15.05.2018

Interview mit Tanja Waglöhner, Veranstalterin der All About Automation

"Automatisierungstechnik direkt vor der Haustür"

Die lokal aufgesetzte Fachmessenserie All About Automation ist in den fünften Jahrgang gestartet. 180 Aussteller und rund 2.200 Besucher verzeichnete die Friedrichshafener Veranstaltung im März. Wie sich die Veranstaltungsreihe entwickelt hat und welchen Nutzen das Messekonzept für Aussteller und Besucher bereit hält, darüber hat das SPS-MAGAZIN mit Tanja Waglöhner, Geschäftsführerin des Veranstalters Untitled Exhibitions, gesprochen.


All About Automation in Essen

Nordrhein-Westfalen ist das Bundesland mit den meisten Maschinenbaubetrieben in Deutschland. Über 200.000 Menschen arbeiten im Maschinen- und Anlagenbau in NRW; die Branche ist der größte industrielle Arbeitgeber. Die All About Automation in Essen präsentiert sich am 6. und 7. Juni als Automatisierungsmesse für Anwender aus den Regionen Rhein und Ruhr. Die Messe zeigt dabei den aktuellen Stand industrieller Automatisierungstechnik. Aufgaben und Projekte werden in entspannter Messeatmosphäre kompetent und persönlich angegangen. Das übergeordnete Standbaukonzept, die klare thematische Ausrichtung, die kurzen Wege und der umfangreiche Service machen Teilnahme und Besuch zu einem besonderen und besonders effektiven Messeerlebnis. Veranstaltungsort ist die Messe Essen.

Wenn man das Treiben an den beiden Messetagen der diesjährigen All About Automation in Friedrichshafen mit den Veranstaltungen der ersten Jahre vergleicht, dann lässt sich doch festhalten, dass Ihr Lokalmessekonzept mittlerweile sehr gut angenommen wird, oder?

Bild: untitled exhibitions GmbH

Tanja Waglöhner: Ja, persönlich teile ich den Eindruck und auch die Zahlen bestätigen diese Entwicklung. Es kommen von Jahr zu Jahr mehr Aussteller auf unsere Messen, um die regionale Karte auszuspielen - egal ob Komponentenhersteller, Integrator, Schaltanlagenbauer, Engineering-Dienstleister oder Händler. Auch auf der Besucherseite merken immer mehr Firmen im Umfeld der Lokalmessen, wie sehr sich der Besuch der All About Automation lohnt.

Kann der Erfolg in Friedrichshafen also als Indikator dafür herhalten, dass sich auch die anderen Standorte entsprechend entwickeln werden?

Waglöhner: Gewissermaßen schon, aber es gibt noch weitere Indikatoren, die man nicht außen vor lassen darf, z.B. die Wirtschaftskraft einer Region oder die Industriedichte. Eine positive Entwicklung verzeichnen wir aber an allen Standorten. Zur nächsten All About Automation in Essen erwarten wir rund 120 Aussteller und auch Leipzig spielt in dieser Größenordnung. Allen Veranstaltungsorten gemein ist die hohe Qualität der Gespräche - eine Win-Win-Situation für Aussteller und Besucher. Gemessen am Aufwand und den Kosten rechnet sich unser Messekonzept für beide Seiten.

Woher kommt die hohe Qualität der Messekontakte?

Waglöhner: Man geht nicht zur All About Automation, um einfach nur zu gucken. Dazu fehlt der Event-Charakter. Stattdessen haben die allermeisten Besucher einen ganz konkreten Bedarf und nehmen sich Zeit, um in der Region die passenden Kontakte zu knüpfen. Und das wissen die Aussteller natürlich zu schätzen. Sie führen die Besucher dann durch ein spannendes Angebot an Automatisierungstechnik - aus der Region für die Region.

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Klassischerweise lautete das Erfolgsrezept für Fachmessen ja eher: mehr Fläche, mehr Aussteller, mehr internationale Besucher. Wie kamen Sie auf die Idee, mit dem Regionalmessekonzept in die entgegengesetzte Richtung zu starten?

Waglöhner: Man muss einfach die unterschiedlichen Bedürfnisse berücksichtigen. Die All About Automation bietet Automatisierern eine Möglichkeit, drei oder vier Mal im Jahr für Kunden und Interessenten in der jeweiligen Region vor Ort zu sein - ohne großen Aufwand. Zudem sind unsere Messen natürlich auch für Unternehmen wie Ingenieurbüros sehr spannend, die ausschließlich regional tätig sind. Im Gegenzug ist die All About Automation aber nicht der richtige Platz für die große Show, den aufwendigen Launch neuer Produkte oder um internationale Delegationen einzuladen. Sie ist auch nicht der richtige Platz für die ganzheitliche Image-Präsentation eines Unternehmens. Dafür braucht es die großen internationalen Messen. Letztendlich ergänzen sich klassische Fachmessen und regionale Veranstaltungen aus meiner Sicht sehr gut.

Das Angebot hinsichtlich Standgestaltung und -ausstattung ist auf Ihren Messen bewusst sehr begrenzt. Stößt das auf Ausstellerseite nicht auf Missmut?

Waglöhner: Nein, ganz im Gegenteil. Wir bieten den Ausstellern ein Rundum-Sorglos-Paket, das sehr gut ankommt. In diesem Rahmen übernehmen wir nicht nur die Logistik und den Standbau, sondern sogar die Bewirtung der Besucher. Die Aussteller müssen also nur ihre Exponate mitbringen und sich sonst um nichts kümmern.

Die Standgröße darf bei Ihnen 30m² nicht überschreiten. Reicht das allen?

Waglöhner: Überwiegend ja. Ein paar Aussteller bringen zwar sehr viel Material mit auf die Messe und hätten gerne eine größere Fläche. Aber obwohl wir generell gerne Ausstellerwünsche erfüllen, halten wir an der maximalen Standgröße fest. Sonst geraten wir in eine Image-Spirale, der wir auf der All About Automation keine Basis bieten wollen. Denn wenn wir einem Aussteller mehr Platz einräumen, kommt sofort der Wettbewerber und will auch mehr. Das schaukelt sich schnell hoch, bringt in Bezug auf den Messecharakter dem Besucher aber keinen Nutzwert.

Wie groß sollten die Regionalmessen denn am besten sein?

Waglöhner: Wir befragen die Besucher regelmäßig zu unseren Veranstaltungen und das Messekonzept kommt wie gesagt gut an. Solange es unter 100 Aussteller waren, kam oft noch der Wunsch nach weiteren Firmen auf der Messe. Sind es, wie diesmal in Friedrichshafen, deutlich über 150, äußern sich die Besucher eher in die andere Richtung und sagen: Es muss gar nicht mehr werden. Dazwischen scheint also die richtige Größenordnung für den All-About-Automation-Besucher zu liegen, der typischerweise einen Tag auf der Messe verbringt. Auch in Bezug auf die thematische Ausrichtung erreicht uns gutes Feedback, deswegen werden wir uns hier auch nicht breiter aufstellen.

Der Besucher schätzt also den klaren Fokus auf die Automatisierungstechnik?

Waglöhner: Ja. Auch in dieser Hinsicht haben die breit aufgestellten Industriemessen sicherlich ihre Berechtigung. Aber unsere Besucher wünschen sich einen spitzen Themenzuschnitt.

Noch recht neu im All-About-Automation-Verbund ist Hamburg. War der zusätzliche Standort rückblickend eine gute Idee?

Waglöhner: Auf jeden Fall. Auch die jüngste Station der Regionalmesse entwickelt sich toll. Hamburg wurde ursprünglich wegen des hohen Interesses der Aussteller in das All-About-Automation-Programm aufgenommen. Sozusagen als Nord-Ergänzung zu den Messen im Süden, Westen und Osten der Republik. In der Folge hatten wir schon im ersten Jahr rund 80 Aussteller - und konnten jetzt, bei der zweiten Ausgabe, rund 50 Prozent Zuwachs verbuchen. Auch auf Besucherseite kommt die Messe super an. Denn gerade Interessenten im Norden Deutschlands müssen für die klassischen Automatisierungsmessen im süddeutschen Raum einen besonders hohen Zeit- und Reiseaufwand einplanen. Die All About Automation in Hamburg bringt ihnen hingegen die Automatisierungstechnik direkt vor die Haustür.

Denken Sie darüber nach, der All-About-Automation-Serie einen dritten Messetag einzuräumen?

Waglöhner: Nein, trotz des großen Erfolgs macht das aus heutiger Perspektive keinen Sinn.

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