Erschienen am: 28.03.2018, Ausgabe SPS-MAGAZIN 4 2018

Wago auf der Microsoft Connected Factory

Erfolgreich vernetzt

Wer Daten in die Cloud bringt, kann Mehrwert generieren. Soweit die Theorie. Wie Unternehmen in der Praxis profitieren, wenn sie ihre Produktions- und Anlagendaten in einer Cloud zusammenführen, zeigten Microsoft und Wago in einer Vortragsreihe zur Veranstaltung 'Connected Factory'.


Jürgen Pfeifer, Automation Account Manager von Wago, ermutigte die Teilnehmer einmal selbst auszuprobieren, wie einfach Daten aus der Feldebene gewonnen und für Analysen genutzt werden können.
Bild: Wago Kontakttechnik GmbH & Co. KG

"Bei der digitalen Transformation geht es heute längst nicht mehr um das Ob, sondern um das Wie", so kommentiert Thorsten Cleve, Direktor Fertigungsindustrie bei Microsoft Deutschland, die Entwicklung hin zu Industrie 4.0 und der durchgängig vernetzten Fabrik. Die Integration von Produktions-, Logistik- und Wertschöpfungsketten mache Industrieunternehmen agiler, sorge für effizientere Prozesse, schaffe Sicherheit und ermögliche mehr Kundennähe. Antworten auf die Frage nach dem "Wie" gaben Cleve und andere Referenten im Rahmen der Vortragsreihe "Microsoft Connected Factory", zu der das Softwareunternehmen Ende letzten Jahres in seine neue Deutschlandzentrale in München eingeladen hatte. Beim Aufbau einer vernetzten Fabrik geht es im Kern darum, Produktions- und andere Daten zu erfassen, zu verknüpfen und auszuwerten. Das Unternehmen Wago, Partner der Veranstaltung, schafft, um Automatisierungstechnik und IT zusammenzuführen, mit seinen Produkten und Lösungen ein Bindeglied zwischen der physischen Welt von Maschinen und Anlagen sowie der digitalen Sphäre der Daten und Analysen. In den Vorträgen informierten u.a. die Referenten von Microsoft und Wago die rund hundert Teilnehmer aus Industrie und Consulting, wie Unternehmen ihre Daten vernetzen und daraus einen Mehrwert generieren können. Zudem bekamen die Teilnehmer die Gelegenheit, ihr erworbenes Wissen in einem Hands-On-Workshop mit Fachleuten von Wago in die Praxis umzusetzen.

Signale werden dort erfasst, wo sie entstehen

Ein Schwerpunkt der Vortragsreihe lag auf den Cloud-Lösungen, mit denen Wago seine Kunden bei der digitalen Transformation unterstützt. "Industriebetriebe unterhalten häufig einen sehr heterogenen Maschinenpark", beschrieb Jürgen Pfeifer, Account Manager Automation bei Wago, in seinem Eröffnungsvortrag die Herausforderung, vor der viele Unternehmen gegenwärtig stehen. "Wie bekommt man die Daten aus diesen Systemen, wie führt man sie zusammen - kurz: Wie schafft man eine Connected Factory?" Eine Antwort liegt in den Wago-Steuerungen der PFC-Familie: Sie sind in der Lage, Daten aus der Feldebene einzusammeln und über das MQTT-Protokoll TLS-verschlüsselt in die Azure-Cloud von Microsoft zu senden, wo sie aggregiert und ausgewertet werden. "Die Signale werden dort erfasst, wo sie entstehen. Das vermeidet Umwege und Engineering-Aufwand", so Pfeifer. Grundsätzlich seien die PFC-SPSen Azure-zertifiziert. "Durch die Vielzahl der Protokolle und Standards, die von der Steuerung unterstützt werden, unterliegen die Unternehmen jedoch praktisch keinerlei Beschränkungen, was die Anbindung von Anlagen und Maschinen betrifft". Als Benutzeroberfläche bietet sich dabei die Cloud Data Control von Wago an - eine Out-of-the-Box-Applikation auf Azure, mit der Anwender standortunabhängig über einen Standard-Webbrowser auf Funktionen wie die Controller-, Projekt- und Benutzerverwaltung zugreifen, ein Monitoring der Anlagen vornehmen oder Reports erstellen können. "Jeder SPS-Programmierer kommt damit zurecht. Man muss kein IT-Spezialist sein, um damit zu arbeiten", versicherte Pfeifer. Sein Rat an das Auditorium: "Einfach testen!"

Anzeige

Cloud in zwei Varianten

Auch Frank Schmid, Leiter Geschäftsbereich System Solutions der Wago-Tochter M&M Software, betonte in seinem Vortrag die Nutzerfreundlichkeit der Lösung. "Die Konfiguration der Verbindung zu Azure erfolgt über den lokalen Webserver." Wago stellt seine Cloud in zwei Varianten zur Verfügung: Zum einen als Software as a Service (SaaS), bei der der Anbieter die Rolle des Betreibers der Cloud übernimmt. Die Kunden verbinden dann ihre Steuerungen mit der Cloud und legen selbstständig Accounts und Projekte an. Zum anderen haben die Kunden die Möglichkeit, mit Wago eine eigene Cloud zu schaffen. "Mit diesem Angebot wenden wir uns an Unternehmen, die eine Vielzahl von Anlagen einbinden und die Cloud individuell für ihre Business-Zwecke gestalten wollen", erklärte Schmid. Das SaaS-Modell richte sich dagegen vor allem an Unternehmen, die schnell starten und ohne Aufwand von den Vorteilen einer Cloud profitieren wollen.

Sicher in die Cloud

Microsoft-Manager Cleve richtete anschließend den Blick auf die übergeordneten Ziele, die Industrieunternehmen mit der digitalen Transformation adressieren. "Vor allem geht es darum, schneller und besser zu verstehen, was der Kunde will, und diese Erkenntnisse dann in die eigenen Prozesse zu übertragen", fasste er zusammen. Den Mehrwert einer digitalisierten Produktion mittels Cloud-Lösungen verdeutlichte Max Morwind, Technologieberater IoT bei Microsoft Deutschland, anhand konkreter Zahlen. So könnten zum Beispiel Industriebetriebe ihre Produktivität mit dem Aufbau einer Smart Factory um durchschnittlich 17 bis 20 Prozent erhöhen. Allerdings hätten bislang gerade einmal sieben Prozent dieser Firmen Echtzeitlösungen für das Monitoring des gesamten Produktionsprozesses implementiert. Was hält die Unternehmen davon ab, eine Cloud zu nutzen? Ein wesentlicher Grund, das bestätigten die Diskussionen der Teilnehmer, liegt in der Sorge um die Sicherheit der Daten. Microsoft-Mitarbeiter Dr. Holger Krenn verwies daher auf die hohen Standards der Azure-Cloud. So beschäftigt das IT-Unternehmen allein 5.000 Security-Experten, die sich ausschließlich darum kümmern, dass die Systeme und Anwendungen von Microsoft sicher sind. Und auch Schmid unterstrich den hohen Stellenwert des Themas Security in der Wago-Cloud. Er wies u.a. auf die Verschlüsselung des ein- und ausgehenden Datenverkehrs hin und betonte, dass die genutzten Azure-Dienste und -Ressourcen nicht mit anderen Kunden geteilt werden.

Anzeige