09.09.2016

Neustart für PLM-Prozesse

Automatisierte Dokumentenlenkung

Ein Datenrückgrat, mit dem sich Produktdaten und Dokumente einheitlich und durchgängig verwalten lassen können - dies schwebte dem Automobilzulieferer Moll Automatisierung vor, als er einen Neuanfang im Bereich PDM und ERP startete.


Hänge- und Bodenfördertechnik, fahrlose Transportsysteme und Schubanlagen sind das Spezialgebiet des Unternehmens Moll Automatisierung.
Bild: Moll Automatisierung GmbH

Rofa, die Muttergesellschaft von Moll, ist langjähriger Anwender von Pro.File und Navision und gab damit die Richtung vor. Beide Unternehmen arbeiten beim Thema Datenbasis eng zusammen. Zeichnungen hatte Moll bis zuletzt mit Product Stream Professional (PSP) verwaltet. Die Abkündigung des Autodesk-Produktes war dann der Anlass zum Wechsel. Hans-Peter Schmelber, IT-Leiter bei Moll Automatisierung: "Pro.File steht PSP vom Leistungsumfang her in nichts nach, ist aber moderner von der Programmstruktur sowie seiner Maskengestaltung her. Deshalb ist es auch intuitiver zu bedienen."

Durchgängiges PLM als Strategie

Bei einem PLM-System kommt es dem niederbayrischen Unternehmen auf Multi-CAD-Fähigkeit an. Denn auch die CAD-Landschaft sollte umgebaut werden, weg von AutoCAD, hin zu SolidWorks und Catia. Mit Pro-File hielt sich das Unternehmen diesbezüglich alle Wege offen. Moll schwebte von Anbeginn ein unternehmens- und gruppenweiter Einsatz des neuen Systems vor. Der Strategie eines durchgängigen PLM folgend, bedeutete dies: ein vollständiges, einheitliches System über den Konstruktionsbereich hinaus zu nutzen, das zusätzlich umfängliche DMS-Funktionen bietet. Der von Autodesk ins Feld geführte Nachfolger Vault kam angesichts dieser Anforderungen nicht in Frage. Beim Übergang von PSP zu Pro.File wurde mit einem Blanco-System gestartet, Altdaten übernahm Moll nicht. Stattdessen existiert für die Übergangszeit noch eine Schnittstelle für lesenden Zugriff auf das Altsystem, denn PSP wird nach wie vor noch für Ersatzteile verwendet. Wurde ein Artikel in PSP schon einmal erfasst und soll nun in Pro.File neu angelegt werden, wird die Zeichnung einfach übertragen.

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Dokumentenstrukturen beherrschen

Mit Pro.File ist der in technischen Branchen hohe Komplexitätsgrad von Dokumentenstrukturen abbild- und beherrschbar. Ein Dokumentenmanagement mit DMStec stellt sich ganz auf die projektorientierte Arbeitsweise in technischen Unternehmen ein. Ein Projektteam setzte das System mustergültig am Firmenstandort Leiblfing auf und gestaltete es so aus, dass es künftig auch für Schwesterunternehmen in der Rofa-Gruppe nutzbar ist. Pro.File ist bei Moll Automatisierung in ein Netzwerk von IT-Systemen eingebunden, über das die Entwicklungs- und Fertigungsprozesse gesteuert werden. Es besteht aus Microsoft Navision als führender ERP-Software und dem Produktions- und Planungssteuerungssystem Fepa.Net, einer Lösung zur Fertigungssteuerung. Letztere ist erforderlich, weil Moll selbst fertigt. Rund die Hälfte der 200 Beschäftigten arbeitet in der Produktion.

Konfigurieren im laufenden Betrieb

Im täglichen Einsatz ist es hilfreich, dass sich Pro.File im laufenden Betrieb leicht konfigurieren lässt, findet Hans-Peter Schmelber. Oft müssen z.B. neue Dokumententypen und Nutzergruppen angelegt und dazu Workflows eingerichtet werden. Das funktioniert bei anderen Systemen zumeist nur durch Programmierung und Anruf bei der Hotline. Nach einem Administrator-Kurs bei Procad kann Schmelber sein PDM/PLM-System heute zu 90 Prozent selbst pflegen und erweitern. "Selbst wenn man selten Änderungen und Anpassungen in Pro.File durchführt, geht es schnell, da alles logisch erklärt und aufgebaut ist!"

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Prozesse auf dem Prüfstand

Seit einiger Zeit ist der Maschinenbauer damit beschäftigt, seine bestehenden Prozesse auf den Prüfstand zu stellen, neu zu definieren und zu verbessern. Dass mit Pro.File und der PLM-Ergänzung Pro.Ceed dafür eine passende lösung bereitsteht, kommt Schmelber entgegen. Moll will kurzfristig in unterschiedlichen Arbeitsbereichen neu definierte Geschäftsabläufe softwaregestützt mit den Procad-Werkzeugen gestalten. Dazu gehört zum Beispiel die Rechnungsbearbeitung. Derzeit werden Eingangsrechnungen noch traditionell auf dem Papierweg freigegeben, der Prozess ist definiert in Excel- oder Visio-Charts. Künftig wird dies vollautomatisch mit Pro.Ceed stattfinden. Das Reklamationsmanagement ist ein weiterer Standardprozess. Moll will hierzu in Pro.File mit entsprechenden Dokumentvorlagen arbeiten. Auch die Auftragsanlage soll künftig mit dem Prozesstool von Procad organisiert werden. Vom Arbeitsgang ändert sich in diesem Fall wenig, aber mit der neuen Software lässt sich besser überwachen, wie weit der Prozess fortgeschritten ist.

Zusammenarbeit mit externen Ingenieurbüros

Um mit Externen Dokumente gesteuert austauschen zu können, hat Moll Automatisierung die Procad-Lösung Proom als eine in Pro.File integrierte Austauschplattform eingeführt. Das Tool wurde zeitgleich eingeführt und läuft in der Private Cloud auf den eigenen Moll-Servern. Genutzt wird es für alle Varianten des Datenaustausches mit Externen, auch innerhalb der Schwestergesellschaft, wenn es gemäß interner Informationssicherheitsrichtlinien so vorgeschrieben ist. Die Idee von Proom: Für den Austausch sensibler Daten werden virtuelle Projekträume installiert, in denen Projektbeteiligte Engineering-Daten ablegen und gemeinsam bearbeiten können. Der Zugang zu den Projekträumen kann vom Inhaber des Raumes gesteuert werden. Die Konstruktionsabteilung von Moll vergibt über Proom komplette Unterbaugruppen an externe Zeichnungs- und Ingenieurbüros. Früher lief die Übermittlung ausschließlich per FTP. "Vom Handling her ist Proom deutlich einfacher" so Schmelber. "Wir haben für jede Abteilung einen Key User definiert, der Projekträume anlegen kann. Die Kollegen können dies selbständig regeln - eine echte Entlastung für das IT-Team und eine passend gelöste Art des Dokumentenaustausches. Die Akzeptanz unter den Anwendern ist sehr hoch." 160 Projekträume wurden bislang angelegt. Ein für Moll wichtiger Unterschied im Vergleich zum früheren Dokumentenaustausch ist die elektronische Bestätigung. Der Kommunikationspartner kann demnach erst dann Dateien herunterladen, wenn er den Geheimhaltungserklärungen des Automobilzulieferers zugestimmt hat. Alle Abteilungen nutzen die Datenaustauschplattform mittlerweile, neben den Konstrukteuren auch Vertrieb und Einkauf, etwa für die Übermittlung von Preisblättern an Elektriker oder Unterlieferanten, Marketing, Personal oder die Verwaltung.

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