15.05.2018

Faustregel der Branche

Der Maschinenbau in Deutschland steht ausgezeichnet da. Das belegen die aktuellen Marktzahlen: Die Umsätze steigen, die Auftragsbücher sind gut gefüllt, Unternehmen wie Verbände setzen auf weiteres Wachstum. Und kein Ende dieser Entwicklung ist in Sicht. Darauf eine Ghettofaust!


Wie, Sie wissen nicht, was eine Ghettofaust ist? Nun, die Zeiten, in denen die geschlossene Hand als archaische Drohgebärde, als Symbol des Arbeiterkampfes oder als Zeichen des Sieges im Sport galt, sind längst vorbei. Heute macht man die Ghettofaust. Eine Geste, die - vorrangig unter Jugendlichen und Junggebliebenen - zeitgemäße Coolness demonstriert.

Entsprechend zeitgemäß und cool - wenngleich für ihre Verhältnisse eher ungewöhnlich - wirkte auch Angela Merkel, als sie kürzlich die Ghettofaust bei ihrem Rundgang auf der Hannover Messe zückte. Nicht minder ungewöhnlich ihr Gegenüber: Denn die Ghettofaust wurde von einem kollaborativen Roboter erwidert.

Irritierte unsere Kanzlerin vor fünf Jahren noch mit ihrer Einschätzung, das Internet sei Neuland, so glänzte sie diesmal in ganz anderem Licht: Robotik, Digitalisierung, Künstliche Intelligenz - und Frau Merkel unverkrampft samt Ghettofaust mittendrin. Auf diese Weise repräsentierte sie die HMI 2018 sehr passend. Ausgelassene Kanzlerin, ausgelassene Messestimmung. Mehr als 210.000 Besucher verbuchte die Messe, davon etwa 70.000 aus dem Ausland. Über dieses Publikum freuten sich natürlich auch die rund 5.800 Aussteller.

Nun besagt eine Faustregel: Ist die Stimmung auf der Hannover Messe gut, dann ist sie es in aller Regel auch in der Industrie. Was angesichts der aktuellen Marktzahlen nicht verwunderlich ist. Im Maschinenbau geht es kontinuierlich bergauf - auch die Auftrags- und Umsatzahlen des laufenden Jahres zeigen bislang in diese Richtung. Und die gute Konjunktur soll sich - trotz gewisser internationaler Unsicherheiten - weiter fortsetzen: Der VDMA hat jedenfalls seine Produktionsprognose für 2018 von bisher +3 auf +5 Prozent erhöht.

Um dieses Marktumfeld zu bedienen, bedarf es aber nicht nur wirtschaftlicher, sondern auch der passenden technischen Voraussetzungen. Schließlich hat der deutsche Maschinen- und Anlagenbau eine Technologieführerschaft zu verteidigen. Bei vollen Auftragsbüchern sowie begrenztem Fachpersonal die Lieferzeiten möglichst kurz halten und sich gleichzeitig dem mit der Digitalisierung verbundenen technologischen Umbruch widmen - das ist wahrlich keine leichte Aufgabe.

Deshalb präsentiert das SPS-MAGAZIN monatlich alles Wissenswerte aus der Steuerungstechnik und Maschinenautomatisierung - neue Produkte genauso wie Technologietrends. Diesem Informationsauftrag stellen wir uns mit jeder Ausgabe, damit Sie technisch stets auf dem neuesten Stand bleiben. Darauf, lieber Leser, haben Sie unser Wort - wenn Sie mögen, natürlich auch mit Ghettofaust. In diesem Sinne: Eine spannende Lektüre!

Mathis Bayerdörfer

Chefredakteur SPS-Magazin

Anzeige