Erschienen am: 05.10.2018, Ausgabe SPS-MAGAZIN 10 2018

Nachrüstung durch modulare Sicherheitssteuerung und Software

Vorgaben der DIN EN12622 erfüllt

Durch die immer weiter fortschreitende Globalisierung und dem Import von Maschinen und Anlagen kommen auf die Maschinenhändler bzw. Importeure vermehrt rechtliche Aufgaben zu, vor allem, wenn die herstellende Firma außerhalb der EU ansässig ist. In diesem Fall wird der Maschinenhändler und Importeur entsprechend der europäischen Maschinenrichtline zum 'Inverkehrbringer' der Maschine und in vollem Umfang haftbar für die Maschine bzw. Anlage. Können sich nun die Maschinenhändler auf ein an der Maschine/Anlage aufgebrachtes und in den Papieren vermerktes und dokumentiertes CE Zeichen blind verlassen? Nein, heißt die Antwort, wie das folgende Beispiel einer Gesenkbiegepresse deutlich aufzeigt.


Die Firma Stürmer Maschinen hat mehrere Mustermaschinen zum Test bei einem nicht in der EU ansässigen Unternehmen bestellt und auch mit CE-Zeichen geliefert bekommen. Bei der Anlieferung der Maschinen (Bild 1) kamen den handelnden Personen der Firma Stürmer Zweifel auf, ob die Maschine den Vorgaben der Norm DIN EN12622 entspricht. Für eine Überprüfung der Normkonformität der Maschine wurde die Firma Fiessler Elektronik kontaktiert, um eine gemeinsame Begutachtung der Maschine durchzuführen. Dabei wurde schnell festgestellt, dass unter anderem das Hydraulikkonzept nicht den Sicherheitsanforderungen entspricht. Weiterhin war im Schaltschrank zwar eine Sicherheitssteuerung eines renommierten Hersteller eingebaut, die Sicherheitsschaltkreise waren jedoch fehlerhaft bzw. mangelhaft eingebunden. Die Integration und Auswertung der optischen Frontabsicherung Akas durch den Maschinenhersteller war ungenügend.

Gefahr für Finger und Hände

Gerade im gefährlichen Bereich des Umschaltpunkts von Eil- in den Pressgang wurde das System komplett überbrückt. Die Verletzung von Finger oder Hand hätten während der Schließbewegung im Bereich der Biegelinie nicht verhindert werden können. Unter widrigen Umständen kann das sogar den Verlust von Fingern oder Hand bedeuten. In einem Abnahmeprotokoll wurden sämtliche Punkte, welche nicht den Vorgaben der Norm EN12622 entsprachen, aufgeschlüsselt und dokumentiert. Auf Basis dieser Dokumentation hätte der Hersteller der Maschine nun nachbessern müssen. Dies gestaltete sich schwierig, da der Maschinenhersteller in der Zwischenzeit liquidiert wurde und konnte somit auch nicht zur Nachbesserung der Anlage verpflichtet werden. Die Firma Stürmer Maschinen nimmt ihre Verantwortung als Inverkehrbringer sehr ernst und scheut deshalb auch keinen Aufwand, die Maschine entsprechend den geltenden Richtlinien umzurüsten. Stürmer entschied sich für eine sicherheitstechnische Nachrüstung der Maschinen mit der neuen modularen Sicherheitssteuerung FMSC (Bild 2). In Zusammenarbeit mit der Firma Fiessler Elektronik wurde der Schaltplan überarbeitet und ein Integrationsvorschlag erstellt. Auf Basis dieser Dokumentation wurde der Schaltschrank seitens Stürmer neu strukturiert und verkabelt (Bild 3). Als letzter Schritt folgte dann die Inbetriebnahme der Gesenkbiegemaschine. Diese erfolgte innerhalb eines Tages. Dabei stellte sich heraus, dass nicht nur die Sicherheit der Maschine nun im grünen Bereich ist, sondern auch die Performance der Gesenkbiegepresse durch die schnelle Reaktionszeit der FMSC deutlich erhöht werden konnte. Außerdem wird nun auch das Akas System durch einen speziellen Softwarebaustein korrekt ausgewertet und bietet somit höchste Sicherheit bei allen Biegevorgängen. Eine erneute Beurteilung der Maschinenfunktionen ergab, dass diese Maschine nun den sicherheitstechnischen Anforderungen der DIN EN12622 entspricht. Somit konnte der Umbau der Maschine in guter Zusammenarbeit der beiden Firmen erfolgreich abgeschlossen werden.

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