Erschienen am: 17.12.2014, Ausgabe SPS-MAGAZIN 12 2014

Serie Führung und Personalentwicklung

Auf einer Wellenlänge?

Es ist wie bei den Zeugen eines Verkehrsunfalls - Wahrnehmungen können so verschieden sein: Fragt man Unternehmer oder Personalverantwortliche nach der Qualität der Führungskultur im Unternehmen, hört man oft nur Lobgesänge. Fragt man dagegen die Mitarbeiter, folgt die Ernüchterung. Wie kann das sein?

Autor: Dr. Wolfgang Feige, compamedia GmbH.


Bild 1: Dr. Wolfgang Feige unterstützt als Personalexperte Top Job-Unternehmen bei der Compamedia.
Bild: compamedia GmbH

Es ist kein Zufall, dass die Literatur zum Thema 'Selbst- und Fremdbild' in den psychologischen Fakultäten ganze Regale füllt - ein komplexes Thema fürwahr. Aber manchmal kann man sich dem Thema auch ganz pragmatisch nähern, z.B. wenn es um die Führungskultur in einem Unternehmen geht. Schon eine einfache Mitarbeiterbefragung kann im Abgleich mit dem Selbstbild der Führungsebene Differenzen und damit Konfliktpotenziale offenlegen. Wo das nicht geschieht und sich eine Wahrnehmungslücke unbemerkt ausbreitet, leidet zuerst das Arbeitsklima und dann die Produktivität - nicht selten mündet das in einen Flächenbrand.

Konfliktprävention

Um es gar nicht erst so weit kommen zu lassen, sei die oben genannte Mitarbeiterbefragung empfohlen - und gleich noch ein paar Handlungsempfehlungen für Führungskräfte im Sinne der Konfliktprävention:

  • • 1) Informieren Sie neue Mitarbeiter zeitnah und detailliert über das Unternehmen und seine Produkte. Bringen Sie sie mit den verschiedenen Abteilungen in Kontakt, damit sie gleich gut im Unternehmen vernetzt sind.
  • • 2) Gewähren Sie Mitarbeitern auch in der Probezeit schon Weiterbildungen, wenn es sinnvoll ist.
  • • 3) Delegieren Sie neue Aufgaben und Projekte frühzeitig an Mitarbeiter und nicht auf die letzte Sekunde.
  • • 4) Ändern Sie nicht zu häufig die Prioritäten.
  • • 5) Seien Sie stets ansprechbereit für Fragen und Informationswünsche von Mitarbeitern.
  • • 6) Überfrachten Sie gute Mitarbeiter nicht mit zu vielen Projekten. Oft genug gehen die Guten in Arbeit unter, die Qualität leidet entsprechend und die Frustration steigt.
  • • 7) Geben Sie Mitarbeitern immer ein zeitnahes Feedback sowohl positiv als auch negativ. Nichts ist so demotivierend für Mitarbeiter wie ohne jede Rückmeldung vor sich hinarbeiten zu müssen.
  • • 8) Erkundigen Sie sich als Zeichen der Wertschätzung von Zeit zu Zeit nach dem Wohlbefinden der Mitarbeiter.
  • • 9) Fragen Sie Mitarbeiter nach ihren Ideen und schaffen Sie ein Vorschlagswesen, bei dem Ideen nicht in Schubladen verschwinden, sondern diskutiert und bewertet werden.
  • • 10) Lassen Sie sich noch weitere Punkte einfallen...

Oft genug verhalten sich Führungskräfte aber genau gegenteilig: Sie binden die Mitarbeiter nicht ein, lassen sie in einem Führungsvakuum arbeiten, überfordern sie mit Aufgaben oder haben nie Zeit. Dabei handelt es sich nach meiner Beobachtung meist nicht einmal um ein bewusstes Agieren. Die mangelnde Wertschätzung ergibt sich vielmehr aus dem Stress des Alltagsgeschäfts oder weil Führungskräfte den Weg des geringsten Widerstands wählen.

Feedback geben

Ich möchte Führungskräfte deshalb dazu aufrufen, die oben genannten Punkte zu verinnerlichen und ihre Handlungen zu hinterfragen, z.B.: Wann habe ich dem Mitarbeiter eigentlich das letzte Mal ein Feedback gegeben oder eine Idee mit ihm diskutiert? Sie werden sehen: Bald sind Führungskräfte und Mitarbeiter dann auf einer Wellenlänge.