Erschienen am: 29.10.2018, Ausgabe SPS-MAGAZIN 11 2018

Kompetenzanforderungen in Zeiten der Digitalisierung

Neue Möglichkeiten für Ingenieure

Produktionsabläufe wandeln sich schnell, Unternehmen werden digitaler und agiler. Maschinen kommunizieren autonom miteinander. Die Ansätze der Industrie 4.0 verändern die Arbeitswelt für fast alle Menschen, aber insbesondere für Ingenieure. Zusätzliches Fach-Knowhow, übergreifende Kompetenzen und die so genannten Soft Skills werden eine wichtigere Rolle für deren Anforderungsprofil der Zukunft spielen. Das erfordert ein Umdenken in der Bildungspolitik und der Weiterbildung.


Wer als Ingenieur in der neuen Dynamik von Industrie 4.0 bestehen will, braucht spezielle Qualifikationen und Kompetenzen, die insbesondere die Schnittstelle zwischen Ingenieurwesen und Informatik bedienen. Das zeigt die derzeit große Nachfrage nach Spezialisten im Schnittbereich der klassischen Automatisierungstechnik und moderner Informatik sowie in Hinblick auf den industriellen Einsatz künstlicher Intelligenz. Seit Jahren leiden Unternehmen mit steigender Tendenz unter fehlenden qualifizierten Ingenieuren und Informatikern. Das Unternehmen Modis versucht genau diese Lücken für ihre Kunden zu schließen. Die zusätzlichen Kompetenzanforderungen an Ingenieure in Zeiten der Digitalisierung gliedern sich dabei in folgende Bereiche: zusätzliches Fach-Knowhow sowie fachübergreifende Kompetenzen und Soft Skills.

Zusätzliches Fach-Knowhow

Im Ingenieurberuf ist es heute erforderlich, das klassische Kompetenzprofil um Knowhow über Industrie 4.0, Software und Automatisierung zu erweitern. Dazu zählen ganz besonders IT-Kenntnisse im Umgang mit Big Data, Nutzerfreundlichkeit oder Datensicherheit. Der Fokus liegt weniger auf dem reinen Programmieren als auf der Konzeption von Nutzungsmodellen und der Beschreibung ihrer Leistungsanforderungen. Zwar bleiben dabei auch mechatronisch geprägte Qualifikationen und technisches Wissen relevant, sie alleine sind für das Ingenieurprofil jedoch nicht mehr ausreichend. Neben Software- und Hardwareentwicklung gewinnt auch das Fachwissen in Bereichen wie Marketing und Betriebswirtschaft an Stellenwert: So sollen keine Produkte entstehen, die zwar digitalen Ansprüchen genügen, aber an den Bedürfnissen ihrer Nutzer vorbei entwickelt wurden. Bestes Beispiel für den Einsatz des erweiterten Fach-Knowhows ist die Fahrzeugproduktion. Während die Herstellung eines Autos früher einen vollständig mechanischen Entwicklungsvorgang dargestellt hat, fließen heute System-, Antriebs- und Softwaremanagement direkt in alle Entwicklungsbereiche des Fahrzeugs mit ein, die jeweiligen Kompetenzbereiche müssen eng zusammenarbeiten. Die größte Spielwiese der großen Automobilkonzerne ist hier die E-Mobility, deren Antriebs- und Leistungssteuerung bereits vollständig softwaregesteuert funktionieren.

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Fachübergreifende Kompetenzen

Mit der Verzahnung bislang fachlich getrennter Disziplinen wie Maschinenbau, Elektrotechnik oder Informatik wird auch eine Reihe überfachlicher Kompetenzanforderungen immer wichtiger, die sich aus neuen vernetzten Formen der Arbeit ergeben. Hierzu zählen Soft Skills wie assoziatives Denken, um Zusammenhänge bewerten und erkennen zu können, Neugier und Expertise bezüglich Innovationen, die Fähigkeit quer zu denken, zu improvisieren und offen an Problemstellungen heranzugehen. Denn das klassische Funktionsdenken muss in ein Nutzungsdenken übergehen, das direkt an der Problemstellung ansetzt. Ingenieure sind heute stärker in der Verantwortung, funktionellen Mehrwert zu erkennen und auf neue Situationen zu übertragen. Konkret heißt das, Ingenieure brauchen Weitblick und müssen sich vom rein technischen Denken lösen. Mit der Flexibilisierung und Digitalisierung in der Industrie entsteht zudem neue Verantwortung für Ingenieure. So wächst die Bedeutung projektbezogener Arbeit internationaler Teams weiter und auch das Management wird komplexer.

Umdenken in der Bildungspolitik

Die momentane Ausbildung für Ingenieure wird diesen wachsenden Anforderungen leider kaum noch gerecht. Wird auf Seiten der Bildungspolitik aber auch bei der Weiterbildung in den Unternehmen nicht nachgesteuert, wird Deutschland den Anschluss an die digitalisierte Industrie verlieren. Konkret bedeutet dies, dass auch auf Seiten der Universitäten und Hochschulen in Bezug auf das Ingenieursstudium ein Umdenken erfolgen muss. Denn die momentan strikte Trennung zwischen Maschinenbau und Informatik verhindert eine zeitgemäße, fachübergreifende Ausbildung von Ingenieuren. Eine Verschmelzung der Studiengänge wäre ebenso logisch wie konsequent. Als Vorreiter gilt der neue Bachelor-Studiengang "Industrie 4.0 - Informatik", der seit dem Wintersemester 2017/18 an der Fakultät Elektrotechnik, Medien und Informatik der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden angeboten wird. Data Analytics, cyberphysische Systeme, Industrial Ethernet und Informationssicherheit stehen für Ingenieure auf dem Stundenplan.

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Weiterbildungsmaßnahmen vorantreiben

Die Umstellung bestehender Studiengänge, Curricula sowie Lehr- und Lernmethoden könnte sich an diesem Schritt orientieren - ebenso müssten aber auch Unternehmen innerbetriebliche Weiterbildungsmaßnahmen vorantreiben. So bietet das Unternehmen Modis abgestimmte Weiterbildungen in den Bereichen CAD-Entwicklung, Simulation oder Disruptive Engineering an. Mit dem Campus-Programm werden zudem Absolventen der Ingenieurswissenschaften und Techniker auf den Berufseinstieg als Projektingenieure im eigenen Unternehmen vorbereitet. Das Programm beinhaltet eine intensive, vierwöchige Weiter- und Spezialbildung mit diversen Angeboten zur Persönlichkeitsentwicklung und zur Teambildung. Ziehen Unternehmen und Politik an einem Strang und stellen sich die Ingenieure den neuen Kompetenzanforderungen der Industrie 4.0, dann gewinnen wir alle.

Zum Unternehmen

Modis bietet für Engineering, IT und Life Sciences agile Komplettlösungen, einschließlich Beratung, Projektleistungen, Managed Services, kundenspezifischen Lösungen und Outsourcing. Als Teil des HR-Solution-Anbieters Adecco Group ist das Unternehmen mit rund 35.000 Mitarbeitern und Beratern für mehr als 6.000 Kunden in 18 Ländern tätig. 20 Kompetenzzentren und Lieferzentren sollen Kunden die Möglichkeit bieten, von Best Practices in ihren Branchen zu profitieren.

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