09.07.2015

VDMA Robotik + Automation

Robotik als Konjunkturmotor

Die Robotik-Branche boomt und trägt noch dazu erheblich zum deutschen Wirtschaftswachstum und zur Arbeitsplatzsicherung bei. Dies ist die Quintessenz der Pressekonferenz, zu der der VDMA Robotik + Automation Mitte Juni nach Frankfurt am Main eingeladen hatte.


Bild 1: Die Gastgeber beim VDMA Robotik + Automation (v. l. n. r.): Vorsitzender Hans-Dieter Baumtrog, Statistikexpertin Gudrun Litzenberger und Geschäftsführer Patrick Schwarzkopf.
Bild: TeDo Verlag GmbH

"Mit einem Zuwachs von neun Prozent erzielte die Robotik und Automation 2014 ein neues Rekordergebnis von 11,4Mrd.!. Aufgrund unserer robusten Auftragseingänge werden wir auch im laufenden Jahr auf Wachstumskurs bleiben: Unsere Umsatzprognose für 2015 lautet plus fünf Prozent", fasste Hans-Dieter Baumtrog, Vorsitzender des Vorstands von VDMA Robotik + Automation, die jüngste konjunkturelle Entwicklung seiner Branche zusammen. Zum Ende diesen Jahres werde man wohl einen Branchenumsatz von 12Mrd.! erzielen. "In den ersten vier Monaten 2015 lag der Auftragseingang gegenüber dem Vorjahreszeitraum um elf Prozent höher. Nachfrage kam vor allem aus dem Ausland. Schon 2014 hatten die Exporte einen Anteil von 55% erreicht. Größter Absatzmarkt ist China", so Baumtrog weiter. Der asiatische Wirtschaftsgigant benötige Automatisierungstechnik, um in technologisch anspruchsvolle Marktsegmente vorzudringen und hohe Qualitätsstandards zu erfüllen. Trotz des chinesischen Roboter-Booms hat sich die Volksrepublik noch nicht unter den Top 20 Roboter-Einsatzländern etablieren können. "Auf 10.000 Beschäftigte kommen in China derzeit 30 Roboter", so Gudrun Litzenberger, Statistikexpertin beim VDMA Robotik + Automation. Deutschland liegt im globalen Vergleich mit 282 Industrierobotern auf Platz 3, hinter Korea (437) und Japan (323). Auch aus Nordamerika komme derzeit eine sehr große Nachfrage an Industrierobotern, vor allem weil die Automobilbranche dort boome, aber auch aufgrund der starken Nachfrage aus der Elektronik- sowie der metallverarbeitenden Branche. Mehr als 225.000 Roboter wurden 2014 nach einer Erhebung des internationalen Robotikverbands IFR weltweit neu installiert. Das entspricht einem Plus von 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Großer Unmut über Studie

Für großen Unmut beim VDMA sorgt eine im April veröffentlichte Studie der Bank ING-DiBa mit dem Titel 'Die Roboter kommen - Folgen der Automatisierung für den deutschen Arbeitsmarkt'. Der Studie zufolge werden durch die fortschreitende Automatisierung über kurz oder lang 59% der untersuchten Arbeitsplätze in Deutschland bedroht. Das wären 18Mio. Arbeitsplätze. Die Chancen des Robotereinsatzes für neue Berufe und Beschäftigungsverhältnisse werden laut VDMA hingegen nicht quantifiziert. Stattdessen führe die wirklichkeitsferne Technologieeinschätzung zu einer Verzerrung der Realität. Demnach würden künftig 1,9Mio. Büro- und Sekretariatskräfte robotisiert, gerade einmal 250.000 Stellen blieben erhalten. "Aus unserer Sicht ist das in keiner Weise belegbar", sagte Patrick Schwarzkopf, Geschäftsführer beim VDMA Robotik + Automation. Das Bundesarbeitsministerium hat das Automatisierungspotenzial überprüft, aber nicht nach Berufen, sondern nach Tätigkeiten. Heraus kam, dass nur etwa zwölf Prozent aller Arbeitsplätze ein Profil mit hoher Automatisierungswahrscheinlichkeit haben. "Zwischen 2010 und 2014 stieg der Roboterbestand um fast 20% auf 176.000 Einheiten. Parallel hierzu wuchs die Zahl der Erwerbstätigen laut Statistischem Bundesamt um 1,6 Mio. auf 42,58Mio. Allein im deutschen Maschinen- und Anlagenbau sind in den letzten fünf Jahren hunderttausend neue Arbeitsplätze entstanden; von 901.000 im Mai 2010 auf aktuell 1.008.000 Beschäftige im März 2015", resümiert Schwarzkopf. Der Geschäftsführer zitierte die im Februar 2015 erschienene Studie 'Robots at Work', die die Auswirkungen von zunehmender Automation auf die wirtschaftliche Entwicklung von 17 Ländern untersucht. Die Wissenschaftler Georg Graetz von der Universität Uppsala und Guy Michaels von der London School of Economics kommen darin zum Schluss, dass im Schnitt gut zehn Prozent der Steigerung des Bruttoinlandsprodukts und 15% der Produktivitätsgewinne auf den vermehrten Robotereinsatz zurückgingen. Dagegen stellten die Experten keinen Rückgang der Beschäftigung fest, wohl aber einen Anstieg der Löhne. "Das lässt den Schluss zu, dass der technische Fortschritt menschliche Arbeit aufgewertet hat", sagte Schwarzkopf. Schon 2013 hätte der internationale Roboterverband IFR in seiner Studie "Positive Impact of Robots on Employment" herausgefunden, dass pro eingesetztem Roboter drei bis fünf neue Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe geschaffen würden. (jwz)

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