Erschienen am: 29.01.2015, Ausgabe SPS-MAGAZIN 1+2 2015

Serie Führung und Personalentwicklung

Walk the talk

Jährliche Gehaltssteigerungen, Work-Life-Balance, Vertrauensarbeitszeit: Personalmanager lassen sich viel einfallen, um die besten Fachkräfte anzulocken. Doch manches Versprechen lässt sich nicht so einfach umsetzen. Das kann fatale Folgen haben.

Autor: Dr. Wolfgang Feige, compamedia GmbH.


Bild 1: Dr. Wolfgang Feige unterstützt als Personalexperte Top Job-Unternehmen bei der compamedia GmbH.
Bild: compamedia GmbH

Sehr viele Unternehmen stecken heute einen erheblichen zeitlichen, finanziellen und personellen Aufwand in das Personalmarketing. Gibt man bei Google die Keywords innovatives Personalmarketing ein, erhält man rund 185.000 Treffer. Employer Branding ist das Thema der Stunde in der Personalpolitik. Und das zu Recht. In Zeiten des in manchen Branchen immer stärker werdenden Fach- und Führungskräftemangels bleibt vielen Unternehmen gar keine andere Wahl. Sie müssen strategisch ans Personalmarketing herangehen.

Kreative Leistungen

Im Internet, auf Jobmessen und in Print-Medien überbieten sich die Arbeitgeber mit Versprechen. Oft stellen die Unternehmen ihre Leistungen und Angebote als einzigartig dar, dabei gibt es kaum eine Idee, die nicht in irgendeiner Form schon Umsetzung gefunden hat. Im Kampf um Fachkräfte werden viele Personalabteilungen ganz besonders kreativ: Was man verspricht, muss man auch halten. Die Amerikaner haben dafür eine besonders treffende Redewendung: Walk the talk. Heißt: Man soll stets das tun, was man predigt. Konkreter: Es darf keine Diskrepanz geben zwischen dem, was die Unternehmensführung bzw. Personalabteilung als Arbeitgeber-Image propagiert und dem, was tatsächlich im Arbeitsalltag gelebt wird.

Schere als Sollbruchstelle

Das klingt zwar logisch, aber dennoch lässt sich in der Realität immer wieder eine Schere zwischen deklarierter Unternehmenskultur und der Praxis beobachten. Gerade hier liegt dann eine 'Sollbruchstelle' in der Wirkung der Personalmarketingstrategie. Denn alles, was man nicht halten kann, büßt die Attraktivität des Arbeitgebers ein/wirkt sich negativ auf die Arbeitgeberattraktivität aus. Deshalb rate ich Personalern immer: Legen Sie alle Aussagen des Personalmarketings einer ausgewählten, durchmischten Gruppe von Mitarbeitern und Führungskräften vor. Holen Sie ein offenes Feedback ein. Nicht selten erhalten Sie dann sogar zusätzlichen Input für die weitere Aufwertung der Marke. Und gehen Sie erst dann damit nach außen. Denn eine Aussage, die nicht gelebt wird, wirkt erstens nach innen (auf die derzeitigen Mitarbeiter) negativ, und zweitens auch nach außen. Spätestens, wenn ein neuer Mitarbeiter eingestellt wird und den Arbeitsalltag in der Firma kennenlernt, merkt er, dass alles nur ein schöner Schein war. Das zerstört Vertrauen. Und im schlimmsten Fall folgt wenige Wochen später die Kündigung.

Erlebte Attraktivität

Die Arbeitgeberattraktivität leidet. Das ist der Grund, warum z.B. das Benchmarking Top Job die sogenannte 'erlebte' Arbeitgeberattraktivität prüft. Hier werden die Angaben der Personalabteilung über eingesetzte Methoden und Instrumente der Personalführung den Aussagen der Mitarbeiter über die Zufriedenheit mit dem Arbeitsumfeld gegenübergestellt. Erst dann kann man genau sagen, wie die Realität aussieht und wo Handlungsbedarf ist.