Erschienen am: 28.03.2018, Ausgabe SPS-MAGAZIN 4 2018

Inbetriebnahme verkürzen und Flexibilität steigern

Drag&Drop statt programmieren

Am Standort in Abstatt, wo Bosch Bremssysteme entwickelt, ist Ingenieursleistung wichtig: Nicht nur in der Konstruktion von Bremsen, sondern genauso bei den Prüfständen. Denn dort werden umfassende Tests absolviert - oft über Monate hinweg. Um diese zu konfigurieren und auszulegen, kommt jetzt vermehrt eine App-basierte Lösung zum Einsatz.


Schlank und schnell: Die jeweilige App für die benötigte Funktion zieht man einfach in den Aktivbereich - schon ist sie einsatzfähig.
Bild: Robert Bosch GmbH

Die knapp 100 Prüfstände des Standorts sind darauf ausgelegt, Komponenten von der Pumpe über Magnetventile und Motor bis zum Gesamtaggregat einzeln und als Komplettsystem unterschiedlichen Belastungen auszusetzen. Die Prüfstände, die u.a. per SPS gesteuert werden, müssen dabei regelmäßig neu eingerichtet werden - im Schnitt vier bis fünf im Jahr. Das war aufgrund umfangreicher und komplexer Programmierarbeit bislang sehr aufwändig.

Anpassen per App

Heute können sich die Prozess-Ingenieure auf das Wesentliche konzentrieren, denn statt viel Zeit mit der Detail-Programmierung zu verlieren, bedient man sich der ARP-Apps (Automation Ressource Planning) von Ulixes. Damit funktioniert das spezifische Anpassen der Prüfstände schnell und effizient. Die Apps helfen, Prozesse und Konfigurationen per Drag&Drop zusammenstellen. So benötigt ein Mitarbeiter rund einen Tag, um sich die entsprechenden Apps für die jeweiligen Aufgaben aus dem App Store zu ziehen und zu konfigurieren. Auf die Idee brachte Bosch der IT-Partner IMT Systeme und Services aus Stuttgart. Mit dem Ulixes-ARP-System lassen sich die Prozesse im Werk des Automobilzulieferers einfach modulieren. Man zieht Funktion für Funktion aus dem App Store mit der Maus oder am Touchscreen einfach mit dem Finger in den Aktiv-Bereich und gibt die gewünschten Kennzahlen und Parameter ein. Einige ARP-Steuerungen laufen bereits. Insgesamt will man in Abstatt in den nächsten Jahren 30 bis 40 Prüfstände damit ausrüsten. Bis Ende des Jahres sollen es bereits 15 Prüfstände sein, die mit dem neuen System betrieben werden.

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Kein Programmieraufwand

"Man kann mit dem Ulixes-ARP unterschiedlichste Sondermaschine ohne individuellen Programmieraufwand steuern", erläutert IMT-Geschäftsführer Rudolf Hobelsberger die Möglichkeiten der Software. "Für jede Funktion, die man braucht, wählt man nur die entsprechende App aus und konfiguriert sie. So stellt man sich seine benötigten Prozesse einfach zusammen." Die Vorteile des flexiblen Systems sind vielfältig: Die Zeiten für die Inbetriebnahme von Prüfständen und Sondermaschinen verkürzen sich deutlich. Geschulte Mitarbeiter können ohne Programmierkenntnisse Änderungen selbst vornehmen. Steuerung und Betrieb entlasten damit die Programmierer. Zudem bleibt das System als Standard-Software mit regelmäßigen Updates von selbst immer auf dem aktuellen Stand und übernimmt sogar die Dokumentation der zusammengestellten Anlage vollautomatisch mit einer eigenen App.

Funktionen selbst entwickeln

Zur Steuerung, für Schnittstellen zur Datenübergabe und vieles mehr lassen sich bereits vorhandene Apps aus dem App Store nutzen und individuell zusammenstellen. Alternativ besteht aber auch die Möglichkeit, über ein frei verfügbares Software Development Kit weitere Funktionen bzw. Apps selbst zu entwickeln. Diese kann man, wenn gewünscht, über den App Store wiederum anderen ARP-Nutzern gegen Entgelt zur Verfügung stellen. So hat IMT speziell für einzelne Funktionen der Prüfstand-Steuerung Apps entwickelt, die jetzt auf allen Systemen per Drag&Drop eingesetzt werden können. Das Ergebnis ist entsprechend sehenswert. Die Testumgebungen für die neu entwickelten Bremssysteme können heute aufgrund der modernen und flexiblen App-Lösung ohne teure Programmierung eingerichtet, konfiguriert und angepasst werden. Sie funktionieren - wie die Bremssysteme selbst - effizient, einfach und sicher.

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