Erschienen am: 17.12.2014, Ausgabe SPS-MAGAZIN 12 2014

Lernen oder gelernt werden?

Lernen soll Spaß machen. Egal ob in der Schule oder im Berufsleben. Entsprechend geht der Trend von der frontalen Wissensvermittlung hin zu nachhaltigen Erwerb von Kompetenzen.

Autor: Helmut König, Königskonzept.


Es ist ein schmaler Grat: Die Grenze zwischen Spaß beim Lernen und Spaß statt Lernen. Während auf der einen Seite Spaß und Freude hilft, Zusammenhänge besser zu verstehen, steht auf der anderen Seite die Teilnehmerbelustigung im Vordergrund. Aussagen wie "Mensch, was haben wir gelacht" und "Endlich hat ein Dozent mal begriffen, was wichtig ist" spiegeln sich in sehr guten Seminar- oder Dozentenbewertungen wieder. Sie helfen aber nicht, Wissen aufzunehmen und umzusetzen.

Weg von der frontalen Präsentation

Unsere Gesellschaft befindet sich im Wandel: weg von der frontalen Präsentation von Wissen durch einen Lehrer, hin zur eigenständigen Erarbeitung von Kompetenzen. Dabei lassen sich Themeninhalte gerade durch die Kombination aus Lernen und Spaß vermitteln. Teilnehmer sollen spielerisch und mit Aha-Effekt neues Wissen aufnehmen. Lernen wird aber auch als permanenter Prozess verstanden, der unserem Gehirn hilft, die wichtigen Dinge im Langzeitgedächtnis abzuspeichern, neue Bereiche miteinander zu verbinden und so eigenständiges Handeln zu forcieren. Hilfreich beim Lernen sind das Verbinden mit eigenen Erfahrungen, das Erleben von Emotionen und das Ausprobieren in der Realität. Frei nach Lao-tse: Was du mir sagst, behalte ich einen Tag, was du mir zeigst, behalte ich eine Woche, woran du mich mitgestalten lässt, ein ganzes Leben.

Lernen unter Zwang

Lernen ist schwierig, wenn Teilnehmer unter Zwang lernen sollen wie junge Menschen in Schule oder Studenten bei Pflichtvorlesungen. Schwierig, weil Lehrkräfte sich auf die Präsentation von Inhalten beschränken und weil Schüler die Teilnahme am Unterricht verweigern oder sich auf stumpfes Auswendiglernen beschränken. Ansätze zur Mitgestaltung der Schüler am Unterrichtsprozess, der gemeinsamen Planung und Durchführung von Lerninhalten können hier weiterhelfen. Spaß statt Lernen wird als Beschäftigungsphilosophie häufig bei betriebsinternen Seminaren eingesetzt. Oberstes Ziel ist hier die unbedingte Zufriedenheit der Teilnehmer, die oft zum Seminar befohlen worden sind. Das kann dann in einer Comedy-Veranstaltung oder reiner Selbstbeweihräucherung enden. Denn sind die Teilnehmer glücklich, ist der nächste Auftrag gesichert. Auch hier frei nach Laotse: Denken ohne zu lernen ist töricht, lernen ohne zu denken ist gefährlich.

Vom Wissen zum Können

Ziel von Lernen soll neben der Kompetenzentwicklung nicht nur die Vermittlung von Wissen sein, sondern auch die Umwandlung in Können. Dabei geht die Vermittlung von Wissen relativ schnell, die Umwandlung in Können funktioniert hingegen nur über Training und ist ein längerer Prozess. An dieser Stelle bieten sich Langzeitbewertungen an, bei denen z.B. jährlich abgefragt wird, was aus bestimmten Lerninhalten umgesetzt worden ist. Der Vergleich mit einer herkömmlichen Bewertung nach einem Seminar wäre sicher interessant.