Erschienen am: 08.02.2018, Ausgabe SPS-MAGAZIN 1+2 2018

Intelligentes Transportsystem mit selbstfahrenden Transportwagen

Batteriewechsel auf Formel-1-Niveau

Auf der SPS IPC Drives hat Mitsubishi Electric die Weiterentwicklung seines modularen und smarten Linearsystems gezeigt. Neues Highlight ist eine Energieversorgung per Batterie direkt in den Carriages - sowohl für die Bewegung der Transportwagen, als auch für eventuelle Aufbauten und Funktionen. Zudem wurde auch das Konzept für die Bedienersicherheit überarbeitet.


Durch die integrierte Intelligenz des LTS und vielseitige Anbindungsmöglichkeiten können sich die Smart Carriages komplett autonom bewegen.
Bild: Mitsubishi Electric Europe B.V., Getty Images

Mit dem Linear Transfer System (LTS) will Mitsubishi Electric auf moderne Herausforderungen der Industrie antworten und schnelle Reaktion auf Markttrends, ein hohes Maß an Kundenanpassung sowie Kostenreduzierungen ermöglichen. Integrierte Intelligenz und vielseitige Anbindungsmöglichkeiten machen die Produktion flexibler, weil sich die Transportwagen unterschiedlich und autonom bewegen können. So sind die Smart Carriages beispielsweise in der Lage den schnellsten Weg zur nächsten Station zu wählen und unterwegs die Weiterverarbeitung des mitgeführten Produktes zu unterstützen. "Auch bei der Weiterentwicklung des Konzepts sind wir beim Kernmerkmal der smarten Transporteinheiten geblieben", erklärt Klaus Petersen, europäischer Marketingverantwortlicher im Segment Fabrikautomatisierung bei Mitsubishi Electric, den dahinter stehenden Ansatz. "Die Intelligenz bleibt nach wie vor dezentral auf den Carriages. Es gibt keine übergreifende Leitstelle."

Stromversorgung nicht über die Schiene

Dabei versorgt das neue integrierte Batteriesystem nicht nur die Sensoren, Controller und Speicher des Transportwagens mit Strom, sondern auch dessen Antrieb. Gegenüber anderen Systemen bietet dieses Konzept den Vorteil, dass die Stromversorgung nicht über die Schiene erfolgt, was eine deutlich größere Gestaltungsfreiheit beim Layout der Anlage erlaubt. Durch den Wegfall der Gleitkontakte erhöht sich zudem die Zuverlässig, denn weder birgt Staub die Gefahr eines Ausfalls noch ist eine regelmäßige Reinigung notwendig. "Weil sich die Carriages nicht adhoc wieder aufladen lassen, haben wir im System einen Batterietausch auf Formel-1-Niveau implementiert - er passiert vollautomatisch und in unter fünf Sekunden", sagt Petersen. "Im Gegenzug kommt das System komplett ohne Stromschienen und das verbundene Material sowie die Wartung aus." In Summe kann das System also durch reduzierte Kosten punkten und eignet sich zudem für Hygieneanwendungen. "Das System weiß genau, wann eine neue Batterie benötigt wird, denn es trackt die Ladezyklen der einzelnen Carriages", führt Petersen weiter aus. Die Batterien sind auf 600 Ladezyklen bei 50 Prozent Last ausgelegt, wobei letzterer Wert in der Praxis nur selten - bei kurzen aber starken Beschleunigungszyklen - erreicht wird.

Betrieb ohne Schutzelemente

Gleichzeitig erlaubt das neue Sicherheitskonzept einen Betrieb ohne Schutzabsperrung und somit einen Produktivitätszuwachs. In Kombination mit den eingebauten Sensoren reduzieren die integrierten Sicherheitsfunktionen STO und SLS die Fahrt der Transportwagen auf ein sicheres Tempo, wenn sich jemand nähert - aber nur in dem Bereich, in dem tatsächlich Kollisionsgefahr besteht. In allen anderen Bereichen des LTS geht der Betrieb mit unverminderter Geschwindigkeit und ohne Produktionseinbußen weiter.

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Großes Interesse beim Anwender

"Auf Seite möglicher Pilotanwender verzeichnen wir ein großes Interesse", fährt Petersen fort, "und das aus ganz unterschiedlichen Bereichen." Das Spektrum reiche vom klassischen Maschinen- und Anlagenbauer bis hin zu Versandhäusern oder Supermärkten. "Das geht weit über unser ursprüngliches Ziel hinaus, zeigt aber wie attraktiv unser Konzept für eine Vielzahl von Anwendungen ist." Entsprechend will man bei Mitsubishi Electric jetzt zügig mit ersten Pilotprojekten starten. Ende des Jahres will der Anbieter dann in die Serienfertigung und den offiziellen Vertrieb gehen. Dann soll der Anwender aus einem großen Sortiment an Schienenteilen in verschiedenen Längen und Kurvenradien sowie Smart Carriages mit der Technik von Mitsubishi Electric unkompliziert ein komplettes Lineartransfersystem nach individuellen Anforderungen zusammenstellen können.

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