Erschienen am: 14.11.2017, Ausgabe SPS-MAGAZIN SPS-Special 2017

Interview mit Thomas Pikkemaat, Helukabel.

Update auf 90°C

Helukabel hat sein Programm an Servo- und Geberleitungen von 80 auf 90°C UL-Styles umgestellt. Im Gespräch mit dem SPS-MAGAZIN erklärt Thomas Pikkemaat, Kaufmännischer Betriebsleiter im Werk Windsbach und Produktmanager Antriebstechnik bei Helukabel, die daraus resultierenden Vorteile für den Anwender.


Helukabel hat sein Programm an Geber- und Servoleitungen auf 90°C UL-Styles umgestellt. Was sprach für diesen Schritt?

Bild: HELUKABEL GmbH

Thomas Pikkemaat: Seit vielen Jahren sind 80°C UL-Styles der Marktstandard. Es gibt zurzeit kaum Hersteller, die ihre Servo- und Geberleitungen mit einem 90°C UL-Style spezifizieren. Aus technischer Sicht spricht jedoch einiges dafür. In motornahen Umgebungen treten durchaus Temperaturen über 80°C auf. Auch die Adern in Motorklemmkästen werden nicht selten höheren Temperaturen ausgesetzt.

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Welche Materialien setzt Helukabel für die Mantel- und Aderisolation ein?

Pikkemaat: Für den Mantel verwenden wir PVC und PUR. Für die hohe Temperaturbeständigkeit verantwortlich sind allerdings vor allem technische Verbesserungen bei den Materialien für die Aderisolation. Wir verwenden hierfür heute Polypropylen-Materialien, kurz PP mit einer Temperaturbeständigkeit bis 110°C. Der thermoplastische Kunststoff ist nicht nur dauerhaft temperaturstabil, er verfügt auch über eine sehr niedrige Dielektrizitätskonstante. Das macht PP zu einem hervorragenden Isolationsmaterial.

Sie sprechen von Verbesserungen. Welche Materialien wurden früher eingesetzt?

Pikkemaat: Bis etwa 2009 galt Polyester als Nonplusultra, wenn es um schleppkettenfähige Servoleitungen ging. Es überzeugt durch hervorragende mechanische Eigenschaften und eine hohe Temperaturbeständigkeit. Doch es hat zwei entscheidende Nachteile: Feuchtigkeit, besonders bei hohen Temperaturen, schadet dem Kunststoff und die hohe Dielektrizitätskonstante führt zu hohen Kapazitätswerten der Leitung. Das kann gerade bei längeren Strecken zu Problemen führen.

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Wann ist Helukabel beim Adermaterial auf PP umgestiegen und welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?

Pikkemaat: Wir verwenden PP seit 2005. Anfangs mussten wir noch eine schlechtere Temperaturbeständigkeit in Kauf nehmen. Bei 80°C war einfach Schluss. Die großen Vorteile bei den elektrischen Eigenschaften überwogen jedoch und waren ein Ansporn, die Temperaturbeständigkeit in den Griff zu bekommen. Aufgrund der Weiterentwicklung bei den Kunststoffen und verbesserten Fertigungsprozessen setzen wir heute, wie gesagt, spezielle Materialien ein, die sich gut verarbeiten lassen und temperaturbeständig sind.

Gilt dies auch für den Dauereinsatz, z.B. in Werkzeugmaschinen?

Pikkemaat: Klar, die Temperaturbeständigkeit ist immer im Zusammenhang mit dem Faktor Zeit zu sehen. In unserem Prüflabor haben wir die neuen Servo- und Geberleitungen monatelangen Tests in Klimaöfen unterzogen. Für die Aderisolation lässt sich damit tatsächlich eine Temperaturbeständigkeit bis 90°C für eine Dauer von 30.000 Stunden bestätigen.

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Wie gestaltete sich die Zertifizierung für Helukabel?

Pikkemaat: Wir sind der erste Hersteller in Europa, der sein komplettes Servo- und Geberleitungs-Sortiment auf 90°C UL-Styles umgestellt hat. Die dafür erforderlichen UL-Styles wurden teilweise extra für Helukabel neu geschaffen und finden in allen Fertigungsstätten der Unternehmensgruppe Anwendung.

Ab wann sind die neuen Kabel erhältlich? Was ändert sich für Kunden von Helukabel durch die Umstellung?

Pikkemaat: Unser Topserv- und Topgeber-Sortiment ist ab November in 90°C UL-Styles verfügbar. Die Umstellung erfolgt fließend unter der bestehenden Artikelnummer. Da Helukabel bereits seit vielen Jahren diese temperaturbeständigen Materialien verwendet, bleiben die Leitungen bis auf den Mantelaufdruck technisch unverändert.

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