Erschienen am: 29.01.2013, Ausgabe SPS-MAGAZIN 1+2 2013

Nicht mehr ohne:

Fernwartung lohnt sich

Nicht nur Maschinen- und Anlagenbauer schätzen die Vorteile von Fernwartungssystemen. Auch Endanwender verlangen manchmal die Möglichkeit des Zugriffs von außen. Ein Beispiel ist die Firma Cofresco Frischhalteprodukte GmbH & Co. KG, Markenhersteller im Produktbereich Haushaltsfolien und -papiere. Das Unternehmen hat einen Fernwartungsstandard definiert, den Lieferanten verwenden müssen: Es setzt die Fernwartungsrouter der Serie eWon in Verbindung mit dem Online-Serviceportal Talk2M von Wachendorff ein.


In fast allen deutschen Küchen sind sie zu finden: Toppits Frischhaltefolien oder Gefrierbeutel von klein bis groß, vom Eiskugelbeutel bis zum Bratschlauch. Hergestellt werden diese Produkte von Cofresco, einem Unternehmen der Melitta Holding. Im ostwestfälischen Minden, gleich neben dem Melitta-Stammhaus, werden nicht nur Folien für den deutschen Markt produziert: Unter verschiedenen Markennamen laufen Folien und Verpackungen für ganz Europa vom Band.

Fernwartung wichtig für Inbetriebnahmephase

Die Unternehmensgeschichte begann 1937 mit Butterbrotpapier. Heute gilt das Unternehmen als einer der Technologieführer der Branche, der kontinuierlich in Forschung und Entwicklung investiert. Entsprechend fortschrittlich ist auch der Maschinenpark. "Wir sind immer auf der Suche nach Innovationen bei den Produktionsverfahren", erzählt Friedrich Niedernolte, der die elektrische Instandhaltung bei Cofresco leitet. In dieser Eigenschaft besucht er regelmäßig Messen und bildet sich weiter. "Schließlich müssen wir technologisch am Ball bleiben, um Markenqualität auf höchstem Niveau produzieren zu können, aber gleichzeitig die Kosten stets im Griff zu haben", erklärt er. Aus dem gleichen Grund verlangt er von seinen Lieferanten generell die Möglichkeit der Fernwartung. "Gerade in der Inbetriebnahmephase ist das für uns ganz wichtig", stellt Friedrich Niedernolte klar und fügt hinzu, "es dauert eine Weile, bis eine neue Maschine einwandfrei läuft." Da viele Anlagenbauer die Programmierung extern einkaufen, sei dann der Programmierer meistens schon wieder beim nächsten Projekt - im Extremfall sogar irgendwo im Ausland unterwegs. "Wenn es dann bei uns noch Anpassungsbedarf gibt, dann ist es ohne Fernwartung sehr schwierig, den kurzfristig umzusetzen" führt er aus.

Anforderung: Einheitliche Fernwartungslösung

Viele Maschinenbauer haben bereits eigene Fernwartungsmöglichkeiten. Bei Cofresco wünschte man aber einen einheitlichen Standard, der nun in den Lieferbedingungen festgeschrieben ist. "Unterschiedliche Systeme haben auch unterschiedliche VPN-Zertifikate, die sich gegenseitig stören können", erklärt Michael Suhr, IT-Experte des Unternehmens. "Außerdem ist das Handling immer wieder anders und unsere Mitarbeiter müssen sich damit auf unterschiedliche Nutzeroberflächen einstellen. Dieses Chaos wollten wir nicht länger", ergänzt Friedrich Niedernolte. Entschieden hat man sich für die Fernwartungsrouter der Serie eWon in Verbindung mit dem Online-Serviceportal Talk2M von Wachendorff. "Die Handhabung ist bei dieser Lösung einfacher als bei anderen Systemen", berichtet Michael Suhr. Vor allem aber Sicherheit war für den IT-Experten wichtig. "In unserem Unternehmen gelten strenge Sicherheitsvorschriften für die EDV, die auch regelmäßig von der Revision überprüft werden", erklärt er und fügt hinzu: "Wir wollen hier niemanden ins Netz lassen und lieber alles selbst in der Hand behalten." Mit den eWon-Routern sei das kein Problem. Damit könne sein Unternehmen das System einmal konfigurieren, stelle ein virtuelles Netz mit einem einzigen Durchgang durch die Firewall bereit und habe damit ausreichend Kapazitäten für unsere Anlagen. "Kommt eine neue hinzu, wird sie über einen Switch integriert - das ist in fünf Minuten erledigt", erklärt der IT-Mitarbeiter. Instandhalter Friedrich Niedernolte schätzt vor allem, dass die Router industrietauglich und robust sind. Um alle Möglichkeiten der Router nutzen zu können, hat er in seinem Büro eine Testanlage aufgebaut, an der er neue Funktionen einem ausführlichen Praxistest unterzieht, bevor er sie in die Tat umsetzt. Hier befindet sich auch eine Kamera, die direkt auf eine angeschlossene SPS gerichtet ist, um von Ferne sofort sehen zu können, ob seine Programmierungen auch in die Tat umgesetzt werden. Eine Kamera befindet sich auch vor Ort an der kürzlich in Betrieb genommenen Verpackungsanlage. Widerstand der Mitarbeiter gebe es dabei nicht: Dem Bediener wird über eine Meldeleuchte signalisiert, ob der Programmierer gerade online ist und zuschauen kann, so dass hier niemand Angst vor einer unbemerkten Überwachung haben muss.

Vielfältige Fähigkeiten der Fernwartungs-Lösung

Beim Anlagenbetreiber Cofresco zeigt sich die Vielseitigkeit der Lösung, denn hier sind viele unterschiedliche Maschinenbauer, Steuerungsbauer und SPS-Hersteller involviert. "Vor der Änderung unserer Lieferbedingungen hatten wir auch schon den Fall, dass ein Lieferant die Möglichkeit der Fernwartung gar nicht vorgesehen hatte und ein entsprechendes Gateway fehlte", erzählt Friedrich Niedernolte. Mit der Plug'n'Route-Möglichkeit des eWon-Routers war das trotzdem kein Problem, denn der Inbetriebnahme-Assistent eCatcher ist in der Lage, alle Adressen auszulesen. Auf diese Weise lassen sich die Steuerungen aller gängigen Hersteller fernwarten - auch wenn sie ursprünglich für diesen Zweck gar nicht ausgelegt waren. Auch der Zugriff über Tablets oder Smartphones kann so konfiguriert werden.

Fernwartung sehr komplexer Anlagen realisieren

Bei dem Unternehmen wurde gerade die große Palettieranlage modernisiert. Hier kommen kontinuierlich Kartons mit Folienrollen aus der Produktion in der Nachbarhalle an. Diese werden identisch ausgerichtet und dann mit Hilfe eines Roboters auf Paletten gepackt. Nach dem Einwickeln mit Folie läuft die versandfertige Palette vom Band. Auch diese komplexe Anlage, ohne die keine Haushaltsfolien das Werk verlassen können, ist mit der Router-Lösung fernwartbar. Das ist nicht nur während der Inbetriebnahmephase sinnvoll, sondern auch darüber hinaus: "Unser Instandhaltungsteam besteht aus sieben Personen mit ganz unterschiedlichen Aufgabenschwerpunkten. Wenn eine Störung auftritt, muss sofort reagiert werden - selbst dann, wenn der Mitarbeiter, der sich hier am besten auskennt, gerade einmal nicht im Haus sein sollte. Auch dafür nutzen wir eWon", erklärt der Instandhalter. Er und seine Kollegen könnten so bei Bedarf über jeden Webbrowser die Anlage einsehen und dem Bediener helfen - egal, ob sie schon Feierabend haben oder gerade auf einer Messe unterwegs sind. Dabei sind sowohl der Zugang zum Talk2M-Server als auch der Zugriff auf das entsprechende eWon durch Zugangsdaten wie Account, User und Passwort geschützt. Der Zugriff auf eine ggf. angeschlossene Kamera ist nochmals separat gesichert. "Wir haben mit der Lösung unseren Unternehmensstandard gefunden und möchten auf die Möglichkeiten dieses Industrierouters nicht mehr verzichten", fasst Friedrich Niedernolte seine Erfahrungen zusammen. n