13.05.2016

Interview mit Keith Nosbusch und Thomas Donato

Auf dem Weg zur Connected Enterprise

Connected Enterprise heißt Rockwell Automations Lösungsangebot für die Automatisierung im Zeitalter von Industrie 4.0. Wie der Weg zur Connected Enterprise aussieht und wie das Unternehmen Anwender dabei unterstützt, integrierte Anwendungen zu entwickeln, darüber sprachen wir mit Keith Nosbusch, der in den letzten zwölf Jahren Rockwell Automation als CEO geprägt hat und zum 1. Juli die Führung abgeben wird, sowie mit Thomas Donato, EMEA-Präsident von Rockwell Automation.


Bild: Rockwell Automation GmbH

Was beeinflusst Ihrer Meinung nach die Produktionsweise heute in besonderer Weise und wie können Anwender sich dies zu Nutze machen?

Keith Nosbusch: Ich glaube, dass es eine Kombination von mehreren Faktoren ist: Dabei geht es um neue Technologien, Mobilität, skalierbare Rechner, Security, Netzwerkinfrastruktur und Analysemöglichkeiten. Ich bin davon überzeugt, dass wir an einem Wendepunkt stehen, an dem diese Technologien als Treiber fungieren, für die Integration der Fabrikhalle in die Unternehmenssoftware. Aber es geht nicht nur um die Technologien. Unternehmen suchen nach Möglichkeiten, in einem herausfordernden Umfeld und hohem globalen Wettbewerb ihre Produktivität zu erhöhen. Automatisierung ist hier nur eine Dimension. Eine andere ist das Verfügbarmachen von Informationen und die Nutzung dieser Informationen für bessere Entscheidungen. Dafür benötigen Anwender den Vorteil von Connected Enterprise: um diese Informationen zusammenzutragen und auf ihrer Basis Entscheidungen zu treffen. Das ist die Herausforderung, vor der produzierende Unternehmen heute stehen und bei der wir sie mit unseren Lösungen unterstützen.

Rockwell Automation ist mit integrated Architecture ein Anbieter von Komplettlösungen. Auch Connected Enterprise zielt auf eine Gesamtlösung ab. Welche Rolle spielen solche Baukastenlösungen heute für Unternehmen?

Nosbusch: Komplettsysteme sind heute wichtiger denn je. Die Fähigkeit, Komponenten nahtlos zusammenzufügen, damit so etwas wie Connected Enterprise entsteht, ist eine der zentralen Anforderungen von produzierenden Unternehmen und OEMs. Anstatt zu sagen, ich kaufe einen Antrieb, eine Steuerung, Sensoren und eine Visualisierung, wollen Kunden sich heute darauf verlassen können, dass die eingesetzten Komponenten als Lösung perfekt zusammenarbeiten. Dies reduziert Kosten und Zeit. Es geht aber darüber hinaus noch darum, wie man ein integriertes System entwirft, wie man das Informationsmanagement auslegt, die Security, das Netzwerk usw. Das Gesamtsystem spielt also heute eine wichtige Rolle und die Frage steht im Vordergrund, wie es die Anwendung und die Lösung des Kunden voranbringt. Das ist die Grundlage, auf der Connected Enterprise aufbaut.

Connected Enterprise heißt die Lösung, die Rockwell Automation für die Industrie 4.0 anbietet. An wen wendet sich Connected Enterprise?

Thomas Donato: Unsere Connected-Enterprise-Strategie hat zwei Elemente: Heute steht Connected Enterprise mehr im Fokus der Enduser. Aber auch Maschinenbauern und OEMs ermöglichen wir es heute schon, intelligente Maschinen zu bauen, um sich mit der Connected Enterprise zu verbinden. Dafür bieten wir Beratungsdienstleistungen an, beispielsweise in Bezug auf eine Architektur, die sicher ist im Sinne von Safety und Security und die hoch performant ist.

Wie unterstützen Sie diese Maschinen- und Anlagenbauer, um sie im internationalen Wettbewerb zu stärken?

Nosbusch: Für OEMs geht es darum, Mehrwert für die Produzenten zu generieren. Ein Weg dahin ist die Vernetzung der Maschinen. Dies wird Teil der Lösung für die Endanwender sein und wir unterstützen OEMs dabei, dies als Mehrwert anzubieten, damit es nicht eine Anforderung an die Anwender ist, die Maschine und ihre Informationen in eine Gesamtlösung zu integrieren. Zudem unterstützen wir Maschinenbauer bereits in der Entwurfsphase einer Maschine und helfen ihnen, Konzepte zu entwickeln, wie sie die Performance der Maschine verbessern können, sei es in Bezug auf Geschwindigkeit, Zuverlässigkeit, Usability oder was auch immer notwendig ist. Dazu haben wir technische Berater, die mit Maschinenbauern zusammenarbeiten und ihnen helfen, die Maschine in Bezug auf Integration, Kosten und Performance zu optimieren und damit im internationalen Vergleich wettbewerbsfähiger zu sein.

Sie sprechen von Unterstützung der Anwender. Gibt es solche Teams auch in Deutschland?

Donato: Wir haben eine große Anzahl an Experten in Europa, allein schon, weil der europäische OEM-Markt sehr wichtig ist. Wir haben ein sehr erfahrenes und auf die Anforderungen der jeweiligen Branchen abgestimmtes Team in Europa, das sehr gute Arbeit mit unseren Kunden leistet.

Welche Rolle spielt Europa in der Wachstumsstrategie von Rockwell Automation?

Nosbusch: Europa bzw. der Bereich EMEA (Europa, Mittlerer Osten und Afrika) hat immer und wird immer eine bedeutende Rolle in unserer Entwicklung spielen. Zum einen, weil es eine große Wirtschaftszone ist, die in zahlreichen Sektoren führend ist, beispielsweise im Bereich des Maschinenbaus. Andererseits, weil es in Zentral- und Osteuropa, im mittleren Osten sowie in Teilen Afrikas interessante Wachstumsmärkte gibt, auf denen wir sehr erfolgreich sind. Wir zeigen gegenwärtig zahlreiche neue Produkte, mit denen wir auch in dem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld sehr erfolgreich sein werden. Ich gehe davon aus, dass sie uns helfen werden, unseren Marktanteil zu vergrößern. Das gilt ausdrücklich auch für den Maschinen- und Anlagenbau in Deutschland und Europa. Hier haben wir einige interessante Produkte entwickelt.

Welche Produkte sind aus Sicht des Maschinenbaus besonders hervorzuheben?

Donato: Wir bringen mit der ControlLogix 5580 eine neue sehr leistungsfähige Steuerung auf den Markt, die uns und unseren Kunden einen deutlichen Wettbewerbsvorteil bietet, beispielsweise durch erweiterte Möglichkeiten im Bereich der Analyse. Der einfache Datenaustausch spielt in der Produktion heute eine zentrale Rolle und unsere Steuerungen sind dafür seit Jahren ausgelegt. Die neuen Steuerungen bringen noch mehr Performance an dieser Stelle in Form von mehr Rechenleistung, mehr Speicher und noch schnellerer Netzwerkanbindung - Stichwort 1GBit-Ethernet. Darüber hinaus erweitern wir unser Midrange-Portfolio mit einer neuen Steuerung namens Compact GuardLogix 5370, die über besondere Motion- und Safety-Talente verfügt und deren Anwendung erheblich vereinfacht wurde. Dazu passend bieten wir zahlreiche weitere Produkte, die unseren Maschinenbaukunden helfen, wettbewerbsfähigere Lösungen zu entwickeln.

Sie kooperieren bereits seit einigen Jahren mit Cisco Systems. Wie können Anwender von dieser Zusammenarbeit profitieren?

Nosbusch: Die Kooperation mit Cisco ermöglicht es uns, dem Kunden eine nahtlos geschichtete Sicherheitsarchitektur an die Hand zu geben. Eine Sicherheitsarchitektur, der IT-Abteilungen vertrauen, weil Cisco von dort kommt, die jedoch bei Anlagenbetreibern ebenfalls akzeptiert wird, weil Rockwell Automation involviert ist. Unsere Netzwerkkomponenten sind also so sicher, wie man es von Cisco-Geräten erwartet und für Automatisierungsanwender so einfach bedienbar, wie man es von Feldgeräten für Rockwell-Anwender erwartet. Wir vereinigen in unseren Netzwerkkomponenten das Beste aus beiden Welten. Das ist ein großer Vorteil.

Ich danke für das Gespräch!

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