Erschienen am: 30.10.2017, Ausgabe SPS-MAGAZIN 11 2017

Methodik einer Risikoeinschätzung mit EN62061

Alternative Risikoeinschätzung

Im dritten Teil unserer Serie (SPS-MAGAZIN 9/17) wurde die Methodik zur Risikobeurteilung mit Hilfe des Anhang A der EN ISO13849-1 vorgestellt. Dieses Mal wird nun die Methodik aus der EN62061 betrachtet. Beide Verfahren erfüllen grundsätzlich die Vorgaben der EN ISO12100 Sicherheit von Maschinen (A-Norm).


Bisherige Teile der Serie

Teil 1: Einführung (SPS-MAGAZIN Hannover Messe 2017)

Teil 2: Risikobeurteilung mit EN ISO12100 (SPS-MAGAZIN 7/2017)

Teil 3: Risikoeinschätzung mit EN ISO13849-1 (SPS-MAGAZIN 9/2017)

Die Methodik, die die EN62061 zu Grunde legt, erscheint deutlich aufwendiger. Sie ist aber vielleicht einfacher zu nutzen, da die Entscheidung für eine Einstufung leichter fallen würde. Während die EN ISO13849-1 immer nur zwei Möglichkeiten anbietet, verwendet die EN62061 eine deutlich feinere Unterscheidung. Hierfür ist jedoch ein mehrstufiges Verfahren notwendig. Im ersten Schritt wird die Schwere (S) des möglichen Schadens beurteilt:

Die Vierstufigkeit mit den beispielhaften Beschreibungen macht eine Bewertung einfacher. Wobei es immer noch schwer zu beurteilen ist, ob z.B. erste Hilfe ausreicht oder ein Arzt herbeigeholt werden muss. Im zweiten Schritt wird dann die Häufigkeit und Dauer der Exposition (F) beurteilt:

Diese Beurteilung fällt sicherlich schon leichter. Auch hier ist es mit der EN ISO13849-1 schwieriger, da nur zwei Stufen verwendet werden. Noch ein Hinweis zur Tabelle 'Häufigkeit und Dauer der Exposition (F)'. In der Norm hat diese Tabelle nur die Spalte mit einer Dauer größer als 10 Minuten. Die zweite Spalte ergibt sich aus dem zugehörigen Text, in dem geschrieben steht, dass die Werte je um eins reduziert werden können, es sei denn ein Bediener ist mehr als einmal pro Stunde der Gefährdung ausgesetzt. Der dritte Schritt beurteilt die Wahrscheinlichkeit des Auftretens. Diese Beurteilung ist sicherlich schwer. Wenn die sichere Seite erreicht werden soll, wird man hier immer 'Sehr hoch' annehmen und hat dann das Gleiche erreicht, wie mit der EN ISO13849. Hier wird die Wahrscheinlichkeit (W) des Auftretens immer mit 100% angenommen und damit nicht beurteilt.

Im nächsten Schritt muss nun die Wahrscheinlichkeit zur Vermeidung des Schadens beurteilt werden.

Auch hier sieht man wieder die Grenzen einer solchen Beurteilung. Es werden keine Hilfestellungen gegeben. Nachdem alle Beurteilungen vorgenommen wurde, werden die einzelnen Punkte in eine Tabelle zusammenführt, wobei für jede einzelne Gefährdungsstelle eine Zeile ausgefüllt werden muss.

Pro Gefahrenstelle werden in der Zeile die zuvor ermittelten Werte S, F, W und P eingetragen. Die Spalte K ergibt sich aus der Addition von F+W+P. Mit den beiden Werten S und K kann anschließend aus der folgenden Tabelle ein SIL ermittelt werden.

Der Eintrag (AM) bedeutet, dass andere Maßnahmen - also keine technische Risikominderung - ausreichend sind. Dieses Verfahren ist, wie auch in der EN ISO13849-1 nicht zwingend vorgegeben, sondern in einem informativen Anhang aufgeführt. Es lässt sich recht einfach auf die EN ISO13849-1 anwenden. Anstelle des SIL muss ein PLr in die obige Tabelle eingetragen werden.