Erschienen am: 29.10.2014, Ausgabe SPS-MAGAZIN 11 2014

Die Suche nach der Nadel im Heuhaufen

Wenn es im Unternehmen gut läuft, denkt kaum jemand über Vergeudung nach. Dennoch zeigt die Erfahrung, dass man immer etwas an Material und Arbeitskraft sparen kann: fünf Prozent sind realistisch.

Autor: Rolf Sawall


Bei der Optimierung einzelner Fertigungsbereiche geben die zuständigen Spezialisten in der Regel ihr Bestes. Für die traditionelle Vorgehensweise, die auf Erfahrung setzt, bedarf es dann immer speziellerer Spezialisten um noch etwas zu verbessern. Irgendwann ist hier das Ende der Fahnenstange erreicht.

Methodiker gesucht

Potenzial wartet aber auch noch an anderer Stelle, nämlich in der ganzheitlichen Diagnose des Komplexes aus Entwicklung, Fertigung und Lieferanten. Es ist also effektiver einen Methodiker einzusetzen, der eventuell fehlendes Wissen schnell erlangt. Was man dafür braucht, sind neben der Lösungsmethodik Soft Skills wie Offenheit, Kommunikation, Skepsis und Strukturierung. Zur Erweiterung der eigenen Methoden lohnt ein Blick über den Tellerrand in andere Branchen. Mit Intuition wird so die Landschaft des Fertigungsprozesses sehr überschaubar. Die Adlerperspektive des externen Technologie-Generalisten mit den hauseigenen Spezialisten zu kombinieren, hat sich als guter Weg dafür erwiesen. Dabei bilden die Spezialisten die Basis der ganzheitlichen Analyse. Ihr Detailwissen wird komprimiert und in eine übersichtliche Struktur gebracht. In einem interdisziplinären Team werden zunächst die Grundlagen zusammengefasst, die Fertigungskette analysiert und Schwachstellen benannt. Darauf setzt dann die Optimierung auf, bei der alle Mitarbeiter einbezogen werden müssen - auch mit ihren Sorgen und Interessen. Schließlich sind sie der Wissensschatz eines Unternehmens. Oft ist dort die Lösung schon vorhanden und muss nur noch frei gesetzt werden. Man erhält so eine Vielfalt aus logischen Ideen der Spezialisten und Einfällen der Mitarbeiter. Bei deren Strukturierung kommen die Geistesblitze wie von selbst. Dieses Potenzial wird allerdings in der Industrie kaum genutzt. Anders ist das bei einem Detektiv. Ihm billigt man das Vertrauen auf sein Gespür zu.

Methode und Beispiel

Mittels einer dreistufigen Methodik kann ein Sachverhalt so stark vereinfacht werden, dass man Vertrauen in die Lösungskraft der eigenen Ideen gewinnt. Als Erstes wird das Ziel genau bestimmt. Im Alltag ist das oft weit weniger klar, als die Beteiligten meinen. Als Zweites folgt die Analyse der Hindernisse auf dem Weg zu diesem Ziel. Damit besteht Klarheit in der Sache und man findet als Drittes einen Weg, mit dem das Hindernis beseitigt oder umgangen wird. Der erste Gedanke dazu kommt meist aus der Intuition und ist der Schlüssel. Folgendes Beispiel zeigt die Drei-Schritte-Methode gut auf: In einer Lackieranlage für Polycarbonat-Scheiben traten Fussel auf. Die Anlage wurde gereinigt aber die Fussel blieben. Das Optimierungsziel (1. Schritt) war ungenau bestimmt. Die ganzheitliche Betrachtung führte zu der Erkenntnis, dass die Fussel in der Anlage entstanden. Dies zu verhindern war das genaue Ziel. Gesucht wurde jetzt nach den Prozessen, die die Fussel erzeugten (2. Schritt). Die Laboranalyse ergab eine Substanz, die sich während des Lackierprozesses bei bestimmten Parametern aus den Lackkomponenten bildete. Das ließ sich auch auf anderen Anlagen nachstellen. Im 3. Schritt wurde durch Vermeidung der problematischen Parameter das Problem gelöst.

Kommunikation im Unternehmen

1. Die Erfahrungen und Belange aller Abteilungen sind wichtig für den Gesamterfolg der Untersuchungen und müssen sowohl einbezogen als auch gewürdigt werden.

2. Wichtig ist ein klares Verständnis darüber, dass das Aufspüren jedes Fehlers ein Erfolg ist. Auch für den Mitarbeiter, der ihn verursacht hat. Somit werden am Ziel alle die Sieger sein.