Erschienen am: 10.07.2017, Ausgabe SPS-MAGAZIN 7 2017

Kompetenzentwicklung in produzierenden Unternehmen

Integriert im Arbeitsprozess

Das Projekt 'PM Kompare' zeigt, wie es geht: Fachkräftesicherung durch Kompetenzentwicklung. Mitarbeiter aus der Produktion erweitern ihre Fähigkeiten und ihr Know-how in Projekt- und Prozessmanagement für neue Unternehmensaufgaben.


Bild: Siemens AG

Die Aufgabensammlung umfasst 206 Testaufgaben zu elektrischen Betriebsmitteln, mechatronischen Systemen und mechatronischen Teilsystemen. Dieses Ausbildungsmittel eignet sich besonders für die Ausbildung zum Mechatroniker/zur Mechatronikerin. Die Benutzer dieses Ausbildungsmittels sind gefordert, ihre Kenntnisse aus dem bisher vermittelten Ausbildungsstoff bei den Lösungen der Testaufgaben einzubringen. Dabei ist Kompetenz aus dem gesamten Arbeitsbereich des Mechatronikers notwendig.

Qualifizierte Arbeitskräfte in produzierenden Unternehmen müssen heute in der Lage sein, Arbeitsprozesse aktiv mitzugestalten, kontinuierlich neu zu gestalten, zu verbessern und Entwicklungen bewusst zu reflektieren. In einem vom BMBF geförderten Verbundprojekt sollen daher Kompetenzen für die Produktionsorganisation und insbesondere für das Prozessmanagement auf der Facharbeiterebene gezielt gefördert werden.

Kompetenzen arbeitsprozessintegriert entwickeln

Aufgaben der Projektorganisation und des Prozessmanagements stellen eine entscheidende Grundlage für eine hohe Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit von KMU des produzierenden Gewerbes dar. Um die erforderlichen Kompetenzen für die Gestaltung von Unternehmensprozessen gezielt entwickeln zu können, ist ein professionelles, betriebliches Kompetenzmanagement notwendig. Für diese Tätigkeitsbereiche sollte die Kompetenzentwicklung in den Arbeitsprozessen integriert sein und durch geeignete Weiterbildungsmodule professionell unterstützt werden.

Innovation und Verwertung

Die arbeitsplatznahe Qualifizierung der Fachkräfte für das Prozessmanagement führt unmittelbar zur Verbesserung der Unternehmensprozesse. Die Unternehmen werden demografiefest. Die Beschäftigten können durch die Qualifizierung für körperlich weniger anstrengende Tätigkeiten in allen biografischen Lebensphasen bis zum Erreichen des Rentenalters ihre Erwerbsarbeit in hoher Qualität ausüben und ihre Beschäftigungsfähigkeit erhalten und erhöhen. Die Konzepte sind uneingeschränkt übertragbar auf produzierende Unternehmen aller Branchen.

Handlungsorientiertes Lernen

Innerhalb des Verbundprojektes PM Kompare hat die Christiani Akademie die Aufgabe, Fachkräfte aus produzierenden Unternehmen auf die IHK-Prüfung zum geprüften Prozessmanager vorzubereiten. Als traditioneller Fernlehranbieter im gewerblich-technischen Bereich liegt es nahe, eine Qualifizierung zu planen und durchzuführen, die möglichst wenig Präsenztage erfordert und somit Ausfallzeiten verringert.

Komplexe Situationsaufgaben

Das Qualifizierungsangebot orientiert sich an einer kompetenzorientierten Didaktik mit dem Leitgedanken der Förderung von reflexiver Handlungsfähigkeit. Das herkömmliche "Lernen auf Vorrat" soll vermieden werden. Zentral für die Auseinandersetzung mit den Lerninhalten sind daher komplexe Situationsaufgaben. Diese werden vom Institut für Arbeitswissenschaft der RWTH Aachen, einem Verbundpartner des Projekts, auf der Grundlage von echten Arbeitsprozessen in produzierenden Unternehmen erstellt. Pro Modul bearbeiten die Teilnehmenden zwei solcher Aufgaben, wobei ihnen die Aufgabenstellung in vier Komplexitätsgraden zur Verfügung gestellt wird. Die Aufgaben bereiten auf das spätere Praxisprojekt vor, sind sozusagen Trockenübungen für systematisches und methodisches Handeln. Die Projektarbeit ist Teil der Prüfungsanforderungen und soll im eigenen Unternehmen bzw. Arbeitsumfeld durchgeführt werden. Die Anforderungen für ein solches Projekt sind komplex: Neben dem Analysieren von Problemstellungen im Produktionsumfeld und dem Konzipieren von Lösungen, müssen Projekte und Prozesse strukturiert, geplant und unter der Berücksichtigung von Ressourcen, dem Untersuchen und Planen von Varianten, durchgeführt und evaluiert werden. Das Qualitätsmanagement, die Gefährdungsbeurteilung und der Einsatz von Controlling-Instrumenten sind dabei ebenso einzubeziehen wie auch die Dokumentation und Reflektion von Lösungen, Abläufen und technischen Prüfungen.