14.12.2018

Studie zum Mitarbeitermangel im Ingenieurwesen

Weniger Beschäftigte - höhere Digitalisierung

Die Welt wird immer digitaler. Neben Messenger-Diensten, Social Media und automatischen Saugrobotern hat der durchschnittliche Bürger vermutlich nicht viel mit der Digitalisierung privat zu tun. Anders im Bereich der Industrie: Prozesse werden zunehmend digitalisiert und die Anforderungen an Ingenieure in Bezug auf Innovationen und Ideen steigen stetig weiter an. Zu diesem Thema und weiteren Zukunftsaussichten in dem Berufsfeld hat der VDE zusammen mit dem Institut für Wirtschaft eine Studie durchgeführt.


Rund 77 Experten, Manager, Forschungschefs und Hochschulprofessoren wurden zu dem Schwerpunkt "E-Ing 2025: Technologien, Arbeitsmarkt, Ingenieurberuf" aufgefordert, ihre Meinung zu äußern. Laut VDE erhebt die Studie ihre Daten aus den Arbeitsmarktdaten, den Hochrechnungen zum Ingenieurbedarf und einer Befragung der jungen Arbeitnehmer nach den ersten Hochschuljahren im eigenen Verband.

Zu wenige Fachkräfte

Zurzeit befinden sich laut Studie ungefähr 188.000 Erwerbstätige in dem Bereich Elektroingenieurswesen, die diesem Beruf tatsächlich nachgehen, im Gegensatz zu den Beschäftigten, die in der Studie aufgrund von nicht ausführender Tätigkeit im direkten Betrieb nicht erfasst werden, wie Lehrende, Selbständige oder Menschen in Führungspositionen. Dennoch soll diese Zahl nicht ausreichen. Bedingt durch den demographischen Wandel genießen immer mehr Beschäftigte ihren Ruhestand in absehbarer Zeit. So entsteht laut VDE bereits 2018 ein Mangel von 10.900 Elektroingenieuren. Weiterhin rechnet der Verband mit bis 13.000 fehlenden Mitarbeitern bzw. durchschnittlich mit 9.600 fehlenden Personen pro Jahr in diesem Berufsfeld. Hochgerechnet auf die nächsten Jahrzehnte ist das ein hoher Fachkräftemangel, der nicht leicht auszugleichen sein wird. Zusätzlich zum demographischen Wandel werden auch in Zeiten der Digitalisierung weitere Mitarbeiter zur Entwicklung und Ausführung von neuen Innovationen außerplanmäßig benötigt. Durch die wachsende Digitalisierung und die steigenden Anforderungen an neue Systeme und Techniken entsteht ein Bedarf für Elektroingenieure, der abgedeckt werden muss.

Bildungsoffensive gegen den Mangel

Neben den sowieso schon fehlenden Fachkräften besteht zusätzlich eine hohe Abbruchquote der Studenten in dem Bereich. Bis zu 58 Prozent der Studierenden, die einen Studiengang im Bereich des Elektroingenieurswesen absolvieren wollen, brechen ab. Deshalb musste der Mangel bisher durch eine bessere Ausschöpfung des Arbeitsmarktpotenzials bereits beschäftigter Ingenieure und Zuwanderern aus dem Ausland ausgeglichen werden. Laut dem Verband stammen rund 12 Prozent der Beschäftigten aus anderen Ländern und sind nach ihrem Examen nach Deutschland eingewandert. Doch diese Methoden garantieren keine langfristige Besserung - die Zahl der fehlenden oder ausfallenden Fachkräfte bleibt zu hoch, um sie so auszugleichen. Aus diesem Grund sollen z.B. die Zahlen der abbrechenden Studenten reduziert werden. Deshalb schlägt der VDE im Rahmen der Brain-Gain-Bildungsoffensive vor, Jugendliche durch mehr naturwissenschaftliche Fächer, wie eine höhere Stundenanzahl an Mathematik, in den Schulen für technische Berufe zu begeistern und auch Frauen für ein derartiges Studium im Bereich der Elektrotechnik zu überzeugen. Zusätzlich sollen die Anforderungen für Zuwanderer vereinfacht und den älteren bereits Berufstätigen ein besseres Angebot zur Berufsbeschäftigung gemacht werden. Ob durch diese Vorschläge langfristig die hohe Lücke an fehlenden Fachkräften tatsächlich ausgeglichen werden kann, wird sich wohl erst im Lauf der nächsten Jahrzehnte zeigen.

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