Erschienen am: 06.10.2017, Ausgabe SPS-MAGAZIN 10 2017

Wie die Digitalisierung die Ausbildung verändert

Schlüsselrolle Bildung

Im Mittelpunkt von Industrie 4.0 stehen wandlungsfähige und vernetzte Produktions- und Logistikprozesse, die eine hocheffiziente und hochflexible Produktion ermöglichen, Kundenwünsche in Echtzeit integrieren und so individuelle Produktvarianten möglich machen. Das erfordert bei den Unternehmen nicht nur einen technologischen Wandel, sondern stellt gleichermaßen hohe Anforderungen an die Beschäftigten. Kompetenz und Erfahrung der Fachkräfte bilden nach wie vor die Basis für die berufliche Entwicklung sowie die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit der Unternehmen. Aus-, Fort- und Weiterbildung übernehmen also auch bei Industrie 4.0 eine Schlüsselrolle.


Die Lernplattform Vocanto erlaubt eine aktive Kopplung von Cloud mit Trainingsgeräten wie PC, Laptop, Tablet oder Smartphone.
Bild: Lucas-Nülle GmbH

Auf dem Weg zur Smart Factory ist insbesondere die Innovationskraft und vorausschauende Planung der Ausbildungsleiter und verantwortlichen Ausbilder gefragt. Wo die Grundfertigkeiten der bestehenden Berufsbilder ohnedies ihre unumstößliche Berechtigung haben, bedürfen hochdynamische Transformationsprozesse wie Industrie 4.0 eine vorausschauende Qualifizierung der Fachkräfte. Um dabei Effizienz und Nachhaltigkeit in der Fort- und Weiterbildung sicherzustellen, muss die Qualifizierung so eng wie möglich mit den neuen Arbeitsprozessen verzahnt werden. Da bei Industrie 4.0 mit Maschinenbau, Automatisierung und IT drei unterschiedliche Technologiesegmente zusammentreffen, sind bei den Beschäftigten interdisziplinäre Kenntnisse und ein besonderes Maß an Flexibilität gefordert.

Traditionell und modern

Wer sich jetzt den Möglichkeiten der modernen Ausbildung verschließt, wird zukünftig den betrieblichen Anforderungen nicht mehr gerecht. Weil Gesellschaft und Arbeitswelt rasanten Veränderungen unterworfen ist, müssen die didaktische Wissensvermittlung und Pädagogik Schritt halten. Schlussendlich wird die richtige Mischung aus traditioneller Wissensvermittlung und modernen Trainingsmethoden den Ausschlag geben. Standortübergreifende Ausbildungskonzepte, einheitliche Qualitätsstandards, zeitliche Flexibilisierung sowie die unterschiedlichen Einstiegsqualifikationen sind individuell zu berücksichtigen. Die Digitalisierung der Arbeitswelt ist somit auch unmittelbar der Schlüssel, um den Anforderungen an die Qualifizierung gerecht zu werden. Durch didaktisch erprobte Konzepte, flexible Trainingsgeräte, fachbezogenem E-Learning und die Möglichkeit lernortübergreifender Wissensvermittlung, stehen den Ausbildern und Lehrkräften vielseitige Einsatzvarianten zur Verfügung. Da der Durchdringungsgrad von Industrie 4.0 von Betrieb zu Betrieb heute noch sehr unterschiedlich ist, kommt Fach- und Berufsschulen eine besondere strategische Bedeutung zu. Ihre Aufgabe ist die fachliche Fundierung der Inhalte im Rahmen berufstypischer Industrie-4.0-Qualifizierungsszenarien.

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Prozessorientierte Qualifizierung

Den Anforderungen der arbeitsprozessorientierten Qualifizierung können gerade im Industriebereich so genannte Lernfabriken 4.0 (Smart Training Factories) voll umfänglich Rechnung tragen. Dort wird der Einsatz von Industrie-4.0-tauglichen Komponenten, deren Vernetzung und die funktionalen Zusammenhänge konkret und praktisch erfahrbar. Solche digitalen Qualifikationen erhöhen gleichsam die Attraktivität bestimmter Berufe für potenzielle und angehende Auszubildende und untermauern so nachhaltig den hohen Stellenwert und die enorme Bedeutung der beruflichen Bildung für die Wirtschaft. Durch die Digitalisierung werden neue Berufsbilder bestehende verändern oder gar ablösen. Darüber hinaus macht die Beschleunigung der technischen Entwicklung ein lebenslanges Lernen für jeden Beschäftigten zur festen Aufgabe. Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind aufgefordert, notwendige Lernprozesse mit praxisnahen und betriebsadäquaten Vereinbarungen zu begleiten. "Dabei darf die Vermittlung der herkömmlichen Fertigkeiten aus den Berufsgruppen natürlich nicht vernachlässigt werden, was in Summe zu erheblich komplexeren Ausbildungsinhalten führt", sagt Dirk Marheineke, Vertriebsleiter beim Lehrmittel- und Trainingssystemanbieter Lucas-Nülle. "Um einer möglichen Überfrachtung der Auszubildenden entgegen zu wirken, müssen die Darreichungsformen der zu vermittelnden Lehrinhalte, den Lern- und Lebensgewohnheiten der Auszubildenden angepasst werden." Er verweist dabei auf multimediale Lernprogramme: "Unmittelbare Anpassungen an aktuelle Lehrinhalte durch Cloud-Technik, faszinierende Animationen und ein auf die Smart-Generation zugeschnittener Aufbau machen die Wissensvermittlung attraktiver und effizienter."

Erwerb von Handlungskompetenz

Entsprechend steht der unmittelbare Erwerb von Handlungskompetenz bei der Lucas-Nülle-Lösung Vocanto im Vordergrund und erlaubt eine aktive Kopplung der Cloud-Lernplattform mit stationären Trainingsgeräten. Der praxisorientierte Aufbau, die Plattformunabhängigkeit unter Berücksichtigung aktueller Fachkunde und individueller Projekte, Wissensabfragen sowie 3D-Animationen ergeben ein modernes und effektives Lehr- bzw. Lerninstrument. Die Kombination aus Lernumgebung und digitalem Berichtsheft eröffnet auch den Ausbildern neue konzeptionelle Möglichkeiten bei der Vermittlung oder Überprüfung von Lerninhalten und erleichtert die Ausbildung für den Betrieb. Mögliche Defizite lassen sich unmittelbar erkennen und Unterstützung der Azubis individuell darauf abstimmen. "Damit entsteht eine Win/Win-Situation für Ausbilder und Auszubildende", betont Marheineke. Beide Gruppen - Ausbilder wie Auszubildende - wurden schon in die Entwicklungsphase der Lernplattform eingebunden. Bei der Umsetzung wurden die aktuellen technologischen sowie didaktischen Erkenntnisse berücksichtigt. Da alle implementierten Kurse unabhängig vom Ausbildungsjahr oder der Berufsgruppe zur Verfügung stehen, wird sowohl ein bedarfsgerechtes Lernen ermöglicht, als auch der Blick über den Tellerrand.

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Praxisnahe didaktische Umsetzung

Wie eine praxisnahe Umsetzung konkret aussehen kann, wird am Beispiel des Maschinenbauers Heller verdeutlicht, bei dem in diesem Jahr die Ausbildungsleitertagung von Lucas-Nülle stattfindet. Das Unternehmen hat für seine Akademie einen speziell auf den Maschinenbau ausgerichteten Ausbildungsablauf entwickelt. Hierbei kann die Fertigung einer Werkzeugmaschine unter realen Bedingungen geübt werden. Dabei werden alle Kompetenzen, Abläufe und Zusammenhänge von der Entwicklung über die Produktion und Montage bis hin zur Auslieferung geschult und am realen Objekt - dem Profi-Trainer - umgesetzt. Im Rahmen eines didaktischen Gesamtkonzeptes implementiert Lucas-Nülle diesen Trainer in eine Trainingsumgebung inkl. Kursangeboten. Der Profi Trainer - die verkleinerte Ausgabe einer echten CNC-gesteuerten Werkzeugmaschine - ist dabei zugleich das Werkzeug als auch die zu fertigende Maschine.

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