17.09.2018

Ready or not?

"Defizite bei der Digitalisierung" und "Digitalisierung überspringt 50-Prozent-Marke": Diese leicht konträren Überschriften erregten kürzlich die Aufmerksamkeit des Verfassers dieser Zeilen. Wie ist es aber nun tatsächlich um die deutsche Industrie bei diesem wichtigen Thema bestellt?


Zugegeben: Der Vergleich hinkt etwas. Denn die erste Überschrift habe ich meiner lokalen Tageszeitung entnommen und diese bezieht sich auf den 'Digitalisierungsindex von KMU in NRW 2018', einer von der Fachhochschule des Mittelstands in Bielefeld durchgeführten Studie. Die zweite Überschrift ist die Quintessenz des 'Deutscher Industrie 4.0 Index', den die Unternehmensberatung Staufen aus der bundesweiten Befragung von 450 Industrieunternehmen abgeleitet hat und über den unter anderem im Automation Newsletter 35 berichtet wurde. Laut Landesstudie erreichten die 750.000 kleinen und mittleren Unternehmen in NRW bei zehn möglichen Indexpunkten lediglich einen Wert von 4,1. Besonderen Nachholbedarf hätten dabei Firmen mit weniger als 49 Beschäftigten. Staufen kommt zu dem Ergebnis, dass 52 Prozent der befragten deutschen Unternehmen Industrie 4.0 entweder in Einzelprojekten oder firmenübergreifend bereits operativ umgesetzt hat. Wann aber ist ein Unternehmen eigentlich digital-ready und woran macht man das fest?

Auch in Sachen digitaler Transformation geht nichts über praktische, handfeste Beispiele. So stellte ein internationaler Industriedienstleister kürzlich einige Projekte vor, die das Thema Digitalisierung sehr gut veranschaulichen. Im Bereich der Schaltanlagenfertigung wurden mithilfe der papierlosen Erfassung aller Produktdaten in einer zentralen Cloud, der Komponenten- und Baugruppenkennzeichnung mittels QR-Code sowie der Steuerung der Kernprozesse über eine unternehmenseigene Software massive Effizienzsteigerungen in der firmeninternen Prozesskette erzielt. In der Staufen-Studie wird dies als Smart-FactoryIndex bezeichnet. Auch für den sogenannten Smart-Business-Index - also Digitalisierungsmaßnahmen zum Wohle der Kunden - gab es ein griffiges Beispiel aus der Flughafenlogistik. Hier wurden am Airport Leipzig 30 sogenannte Dollies - also Anhänger, die Gepäck und Frachtgut transportieren - mit Funk- und Sensortechnik ausgerüstet, die in Echtzeit Informationen über Standort, Park- und Einsatzstatus, Beladungszustand und Wartungsbedarf übermitteln und so ein vor allem auf großen Flughäfen virulentes Problem lösen.

Nicht abstrakt über Digitalisierung, sondern von konkreten Beispielen zu berichten: Diesem Ziel hat sich das SPS-MAGAZIN verschrieben. So erfahren Sie beispielsweise in unserer Titelstory, wie der Zustand von Energieketten überwacht und so Maschinenausfälle vermieden werden können. Dies und vieles mehr in der September-Ausgabe. Viel Spaß bei der Lektüre!

Ihr Jürgen Wirtz

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MTS Sensor Technologie  GmbH & CO. KG
LTN Servotechnik GmbH - November 2019