Erschienen am: 14.04.2017, Ausgabe SPS-MAGAZIN Hannover Messe 2017

Safety-Normen für Maschinen - Teil 1: Einführung

Von A bis C (Normen)

C-Normen sind für einen Maschinenbauer am wichtigsten. Sie referenzieren häufig übergeordnete Normen und nutzen diese somit normativ. Es gibt aber auch Fälle, in denen C-Normen gänzlich andere Forderungen stellen, als B-Normen. Diese Artikelserie soll sich mit den übergeordneten A- und B-Normen befassen und erläutern, wie diese im praktischen Umgang gut zu nutzen sind.


Am Beispiel der Norm für Drehmaschinen wird der praktische Umgang mit der Sicherheitstechnik aufgezeigt.
Bild: Euchner GmbH + Co. KG

Normen zur Sicherheit von Maschinen werden in drei Gruppen unterteilt. A-Normen sind übergeordnete Normen, die für alle Maschinen gelten. B-Normen befassen sich mit Sicherheitsaspekten oder Produktgruppen. Diese Normen sind ebenfalls für alle Arten von Maschinen geeignet. C-Normen behandeln die Sicherheit von speziellen Maschinentypen, wie Fräs- oder Drehmaschinen. Wenn Normen zur Beurteilung der in einer Maschine verwendeten Sicherheitstechnik genutzt werden, hat ein Maschinenbauer einen Vorteil: bei der Anwendung von harmonisierten Normen darf vermutet werden, dass die Maschinenrichtlinie, also das Gesetz, eingehalten wird. Als Beispiel soll die EN ISO23125 ´Werkzeugmaschinen - Sicherheit - Drehmaschinen´ verwendet werden. Diese Norm ist eine C-Norm und harmonisiert. Als harmonisiert werden Normen bezeichnet, die unterhalb einer europäischen Richtlinie in einer Liste aufgeführt sind, die im Amtsblatt der EU veröffentlicht ist. Die Liste ist im Internet auf dem Europa-Server zu finden (https://ec.europa.eu/growth/single-market/european-standards/harmonised-standards/machinery_en). Durch Anwendung der Norm können somit die Forderungen der Maschinenrichtlinie für eine Drehmaschine erfüllt werden. Der erste Abschnitt jeder Norm definiert den Anwendungsbereich. Dies ist der wichtigste Abschnitt, da ausgesagt wird, für welche Maschinentypen bzw. Produkte die Norm genutzt werden kann. Bei der EN ISO23125 sind das:

  • • Bauart 1: Handgesteuerte Drehmaschine ohne numerische Steuerung
  • • Bauart 2: Handgesteuerte Drehmaschinen mit begrenzten numerischen Steuerungsfähigkeiten
  • • Bauart 3: Numerisch gesteuerte Drehmaschinen und Drehzentren
  • • Bauart 4: Einzel- oder Multispindel-Drehautomaten

Im zweiten Abschnitt sind normative Verweise aufgelistet. Die Liste enthält alle Normen, die von der EN ISO23125 referenziert werden. Hier finden sich viele B-Normen und auch die derzeit einzige A-Norm, die EN ISO12100.

Aufbau der Beitragsserie

Auf die übergeordneten Norm EN ISO12100 soll in dieser Artikelserie eingegangen werden. Die Reihenfolge der einzelnen Artikel folgt den Phasen bei der Entwicklung der Sicherheitstechnik einer Maschine. Im ersten Schritt ist eine Risikobeurteilung erforderlich. Die Risikobeurteilung ist das Hauptthema der EN ISO12100 ´Sicherheit von Maschinen - Allgemeine Gestaltungsleitsätze - Risikobeurteilung und Risikominderung´. Daran anschließend sollen beispielhaft einige Schutzeinrichtungen ausgewählt werden. Hierzu werden die EN ISO14119 ´Sicherheit von Maschinen - Verriegelungseinrichtungen in Verbindung mit trennenden Schutzeinrichtungen - Leitsätze für Gestaltung und Auswahl´ sowie die EN ISO14120 ´Sicherheit von Maschinen - Trennende Schutzeinrichtungen - Allgemeine Anforderungen an Gestaltung, Bau und Auswahl von feststehenden und beweglichen trennenden Schutzeinrichtungen´ verwendet. Weitere Normen rund um die trennenden Schutzeinrichtungen, die sich mit dem Abstand zur Gefahrenstelle oder auch den Öffnungen in der Schutzabdeckung beschäftigen, sollen ebenfalls Thema sein. Die kompletten Sicherheitskreise werden zum Schluss der Reihe unter Verwendung der beiden Teile der EN ISO13849 ´Sicherheit von Maschinen - Sicherheitsbezogene Teile von Steuerungen´ beurteilt.

Im zweiten Teil beschäftigt sich die Safety-Serie mit dem Thema Risikobeurteilung.