Erschienen am: 30.10.2017, Ausgabe SPS-MAGAZIN 11 2017

Artikelserie: Training - Service - Partner (Teil 3/3)

Was müssen wir morgen können?

Mit seinem Technical College will Moxa beim Aufbau von Kompetenz für das Netzwerkmanagement im Umfeld des industriellen IoT, Industrie 4.0 und Cyber Security helfen. Die ersten beiden Teile dieser Artikelserie fokussierten den Stellenwert von Training in diesem Bereich sowie die entsprechenden Servicekonzepte. Der folgende Beitrag zeigt, wie wichtig hier die Zusammenarbeit mit Partnern ist.


Bild: Moxa Europe GmbH

Die Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte hat sich Gedanken über die Zukunft der Arbeit gemacht und darüber, welche Kräfte die Arbeitswelt von morgen beeinflussen. Aus Sicht des Unternehmens geht es vor allem um vier Technologietrends: künstliche Intelligenz, Robotik, Sensoren und Daten. Insgesamt ergeben sich laut Deloitte für Unternehmen und Mitarbeiter zwei wichtige Lektionen für die Zukunft der Arbeit:

  • • Netzwerke und Plattformen sind wichtiger als Unternehmensgrenzen
  • • Technologie verändert jeden Arbeitsplatz

Netzwerke und Plattformen

Der sogenannte Netzwerkeffekt beschreibt die Tatsache, dass sich der Wert eines Produkts oder einer Dienstleistung oft stark erhöht, je mehr andere Kunden dieses Produkt benutzen. Das klassische Beispiel ist das Telefon. Ein einzelnes Telefon hat keinen besonderen Nutzen. Doch je mehr andere Menschen auch ein Telefon besitzen, desto größer wird der Nutzen. Auf diesem Effekt baut das Geschäftsmodell auf, bei dem ein Anbieter die Interaktion zwischen Plattformnutzern ermöglicht. Prominente Beispiele sind Amazon, Facebook, Uber und Airbnb. Wird eine kritische Masse erreicht, so steigt die Nutzerzahl oft rasant an. Bei vielen der in den letzten Jahren schnell gewachsenen Plattformen ist auffällig, dass die Betreiber kaum noch Besitzer von Maschinen, Anlagen und Gebäuden sind: Uber besitzt keine Taxis und Airbnb keine Hotels. Und auch die meisten an der Erbringung der Dienstleistung beteiligten Menschen haben weder mit Uber noch mit Airbnb einen Arbeitsvertrag. Oft sind keine besonderen Qualifikationen erforderlich - mit entsprechenden Folgen für Einkommen, Altersvorsorge, Arbeitsschutz und Mitspracherechte. Die Nutznießer sind neben den Plattformbetreibern auch ihre Kunden. Insbesondere dynamische kleine Firmen bekommen so die Chance, ohne große eigene Investitionen sehr überzeugende Angebote zu machen und schnell zu wachsen. Gut ausgebildeten Mitarbeitern, die sich in dieser neue Arbeitswelt zurechtfinden, stehen alle Türen offen.

Partnernetze statt nur Vertriebspartner

Auch Industriegiganten erkennen zunehmend die Macht des Netzwerkeffekts und versuchen nicht mehr unbedingt, allein alle wichtigen Plattformen aufzubauen. Wo Konzerne früher höchstens Vertriebspartnerschaften mit Händlern eingingen, wird heute in ganz anderem Maßstab über Unternehmensgrenzen hinweg zusammengearbeitet. In 2015 kaufte ein Konsortium aus Audi, BMW und Daimler den Anbieter hochpräziser 3D-Karten Here von Nokia für rund 3Mrd.€, um bei selbstfahrenden Autos nicht in zu große Abhängigkeit von Google zu geraten. Im August diesen Jahres gaben Amazon und Microsoft bekannt, dass ihre jeweiligen Sprachassistenten miteinander sprechen können werden - die Konkurrenten Apple und Google haben mit ihren Handy-Plattformen starke Netzwerkeffekte auf ihrer Seite, gegen die auch die Cloud-Giganten Amazon und Microsoft allein nicht bestehen können. Entsprechend faßt Deloitte zusammen: In der Zukunft hilft nur radikale Offenheit, um mit den Netzwerkeffekten und der Geschwindigkeit des globalisierten Geschäfts mithalten zu können.

Technologie verändert jeden Arbeitsplatz

Die ersten drei sogenannten industriellen Revolutionen - Mechanisierung, Elektrifizierung und Automatisierung - brachten zwar radikale Veränderungen, betrafen aber nicht unbedingt alle Jobs. Von der aktuellen Digitalisierungswelle sind oder werden praktisch alle Berufe und Lebensbereiche betroffen sein. Der Digitale Zwilling (engl.: Digital Twin) ist ein Beispiel dafür, wie in der Fabrikautomatisierung durch Künstliche Intelligenz, Robotik, Daten und Sensoren die Menschen - bei entsprechender Qualifikation - immer besser unterstützt werden können. Besonders interessant ist das Zusammenspiel der Digitalen Zwillinge im Betrieb: Sensoren liefern die dafür nötigen Daten, teilweise fast in Echtzeit. So können cloud-basierte Algorithmen für maschinelles Lernen eingesetzt werden, um Erkenntnisse für die Verbesserung des laufenden Betriebs zu erlangen. Im besten Fall kann schon heute simuliert werden, wie die nächste Generation der Maschinen und Anlagen noch größere Verbesserungen erzielen kann.

IT + OT = Digital Twins?

In der Automatisierung der dritten industriellen Revolution mit ihrer Operational Technology (OT) kamen ursprünglich vor allem punktuelle Lösungen zum Einsatz, die kaum mit vor- und nachgelagerten Prozessschritten vernetzt waren. In der IT haben sich mit dem weltweiten Internet und Service-orientierten Software-Architekturen schon wesentlich früher vernetzte Lösungen etabliert. Aber es gab wenig Zugriff auf Daten aus der OT-Welt. Erst das Zusammenspiel beider Komponenten schafft die Voraussetzungen für die Durchbrüche, die die Industrie 4.0 verspricht. In den vergangen Jahren haben sich vielversprechende Ansätze entwickelt: OPC UA setzt sich offenbar als Kommunikationsprotokoll und Datenmodell für die Maschine-zu-Maschine-Kommunikation immer mehr durch. Aus der IT-Welt verbreiten sich Mechanismen wie MQTT, die auch bei geringer Bandbreite, Verzögerungen und unterbrochenen Verbindungen arbeitsfähig bleiben und REST, das den Datenaustausch unabhängig von Programmiersprache und Computer-Plattform macht und die erprobten Mechanismen des Internets nutzt. Offensichtlich gilt auch in der Industrie 4.0 das Mantra der radikalen Offenheit: Nur wenn sehr viele Maschinen und Anlagen und ihre Digitalen Zwillinge über Unternehmensgrenzen hinweg die gleichen Datenmodelle und Protokolle verstehen, entsteht großer zusätzlicher Nutzen. Aber wie vereinigt man viele geschlossene Systeme zu einem großen offenen interagierenden Netzwerk - mit Mitarbeitern, die OPC UA, MQTT und REST bisher nur aus Zeitschriften kennen?

Erster Schritt

Im ersten Schritt müssen bei neuen Projekten Schnittstellen für die neue Konnektivität vorgesehen werden, auch wenn sie anfangs eher zu pädagogischen Zwecken genutzt werden. So unterstützen bereits einfache ioLogik-Ethernet-I/O-Geräte von Moxa sowohl klassische OT-Protokolle wie Modbus und Ethernet/IP als auch RESTful und über den Moxa AOPC UA Server auch die Anbindung an OPC UA-basierte Server oder Cloud-Lösungen. In vielen Fällen verhindern Sicherheitsbedenken, große lokale Datenmengen und vergleichsweise geringe Bandbreite in Kombination mit langen Latenzzeiten, dass alle relevanten Daten direkt in die Cloud gespeichert und weiterverarbeitet werden können. Hier entwickeln sich mit Edge Processing und Fog Storage vielversprechende Lösungsansätze (siehe Diagramm). Moxa bietet mit ThingsPro eine Plattform, die es Kunden ermöglicht, für das Edge Processing ihre eigene Business-Logik zu programmieren, ohne sich groß um die Kommunikation zwischen OT- und IT-Welt kümmern zu müssen. Auch sind immer mehr Moxa Embedded Computer Azure-zertifiziert, können also mit Microsofts IoT Hubs das effektive Zusammenwachsen der beiden Welten vorantreiben. Mit diesen Ausführungen endet der Dreiteiler über Training, Service und Partner in Zeiten von IIoT, Industrie 4.0 und Cyber Security. Wer seine Fähigkeiten rund um das Thema Industrielle Kommunikation verbessern möchte, sollte über entsprechende Weiterbildungsmaßnahmen nachdenken - z.B. über einen Kurs am Moxa Technical College-Kurs und zukünftige Teilnehmerschaft des Certified-Engineer-Netzwerks. In jedem Fall gelten für uns alle die Ratschläge von Deloitte, wenn wir in der Arbeitswelt von morgen bestehen wollen:

  • • Höre nicht auf zu lernen!
  • • Nimm Deine berufliche Zukunft in die eigenen Hände!
  • • Suche Aufgaben, die Dir Spaß machen!