Erschienen am: 14.04.2017, Ausgabe SPS-MAGAZIN Hannover Messe 2017

Vielseitige Drive-Controller-Familie vorgestellt

Antriebstechnik neu definiert

Schnell, kompakt, sicher und flexibel: So lauten die Anforderungen an moderne Drive Controller. KEB hat diese Eigenschaften in den Leistungskatalog der neuen Gerätereihe Combivert F6 aufgenommen. Sie kombiniert etablierte Funktionen mit moderner Technik und einem modularen Konzept. Durch die hohe Integration und Applikationsbreite bedient die Baureihe unterschiedliche Kundenbereiche und Branchen.


Zur Markteinführung Mitte des Jahres stellt Combivert F6 Leistungen von 7,5 bis 90kW bereit. Die gesamte Baureihe in dann sieben mechanischen Größen decken Einzelachsgeräte bis 400kW ab, Leistungen bis in den MW-Bereich werden über das Parallelschalten von Modulen erreicht. Funktional 1:1 nach unten abgerundet wird die Palette von 0,75 bis 5,5kW durch die Servo Controller Combivert S6. Besonderen Wert hat der Hersteller auf kompakte Außenabmessungen gelegt: So bietet z.B. das Gehäuse 6 mit 249x525mm bis zu 90kW Dauerleistung und 180A Nennstrom auf der Grundfläche von nur zwei DINA4-Blättern. Ein noch kompakterer Aufbau hinsichtlich der Einbautiefe im Schaltschrank ist mit einer optionalen Durchsteckvariante oder flüssigkeitsgekühlten Baugrößen möglich.

Dynamischer Antritt

Ungeachtet gewachsener Anforderungen an Schnittstellen und Funktionalitäten bleiben die Betriebseigenschaften an der Motorwelle das Hauptbewertungskriterium leistungsfähiger Antriebe. Das wird bei der neuen Baureihe u.a. bei den unterstützten Motortypen sichtbar. Combivert F6 treibt ASM, DSM, IPM, SRM, Linear-, High-Torque- und High-Speed-Motoren mit erweiterten Funktionen wie z.B. automatisches Anti-Cogging oder eine verbesserte Drehmomentvorsteuerung für lineare und nicht lineare Kinematiken. Ein Vorteil für Maschinenhersteller: Alle genannten Motortypen werden mit nur einer Firmware abgedeckt. Das heißt, beim Kauf muss nicht mehr länger überlegt werden, welche Motorart im Einsatz ist. Eine weitere große Stärke der neuen Drive-Controller-Generation: Neben dem Betrieb der hinterlegten KEB-Motoren ist Combivert F6 in der Lage, sich auf beinahe alle Fremdmotoren einzumessen und mit hoher Güte zu betreiben.

Vielseitig in der Regelung

Die etablierten geberlosen KEB-Regelverfahren SCL und ASCL sind ebenfalls ein Bestandteil der Hauptsoftware, d.h. ab Werk sind individuelle Regelstrukturen für die Antriebaufgabe (z.B. für die sensorlose Positionierung von Synchronmotoren) auswählbar. Wer dennoch auf die Regelung mittels Encoder angewiesen ist, dem stehen mit den integrierten Multigeberschnittstellen alle gängigen Encodertypen von Resolver, TTL, HTL, SinCos, SSi, EnDat, Hiperface oder BiSS auf zwei Kanälen für unterschiedliche Aufgaben zur Verfügung. Verschiedene Typen von Temperatursensoren (PTC, KTY83/84, PT1000) runden das Gesamtbild ab.

Smarte Bedienung

Die Benutzersoftware KEB Combivis 6 bietet eine einheitliche Schnittstelle von der Systemauslegung und Konfiguration über die Inbetriebnahme, Optimierung und Wartung. Die Integration in eigene und fremde Steuerungssysteme steht jedem Nutzer als kostenlose, übersichtliche und leicht zu bedienende, grafische Nutzeroberfläche zur Verfügung. Für den Antriebsexperten besteht parallel der Zugriff auf eine Vielzahl von Stellgrößen innerhalb der Softwarestruktur. Über die reine Inbetriebnahme hinaus legt Combivis 6 den Fokus auf die Auswahl des kompletten Antriebsstrangs, die geführte Inbetriebnahme einzelner Drive Controller sowie die Überwachung des Systems im Betrieb oder Servicefall. Eine Vielzahl angepasster Wizards führt durch einzelne Prozessschritte der Inbetriebnahme. Antriebsprofile nach CiA402 (IEC61800-7) sind im Markt gängig und auch im Combivert F6 verfügbar. Abhängig von der Antriebsaufgabe ist standardisiert und trotzdem individuell die Anpassung von Drehzahl-, Positions- und Drehmomentregelung über synchrone und asynchrone Betriebsart mit Wechsel im laufenden Betrieb eingebaut.

Schnittstellen für die Kommunikation

Die Anbindung zur Automatisierungsebene reicht von Ethercat und CAN, alternativ Varan und CAN in der Onboard-Version sowie alternativ dazu Ethercat, Profinet und später auch Powerlink per

Realtime Ethernet Interface. Auch der Zugriff auf System- und Anwendungsdaten sowie zusätzlich bereitgestellte Servicedaten ist über diesen Weg möglich. Basis hierfür ist die Integration eines modernen Microcontrollers mit eigenem File-Server-System, der auch die moderne Interaktion erleichtert und den Zugriff über die KEB-Combivis-App ermöglicht, die im Jahresverlauf bereitgestellt wird. Einen schnellen Blick auf die aktuellen Anlagendaten verschaffen steckbare Operatoren mit LCD-Klartext-Display. In Varianten wird die Kommunikation via USB und Ethernet sowie später auch über WLAN und Bluetooth möglich.

Eingebaute Sicherheit

Hinsichtlich der funktionalen Sicherheit ist die Funktion des sicher abgeschalteten Moments (STO) standardmäßig im neuen Drive Controller verfügbar. Weil neue Maschinenkonzepte aber immer öfter auch drehzahl- und lageabhängige Sicherheitsfunktionen voraussetzen, unterstützt Combivert F6 auch gängige Sicherheitsfunktionen wie SLS, SLI, SLP und SDI. Diese Safety-Features sind in Anwendungen bis SIL3 gemäß IEC61508 bzw. bis PLe gemäß ISO13849 nutzbar. Die Ansteuerung der Sicherheitsfunktionen erfolgt über sichere digitale Eingänge oder seriell über Ethercat mit FSoE. Die sichere Parametrierung wird mittels SafeGrid als kostenfreier Bestandteil im Combivis 6 ausgeführt. Der Sicherheitsmoduleditor erlaubt Einstellungen des Benutzerzugriffs und ermöglicht es, die gesamte Struktur der Konfigurationen nebst Parameterlisten zu speichern und für andere Projekte wiederverwendbar zu machen. Alle Kennwerte für den Software-Assistenten Sistema stehen online auf der Homepage des Antriebsanbieters bereit.