Erschienen am: 16.07.2018, Ausgabe SPS-MAGAZIN 7 2018

Interview mit Sven Seibert, Leiter Produktmanagement bei TKD Kabel

"Innovativer Mittelständler mit weltweiter Ausrichtung"

Seit 10 Jahren bietet TKD Kabel seine Lösungen rund ums Thema Kabel und Leitungen unter einem einheitlichen Markendach an. Im Gespräch mit dem SPS-MAGAZIN erläutert Sven Seibert, Leiter Produktmanagement, die Stärken des Unternehmens und geht auf aktuelle Trends ein.


Herr Seibert, der offizielle Zeitstrahl Ihrer Unternehmenshistorie beginnt 1948 mit der Gründung der Firma Witt + Arnold in Hagen. TKD Kabel gibt es aber erst seit 10 Jahren. Können Sie bitte Ihre Unternehmensgeschichte etwas näher erläutern?

Luftbild des Standortes von TKD Kabel im niederrheinischen Nettetal
Bild: TKD Kabel GmbH

Sven Seibert: TKD Kabel basiert auf verschiedenen Unternehmen, die ihre eigene Historie haben und von unserem Mutterkonzern, der TKH Holding, im Laufe der Jahre erworben wurden. Es begann mit der Firma Kabel Wächter 1993, im Jahre 1996 kamen HPM Kabel sowie Witt + Arnold, in der Tat 1948 gegründet, hinzu. Vor 10 Jahren erfolgte dann der Zusammenschluss zur TKD Kabel GmbH. Durch die Bündelung der Kompetenzen in einer Marke können wir noch effizienter auftreten. Dabei agierten wir anfangs fast ausschließlich als Anbieter von katalogbasierten "Spezialkabeln", sind aber mittlerweile vor allem als Spezialist für kundenspezifische Lösungen etabliert. Innerhalb der TKH Holding nutzen wir acht Produktionsstätten. Wir entwickeln TKD-Lösungen für unsere Kunden inhouse und lassen diese dann an einem dieser weltweiten Standorte fertigen, je nach Anforderungsprofil, wo dies wirtschaftlich und für den jeweiligen Kunden am sinnvollsten ist. Hier in Nettetal befinden sich die Logistik und der Support. In Iserlohn, wo auch noch ein Lager angeschlossen ist, liegt die Kompetenz primär bei Lösungen für den Fördermittelbereich, während die Kompetenz am Standort Pliezhausen vornehmlich im Schleppketten- und Industriebereich liegt. An beiden Standorten ist auch jeweils der regional aufgeteilte Vertrieb für den Export angesiedelt, der mit unseren Tochterfirmen und Partnern im Ausland kooperiert. International operieren wir zur Zeit in Polen, Frankreich, Italien, USA, China sowie Mexiko mit eigenen Gesellschaften und arbeiten mit über 30 Handelspartnern weltweit zusammen.

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Der TKH Konzern hat zuletzt einen Gesamtumsatz von gut 1,5Mrd.€ erwirtschaftet. In welchen Bereichen außer Kabel und Leitungen ist die Unternehmensgruppe tätig?

Seibert: Der Konzern ist vertikal strukturiert. Es gibt die Bereiche Building, Industrial und Telecom Solutions. Der Ursprung der TKH Gruppe liegt tatsächlich in der Kabelfertigung, durch die sukzessive Erschließung neuer Marktfelder ist der heutige Konzern entstanden. Das Bestreben war und ist es, die Anwendungsfelder unserer Lösungen auf eine breite Basis zu stellen. Ziel ist es, dass wir unser Know-how und die Produkte gruppenübergreifend sinnvoll kombinieren, um dem Kunden so eine Gesamtlösung mit Mehrwert anbieten zu können. Ein gutes Beispiel sind unter anderem Projekte in den Bereichen Tunnel und Parking. Da geht zum einem um die gesamte Verkabelung, aber auch um die Erkennung von Fahrzeugkennzeichen durch Kamerasysteme oder automatische Abrechnungssysteme. Hierfür erstellen wir in speziellen Business Units ganzheitliche Konzepte.

Bitte umreißen Sie kurz Ihr Produktportfolio und für welche Branchen Sie Ihre Lösungen anbieten:

Seibert: TKD Kabel bietet Kabellösungen auf breiter Front. Hierzu gehören neben Rund- und Flachleitungen auch spiralisierte Leitungen. Immer häufiger greift unsere TKD Connect-Service: Hier geht's um konfektionierte Assemblies mit allem Drum und Dran - bis hin zu komplett anschlussfertigen Schleppkettensystemen. Unsere Hauptmärkte sind klar definiert - nicht zuletzt durch unser in Jahrzehnten gewachsenes Know-how für einzelne Branchen. Neben der Fördermitteltechnik bedienen wir vor allem den Maschinen- und Anlagenbau, also die klassische Automatisierung, aber auch den Schaltschrank- und Aufzugsbau. Bei der Gewichtung Import/Export sind wir nahezu ausgeglichen.

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Nun gibt es ja zahlreiche Anbieter von Leitungen und Energieketten. Was sind die Stärken von TKD Kabel in diesem Umfeld und gibt es möglicherweise Alleinstellungsmerkmale?

Seibert: Hochflexible Leitungen - etwa für Schleppketten oder Roboter - gehören eindeutig zum Markenkern von TKD. Bereits seit den 1980-er Jahren bieten wir unter dem Kaweflex-Markendach ein dichtes Sortiment mit Spezialleitungen für hochdynamische Anwendungen. Vorläufer der Kaweflex-Serie waren die weltweit ersten Schleppleitungen, bei denen wir gezielt den Werkstoff Pelon als Aderisolation einsetzten - und damit einen Standard schufen, der bis heute bei hochflexiblen Leitungen greift. Auch die Fördertechnik prägt unsere DNA. Hier haben wir über Jahrzehnte wichtige Entwicklungen auf den Weg gebracht und gehören mit zu den Marktführern. Lange vor 2008 war die Firma Witt + Arnold einer der Taktgeber für diesen Sektor. Und noch was unterscheidet uns: Mit 150 Mitarbeitern in Deutschland ist TKD Kabel ein kompaktes, überschaubares Unternehmen, das sehr frei und agil agieren kann. Das ist ein echter Vorteil gegenüber großen Anbietern. Der Kontakt zum Produktverantwortlichen oder der Technik im Hause TKD ist für unsere Kunden doch sehr rasch hergestellt. Bei aller Kompaktheit können wir aber innerhalb der Holding auf das Fachwissen von rund 1.400 Spezialisten zurückgreifen. Wir sind also ein klassischer Mittelständler mit Konzern-Power. So sind wir sehr flexibel, wenn es darum geht, auf spezielle Kundenwünsche einzugehen. Auch die Tatsache, dass wir für ein Kundenprojekt die geeignetste Produktionsstätte auswählen können, ist eine unserer Stärken. Bei uns gibt es zudem keine A-, B- oder C-Kunden - wir nehmen jeden gleich wichtig und ernst. Das kommt gut an!

Welche Trends sehen Sie gegenwärtig im Bereich Leitungen?

Seibert: Kurz gesagt: kleiner, leichter, easy to use und international, auf die jeweilige Anwendung und das Anforderungsprofil abgestimmt und dimensioniert. Zweifellos ist Predictive Maintenance ein sehr großes Thema. Kunden möchten über den möglichen Ausfall einer Leitung frühzeitig informiert werden, um Stillstand zu vermieden. Hier wäre etwa denkbar, über Farbveränderungen im Mantelmaterial einer Leitung auf mögliche Fehlfunktionen z.B. aufgrund von Überlast hinzuweisen. Für viele Anwendungen ist dies sehr interessant. Bei Datenleitungen z.B. für Banken ist das Thema Sicherheit natürlich überaus wichtig. Auch hier arbeiten wir an einer Lösung, die u.a. auf Glasfasern im Außenmantel beruht, bei der sich die Dämpfung im Zuge eines Manipulationsversuchs ändert. Auch dies wäre dann eine Systemlösung, da man hierzu eine entsprechende Peripherie benötigt. Man sieht, der Kabelmarkt ist und bleibt spannend!

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