14.11.2017

Messethemen der Nutzerorganisationen in Nürnberg

Von Protokollen und Standards

Auch die Nutzerorganisationen der verschiedenen Feldbus- und Industrial-Ethernet-Standards präsentieren sich auf der Nürnberger Messe - traditionell in Halle 2. Durch neue Akteure auf der Protokollbühne wie OPC UA oder TSN sind dort einige Neuheiten zu sehen.


Wenn die Kommunikationsstandards der Zukunft diskutiert werden, kommt man an OPC UA und TSN nicht vorbei. Dabei sind in der Fertigungspraxis gerade erst die Industrial-Ethenet-Derivate angekommen und auch die klassischen Feldbusse erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit beim Anwender. Ein Besuch in Halle 2 des Nürnberger Messegeländes, wo die Nutzerorganisationen den aktuellen Status quo sowie ihre Pläne und Technologien für die Zukunft aufzeigen, lohnt sich also allemal.

Alles neu bei Profinet

Auf dem Gemeinschaftsstand der Nutzerorganisation von Profibus und Profinet in Nürnberg gibt es in diesem Jahr einige Neuerungen. Augenscheinlich sind vor allem die neue Position in Halle 2 sowie ein neues Standdesign. Bestandteil des Messeauftritts ist neben den bekannten Präsentationen zur Fabrik- und Prozessautomatisierung auch das Profisafe-Modell mit optischer und elektromechanischer Sensorik, Antrieben, Controllern, Gateways und F-I/O-Modulen. Auch eine Profidrive-Live-Demo mit Präsentation von Interoperabilität, Herstellerneutralität und Skalierbarkeit ist in Nürnberg zu sehen. Die IO-Link Community präsentiert auf dem Gemeinschaftsstand eine Vielfalt von mehr als 220 Geräten sowie Neuheiten zum Thema IO-Link Safety. Zudem zeigen mehr als 30 Mitgliedsfirmen mit Einzelpräsentationen ihre jeweiligen Lösungen und Angebote. Neben einem Eindruck zum aktuellen Stand der Technik, erhalten Besucher auf dem Messestand auch einen Überblick über den Entwicklungsstand zu Profinet@TSN und OPC UA in Profinet-Systemen.

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CC-Link IE in neuer Version

Auf der Messe in Nürnberg stellt die CLPA die neue Field-Network-Basic-Version von CC-Link IE vor. Sie macht 100Mbit-Geräte durch bloße Software-Implementierung auf Master- und Geräteebene CC-Link-IE-kompatibel. So sollen sich auch die Unternehmen Zugang zu CC-Link IE erschließen, deren Geräte noch kein Gbit-Ethernet unterstützen. Durch den Verzicht auf Hardware-Entwicklung wird auch die Implementierung von Master-Stationen auf IPCs vereinfacht. Zu guter Letzt erhöht CC-Link IE Field Network Basic die Kompatibilität mit anderen Ethernet-Technologien, die TCP/IP und UDP/IP verwenden. Außerdem wird in Nürnberg gemeinsam mit der Nutzerorganisation von Profibus und Profinet die Veröffentlichung der Kompatibilitätsspezifikation für CC Link IE und Profinet bekanntgeben. Im letzten Jahr hatten beide Organisationen eine Partnerschaft verkündet mit dem Ziel einer nahtlosen Kommunikation zwischen den Standards. Dass daran festgehalten wird, soll durch die jetzige Veröffentlichung der Spezifikation unterstrichen werden. So will man die Bedürfnisse von Endanwendern sowohl in Asien als auch in Europa erfüllen.

EPSG: Offene und standardisierte Vernetzung

Die Powerlink-Nutzerorganisation (EPSG) zeigt auf der diesjährigen SPS IPC Drives wie die offenen und standardisierten Protokolle Powerlink, Opensafety mit OPC UA und TSN ineinander greifen, um State-of-the-art-Kommunikationsarchitekturen gemeinsam mit modernen Security- und Safety-Konzepten umzusetzen. Zudem wird gezeigt, wie eine vollständig schnittstellenfreie Kommunikation von der Sensor- bis zur ERP-Ebene und in die Cloud funktioniert. Basis hierfür ist die Companion Specification zwischen OPC UA und Powerlink. Darüber hinaus sind neue Produkte von EPSG-Mitgliedern mit Powerlink-Schnittstelle zu sehen, unter anderem eine Managing-Node-Lösung von IBV für das QNX-Betriebssystem. Robodev zeigt, wie der Industrial-Ethernet-Standard in das Open-Source-Robot-Operating-System (ROS) integriert wurde und welche Projekte sich damit umsetzen lassen. Des Weiteren ist eine interaktive Demozelle zu sehen, die das Zusammenspiel von ABB-Robotik und Spinner-Infrastrukturkomponenten zeigt.

Empfehlungen der Redaktion

ODVA präsentiert CIP Security

Die ODVA kündigt an, auf ihrem Messestand zum ersten Mal eine Ethernet/IP-Demonstration mit CIP Security zu zeigen. Die technischen Spezifikationen dafür wurden erstmals im November 2015 veröffentlicht. Damit lassen sich Lösungen zum Schutz industrieller Steuersysteme entwickeln, mit denen Benutzer zusätzliche Schutzmaßnahmen unter Einsatz von branchenerprobter Technik umsetzen können. CIP Security beinhaltet Mechanismen gegen das Vortäuschen einer falschen Identität, die Manipulation von Daten oder die Preisgabe von Informationen. Zu den Methoden, die von CIP Security unterstützt werden, gehören Geräteautorisierung, Integrität des Nachrichtentransports und Sicherung der Vertraulichkeit von Nachrichten. Die jetzt vorgestellte Lösung von Danfoss, HMS und Rockwell Automation zeigt, wie die Sicherheitsmechanismen in einer praktischen Umgebung funktionieren. Bei der Präsentation wird die Auswirkung eines Man-in-the-middle-Angriffs sowohl auf einen gesicherten als auch einen ungesicherten Ethernet/IP-Knoten gezeigt. Die Kommunikation zwischen einer Steuerung und den Geräten wird abgefangen und es wird versucht, die übertragenen Daten zu verändern.

Ethercat-Neuheiten und Produkte im Zusammenspiel

Die Ethercat-Nutzerorganisation ETG zeigt auf ihrem Messestand der SPS IPC Drives 2017 mit mehr als 60 Mitausstellern aktuelle Produkte und Lösungen mit Ethercat. Für die einfache Navigation auf dem Stand sind die gezeigten Produkte in die Kategorien Steuerungen, Entwicklung, Antriebstechnik, I/Os und Gateway, Sensoren und Aktuatoren, Funktionale Sicherheit sowie Produkte für Ethercat P eingeteilt. Technische Details sowie weitere Informationen zu den einzelnen Geräten erhalten Besucher über die auf den Wänden angebrachten Touchpanels. Daneben erwarten den Besucher Multi-Vendor-Produktpräsentationen sowie Live-Demonstrationen der Eigenschaften des Industrial-Ethernet-Protokolls. Darüber hinaus wird auch wieder der Demonstrator vor Ort sein, der zeigt, wie in einem Netzwerk 35 verschiedene Achsen von 24 verschiedenen Herstellern gleichzeitig betrieben werden. Neue Informationswände zu den Themen Ethercat P, Safety, Geräteentwicklung sowie TSN runden das Messeprogramm ab.

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Sercos zeigt Industrie-4.0Demonstrator

Anhand eines Demonstrators auf dem Messestand von Sercos International wird aufgezeigt, wie Prozess- und Gerätedaten auf einheitliche und herstellerübergreifende Weise nicht nur lokal über den Echtzeitbus, sondern auch über OPC-UA für unterschiedliche Anwendungsszenarien zur Verfügung stehen. Damit wird nicht nur der Datenaustausch zwischen Maschinenperipherie und übergeordneten IT-Systemen vereinfacht. Auch Anforderungen hinsichtlich einer semantischen Interoperabilität werden unterstützt. Die Multiprotokollfähigkeit von Sercos ermöglicht dabei verschiedene Realisierungsoptionen. Zum einen kann der OPC-UA-Server in eine Maschinensteuerung integriert werden. Die Steuerung fungiert in diesem Falle als Gateway, in dem das Mapping auf Sercos Dienste und Daten vorgenommen wird. Mit Sercos III ist es auch möglich, einen OPC-UA Server direkt in ein Feldgerät zu integrieren. In diesem Falle wird das OPC Protokoll direkt zu dem jeweiligen Sercos-Slave-Gerät durchgeroutet. Die Gateway-Funktionalität der Steuerung wird somit auf die Funktion eines Ethernet-Switch reduziert. Die Kommunikationsfähigkeit zwischen einem OPC Client und einem OPC-UA Server bleibt aufgrund des Sercos Übertragungsverfahrens auch ohne laufende Sercos Kommunikation erhalten. Neben dieser Lösung zeigt die Nutzerorganisation auch TSN- sowie Open-Source-Software-Demos.

Varan-Ethernet im 3D-Druck

Der Echtzeit-Ethernet-Bus Varan ist auf Schnelligkeit, Vielseitigkeit und hohe Datensicherheit ausgelegt. Davon können sich die Messebesucher der SPS IPC Drives 2017 auf dem Stand der Nutzerorganisation VNO überzeugen. Mit dem additiven Fertigungssystem Freeformer des deutschen Maschinenbauer Arburg lassen sich, basierend auf 3D-CAD-Daten, funktionsfähige Bauteile schnell und ohne Spritzgießwerkzeug aus qualifizierten Standardgranulaten herstellen. Die hochpräzise Prozesstechnik verlangt anpassungsfähige Komponenten sowie eine sichere Systemkommunikation in Echtzeit. Mit Einsatz des hart echtzeitfähigen Varan-Bus erfolgt der Datenaustausch bei diesem Verfahren für die industrielle additive Fertigung schnell und sicher. Jedes vom Varan-Manager gesendete Datenpaket wird unmittelbar vom Varan-Client rückbestätigt. Bleibt die Quittierung innerhalb der definierten Timeout-Zeit aus, wird das Datenpaket noch im selben Buszyklus wiederholt, bis die gültige Antwort vorliegt. Diese Vorgangsweise garantiert, dass am Ende des Buszyklus alle Prozessdaten konsistent sind. (mby)

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