Erschienen am: 28.03.2018, Ausgabe SPS-MAGAZIN 4 2018

Von Plattformen und Marktplätzen

Die Grundlage ist das Fundament der Basis. Oder doch der Plattform? Spaß beiseite: Es soll um das industrielle Internet der Dinge gehen. Dieses stellt unglaubliche Möglichkeiten in Aussicht und schon heute spannende Funktionen und Werkzeuge zur Verfügung. Aber welche ist die richtige Plattform für das IoT?


Plattformen funktionieren nur, wenn möglichst viele Anwender sie nutzen. Das ist längst aus dem Consumer-Umfeld bekannt und im B2B-Bereich nicht anders. Entsprechend gibt es hier aktuell eine Vielzahl von Aktivitäten: von Forschungsverbänden wie Fraunhofer über Automatisierer wie Beckhoff oder Großkonzerne wie Siemens bis hin zu Mittelstandskooperationen wie Adamos. Allesamt verfolgen sie den Anspruch, eine exakt passende Plattformlösung für ihre Kunden anzubieten. Sicherlich gut gemeint - doch welche Dimensionen das Angebot des industriellen IoT mit all seinen Facetten annimmt, das verdeutlicht die obige Grafik eindrucksvoll.

Wie soll sich der Anwender in dieser Vielfalt zurechtfinden? Diese Frage stellte Prof. Roman Dumitrescu, Geschäftsführer des It´s-OWL-Clusters, im Rahmen seiner Keynote auf dem 2. Fachkongress Losgröße 1 (Seite 14). Das Cluster beschäftigt sich deshalb stark mit dem Konzept eines plattformunabhängigen Marktplatzes, über den Maschinenbauer ihre jeweiligen Tools und Services anbieten können.

Obwohl es mittelfristig nur eine begrenzte Zahl von IoT-Plattformen für die produzierende Industrie nebeneinander geben kann, so zeigt die Erfahrung aus der Automatisierungshistorie doch deutlich: Die eine Lösung, auf die sich alle Anbieter einigen, die wird es nicht geben. Umso mehr bedarf es gemeinsamer Schnittstellen - was einen gewissen Grad an Offenheit voraussetzt. Hier sei die IT-Welt der Industrie klar voraus, konstatierte Prof. Oliver Riedel auf den Stuttgarter Innovationstagen. "Die IT-Welt hat schon lange gelernt, dass proprietäre Lösungen die Kassen zwar kurzfristig zum klingeln bringen, langfristig im Ökosystem aber eher Schaden hinterlassen", so der ISW-Institutsleiter (Seite 18). Hier könne sich der Maschinenbau noch einiges abschauen. In diesem Sinne wünsche ich eine interessante Lektüre.

Mathis Bayerdörfer

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