Erschienen am: 10.07.2017, Ausgabe SPS-MAGAZIN 7 2017

Zwei neue LabView-Versionen veröffentlicht

Generationswechsel

National Instruments hat auf der NIWeek 2017 in Austin LabView 2017 und LabView NXG 1.0 vorgestellt. Bei LabView NXG 1.0 handelt es sich um den ersten Release der neuen LabView-Generation. Diese richtet sich an Anwender, die Messungen einfach durchführen, schnell Erkenntnisse gewinnen und eher selten programmieren möchten. So sollen komplexe Technologien einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden.


Malleavle VIs erlauben bei LabView NXG den Anschluss vieler verschiedener Datentypen an eine Funktion ohne großen Programmieraufwand.
Bild: National Instruments Germany GmbH

Ein Team von Grafikern und Experten für Bedienoberflächen hat das Entwickler-Team dabei unterstützt. Mittels ausgedehnter Kundentests und einem regen Austausch mit aktuellen LabView-Anwendern hat sich im Laufe der letzten Jahre die nun vorgestellte Software entwickelt. Der Editor optimiert dabei alle Abläufe, was sowohl Einsteigern als auch Fortgeschrittenen zugute kommt. So konfigurieren, messen, sichten und analysieren Anwender zukünftig ihre Daten interaktiv, ohne einen grafischen Code programmieren zu müssen. Sollte eine Automatisierung notwendig sein, funktioniert dies reibungslos, da sich die Entwicklungsumgebung viele Vorgänge im Hintergrund merkt. Diese lassen sich per Drag&Drop oder Copy&Paste in die spätere Applikation einbinden. Zu diesen Vorgängen zählen z.B. zuvor konfigurierte Messaufgaben oder eine interaktiv parametrisierte Analysefunktion. Fortgeschrittenen Programmierern werden im ersten Release vor allem die optimierten Arbeitsabläufe auffallen. Alle Einstellungen für ein Objekt finden sich im Einstellungsfenster auf der rechten Seite; mühsames Suchen in Untermenüs, Einstellungen etc. entfällt. Dabei haben die Entwickler aber auch an die über die Jahre antrainierten und etablierten Funktionen wie die Schnelleinfügeleiste, Tastenkürzel usw. gedacht, die sich in NXG genauso wie in LabView 2017 verhalten. Das Know-how, das sich die Anwender über lange Zeit aufgebaut haben, gilt also auch in der neuen Umgebung. Programmiert wird wie gewohnt mit dem Datenfluss. Alle Symbole weisen jedoch ein Facelift auf und dank vektorbasierten Grafiken ermöglicht die Zoom-Funktion einen besseren Überblick. Auch wenn eine gewisse Sorge mitschwingt, dass der Zoom zu Code-Tapeten führt, wie es in der LabView-Community umgangssprachlich heißt. Das Programmieren geht flüssig von der Hand und nach ca. einem halben Tag hat man sich an die neue Umgebung gewöhnt. In neue Bibliotheken und Treiber kann man sich dank mitgelieferter Lektionen einarbeiten. Dies gelingt dank Triggern, die Elemente in den Paletten direkt hervorheben, ganze VIs öffnen oder Tipps zur Umgebung anzeigen. Eine kleine Empfehlung: Ein zweiter Monitor, wie er heute an vielen Arbeitsplätzen verfügbar ist, erleichtert das Arbeiten ungemein. Diese Interaktivität setzt sich fort: zusammen mit LabView NXG wurde auch ein Badging Pilot vorgestellt. Ein Programm, bei dem man nach dem erfolgreichen Durchführen von Online-Trainings mit abschließendem Test, ähnlich wie in Computerspielen, Belohnungen sammeln kann. Dies soll die Anwender motivieren, am Ball zu bleiben, ihr Wissen zu präsentieren und nächste Schritte aufzuzeigen.

LabView 2017

Neben LabView NXG wurde auch LabView 2017 vorgestellt. Dieser parallele Release ist dem Schnitt geschuldet, dass sich neben vielen einschneidenden Dingen, wie z.B. den vektorbasierten Grafiken, auch der interne Aufbau der Software geändert hat. Allerdings setzt man auch zukünftig auf den gleichen robusten Unterbau, z.B. den Compiler, an dem nichts geändert wurde. Für den Übergang zwischen den Technologien soll den Anwendern genug Zeit eingeräumt werden, sodass die neue Funktionalität schrittweise genutzt werden kann. Für einige Anwender besteht zudem noch keine Möglichkeit zu wechseln, da LabView NXG noch nicht über die gleiche Funktionalität wie LabView 2017 verfügt. LabView 2017 wartet mit vielen neuen Funktionen auf. Dazu zählen u.a. Malleable VIs, welche abhängig vom angeschlossenen Datentyp verschiedene Funktionen erfüllen können, neue Tools zum sicheren Austausch zwischen verteilten intelligenten Knoten oder zur Interaktion mit Cloud Services. Dabei sieht man einen gewissen Kurswechsel, da beispielsweise die API zur Interaktion mit den Cloud Services als Open-Source-Projekt entwickelt wird. Die Entwickler haben die zugrundeliegende Architektur bereits vorgestellt und interessierte Anwender dazu eingeladen, auf ihrer Basisarchitektur weitere Cloud Services zu unterstützen. In aktuellen Roadmaps wird bereits aufgezeigt, welche Funktionen zu welchem Zeitpunkt in die nächsten Releases von LabView NXG eingehen werden. Interessierte Anwender können die Version bereits als Beta im Technology Preview Program nutzen. Dabei zeigt sich die angekündigte Beschleunigung der Entwicklung neuer Funktionen deutlich. Viele Features, die den LabView-Architekten auf den letzten CLA-Summits noch als Mock-Up präsentiert wurden, können nun direkt erprobt werden. Es locken Funktionen wie WebVIs, LabView-Programme, die direkt HTML und Java-Script Code zur Integration in Webdiensten bereitstellen, ebenso wie die einfache Erstellung modularer Anwendungen, bei denen Programmteile ausgetauscht oder neu verlinkt werden können. Überzeugt hat auch die neue Package-Management-Technologie, die in den nächsten Jahren die Verteilung von LabView-Code, aber auch die Installation von Systemen deutlich vereinfacht. Bereits realisierte Kundenlösungen zeigen, dass die beiden LabView-Versionen mit allen neuen Möglichkeiten auch parallel einsetzbar sind.