile Bedienhilfen immer wichtiger - ich meine hier Funktionen, die die Anwender in ihrer täglichen Arbeit unterstützen. Zum Beispiel hinterlässt ein anderer Nutzer Hinweise, um Fehler zu vermeiden oder den Prozess zu verbessern. Oder es geht während eines Maschinenstillstandes um die Unterstützung bei der Fehlersuche mit einer Handlungsanleitung, die den Menschen in der Fertigung Schritt für Schritt durch den Ablauf führt. In einer hochautomatisierten Welt werden solche Funktionen die Prozesse effizienter und unabhängiger machen. Hinzu kommt, dass im Internet der Dinge dezentrale industrielle IT-Architekturen an Bedeutung gewinnen. Mobilgeräte bieten Bewegungsfreiheit und Flexibilität im Arbeitsalltag. Aber ein Walzwerk ist kein Büroarbeitsplatz. So wird der robuste, mobile Industrie-PC zum grundlegenden Element des Edge Computing, also des verteilten Ansatzes bestehender Infrastrukturen wie der Unternehmens-Cloud in Verbindung mit dem Internet der Dinge. Die Zukunft hat hier bereits begonnen.