20.08.2018

Safety-SPS sorgt für Einhaltung der EN12622

Nicht sicher, trotz CE-Zeichen

Durch die fortschreitende Globalisierung und den Import von Maschinen und Anlagen kommen auf die Maschinenhändler vermehrt rechtliche Aufgaben zu - vor allem wenn die herstellende Firma außerhalb der EU ansässig ist. In diesem Fall werden Händler und Importeure entsprechend der europäischen Maschinenrichtline zu Inverkehrbringern der Maschine und in vollem Umfang haftbar. Können sie sich auf ein an der Maschine aufgebrachtes und in den Papieren dokumentiertes CE-Zeichen blind verlassen? Nein, heißt die Antwort, wie das folgende Beispiel einer Gesenkbiegepresse deutlich aufzeigt:


Die Firma Stürmer Maschinen hat mehrere Mustermaschinen zum Test bei einem nicht in der EU ansässigen Unternehmen bestellt, die auch mit CE-Zeichen geliefert wurden. Bei der Anlieferung kamen jedoch Zweifel auf, ob eine Maschine überhaupt den Vorgaben der Norm EN12622 entspricht. Für eine Überprüfung der Normkonformität wurde die Firma Fiessler Elektronik kontaktiert, um eine gemeinsame Begutachtung der Maschine durchzuführen. Dabei wurde schnell festgestellt, dass unter anderem das Hydraulikkonzept nicht den Sicherheitsanforderungen entspricht.

Gefahr vor Verletzung

Weiterhin war im Schaltschrank zwar die Safety-SPS eines renommierten Herstellers eingebaut, die Sicherheitsschaltkreise waren jedoch fehlerhaft bzw. mangelhaft eingebunden. Auch die Integration und Auswertung der optischen Frontabsicherung durch den Maschinenhersteller war ungenügend. Gerade im gefährlichen Bereich des Umschaltpunkts von Eil- in den Pressgang wurde das System komplett überbrückt. Verletzungen oder sogar der Verlust von Fingern oder Hand hätten während der Schließbewegung im Bereich der Biegelinie nicht verhindert werden können. In einem Abnahmeprotokoll wurden sämtliche Punkte, welche nicht den Vorgaben der Norm entsprachen, aufgeschlüsselt und dokumentiert. Auf Basis dieser Dokumentation hätte der Hersteller der Maschine nun nachbessern müssen. Das gestaltete sich schwierig, da das Unternehmen in der Zwischenzeit geschlossen wurde und somit nicht zur Nachbesserung der Anlage verpflichtet werden konnte.

Umrüstung für Sicherheit

Weil Stürmer die Verantwortung als Inverkehrbringer sehr ernst nimmt, wurde kein Aufwand gescheut, um die Maschine selbst entsprechend den geltenden Richtlinien umzurüsten. Die Firma entschied sich dabei für eine sicherheitstechnische Nachrüstung der Maschinen mit der neuen modularen Sicherheitssteuerung FMSC. In Zusammenarbeit mit Fiessler Elektronik wurde der Schaltplan überarbeitet. Auf Basis dieser Dokumentation wurde der Schaltschrank seitens Stürmer neu strukturiert und verkabelt. Als letzter Schritt folgte dann die Inbetriebnahme der Gesenkbiegemaschine, was innerhalb eines Tages realisiert werden konnte. Dabei stellte sich heraus, dass nicht nur die Sicherheit der Maschine nun im grünen Bereich ist, sondern auch die Leistung der Presse durch die schnelle Reaktionszeit der Sicherheits-SPS deutlich erhöht werden konnte. Außerdem wird nun auch das Frontabsicherungssystem durch einen speziellen Softwarebaustein korrekt ausgewertet und garantiert somit Sicherheit bei allen Biegevorgängen. Eine abschließende Beurteilung der Maschinenfunktionen ergab, dass die Anlage nun den sicherheitstechnischen Anforderungen der EN12622 entspricht. n

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