Der Weg zu dem einen Industriebus

Etwas historisches ist geschehen in der Automatisierungswelt, verkündet wurde es auf der SPS IPC Drives 2018. Das erste Mal in der Geschichte der Industriekommunikation scheinen alle Beteiligten über Unternehmensgrenzen, Länder und Weltregionen hinweg an einem Strang zu ziehen, und zwar unter dem Dach der OPC Foundation. Damit wurde nicht weniger erreicht, als die dritte Runde des Feldbuskrieges zu verhindern. Stefan Hoppe, Präsident der OPC Foundation, spart dementsprechend nicht mit großen Vergleichen, wenn er die OPC Foundation die Vereinten Nationen der Industriekommunikation und dem IIoT nennt.


Bild: TeDo Verlag GmbH

Die moderne Industriekommunikation ist noch immer von zahlreichen Brüchen geprägt. Angesichts der Herausforderungen, die Automatisierer heute hinsichtlich durchgängiger digitaler Prozesse und der Integration vom Sensor bis in die Cloud zu bewältigen haben, werden diese Brüche in der Feldkommunikation von den Anwendern mittlerweile als unnötig, überkommen und als Ausdruck der Abschottung von Märkten und Unternehmen wahrgenommen.

Ein System für alle

Die Kombination von OPC UA und TSN wird schon lange als hochpotente Möglichkeit gesehen, die gegenwärtigen industriellen Bussysteme abzulösen, weswegen auch in vielen Feldbusorganisationen an der Abbildung der eigenen Technologien auf TSN gearbeitet wird. Hinter der neuen Gruppe der inital unterstützenden Firmen stecken führende Anbieter der Automatisierungs und IT-Branche, darunter ABB, Beckhoff, Bosch-Rexroth, B&R, Cisco, Hilscher, Hirschmann, Huawei, Intel, Kalycito, Kuka, Mitsubishi Electric, Molex, Moxa, Omron, Phoenix Contact, Pilz, Rockwell Automation, Schneider Electric, Siemens, TTTech, Wago und Yokogawa.

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Neue Vorstandsmitglieder in der OPC Foundation

Am 5. November hatte die OPC Foundation bekannt gegeben, dass es unter ihrem Dach eine Initiative geben würde, die sich mit der Standardisierung und Spezifikation von OPC UA über TSN und den damit verbundenen Profilen befassen wird. Das Ziel, einen international übergreifenden und branchenneutralen Ansatz für die Implementierung von OPC UA über TSN und der zugehörigen Anwendungsprofile zu liefern, wurde damit unter dem Dach der OPC Foundation zusammengeführt. Im Zuge dieser Veränderungen wurden auf der Pressekonferenz am 27. November während der SPS IPC Drives drei jüngst neu gewählte Direktoren des Verwaltungsrats (BoD) der OPC Foundation vorgestellt. Zu den neuen BoD-Mitgliedern gehören Dr. Bernhard Eschermann, CTO der ABB Industrial Automation Division, Dr. Jürgen Weinhofer, Vice President of Common Architecture and Technology für Rockwell Automation, und Fabrice Jadot, Senior Vice President, Technology & Innovation und CTO, Industry Business, bei Schneider Electric.

Profile, Informationsmodelle, Gerätebeschreibungen und Diagnose

Zunächst wurde ein Lenkungsausschuss gebildet, der die Arbeiten der technischen und Marketing-Arbeitsgruppen leiten und die Abstimmung mit den technischen und Marketing-Kontrollgremien der OPC Foundation sicherstellen soll. So befasst sich eine Arbeitsgruppe z.B. mit der Harmonisierung und Standardisierung von Anwendungsprofilen für I/Os, Motion Control und Safety, eine weitere mit der Standardisierung von OPC-UA-Informationsmodellen für Feldgeräte z.B. Gerätebeschreibung oder Diagnose. Auf den ersten Blick scheint die Aufgabe, alle Interessen unter einen Hut zu bringen, in diesem erweiterten Rahmen nicht einfacher geworden zu sein; tatsächlich erwarten die Akteure jedoch auch in inoffiziellen Statements schnelle Ergebnisse. Stefan Hoppe, Präsident der OPC Foundation, kommentiert die gegenwärtige Dynamik der Entwicklungen so: "Es ist erstaunlich, wie schnell die Automatisierungslieferanten ihr Interesse und ihre Bereitschaft gezeigt haben, an diesem spannenden Projekt mitzuwirken, das einzigartig in der Geschichte der Automatisierung zu sein scheint. Dies zeigt deutlich, dass die Standardisierung einer der wichtigsten Treiber für die Digitalisierung und IIOT ist."

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Testszenarien und Zertifizierung

Die technischen Arbeiten sollen innerhalb der nächsten zwei Monate mit Arbeitsgruppen beginnen; bereits am 17./18. Dezember trifft sich das Steering-Commitee zu seiner ersten Sitzung. Die Arbeiten konzentrieren sich zunächst auf die Kernfunktionalität der Feldgerätekommunikation, die Entwicklung einer Architektur der nächsten Generation und eines allgemeinen Modells für Geräte, das von Automatisierungsanbietern so einfach wie möglich übernommen werden kann. Diese Architektur und das allgemeine Modell werden von den oben genannten Arbeitsgruppen um gerätespezifische Funktionen erweitert. Schließlich wird die OPC Foundation Standardisierungsdokumente mit Testszenarien und Zertifizierungsverfahren veröffentlichen, um die Interoperabilität der Geräte sicherzustellen. Priorisiert werden hier übrigens zunächst Arbeiten an der Spezifikation der firmenübergreifenden Kommunikation zwischen Steuerungen sowie der vertikalen Kommunikation vom Feldgerät zu den überlagerten Ebenen.

Fazit

Die Chancen standen noch nie so gut, einen international akzeptierten, branchenneutralen und zukunftsorientierten Standard für die Industriekommunikation zu erarbeiten. Das Dach der OPC Foundation ist dabei optimal gewählt, denn für die Kommunikation zwischen Feldebene und den übergeordneten Layern ist OPC UA ohnehin schon als Standard gesetzt. Gewinner sind auf jeden Fall die Anwender, denn sie stehen täglich vor der Herausforderung immer mehr Systeme unterschiedlicher Anbieter zu einer Gesamtlösung zusammenzuführen, die gleichzeitig funktional immer mehr leisten muss. Da die Entwicklungen und Vorarbeiten bereits weit fortgeschritten zu sein scheinen, könnten Automatisierungskomponenten auf Basis von OPC UA über TSN in absehbarer Zeit am Markt verfügbar sein.

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