08.02.2019

Stöcke zwischen den Speichen

Nach fast einem Jahrzehnt des Konjunkturhochs zeichnet sich für 2019 ein verlangsamtes Wirtschaftswachstum sowohl in der Elektroindustrie als auch im Maschinenbau ab. Grund dafür sind die zahlreichen Unwägbarkeiten, mit denen die Weltökonomie zu kämpfen hat. Aber auch hausgemachte Probleme machen sich zunehmend bemerkbar. Dabei bietet ein geringeres Wachstum durchaus auch Chancen.


Seit der Finanzkrise 2008 verzeichnete die deutsche Volkswirtschaft mehr oder weniger stolze Zugewinne. Nun blickt laut der jüngsten Befragung der Beratungsgesellschaft PwC nur noch jeder fünfte Entscheider im deutschen Maschinenbau optimistisch auf die globale Wirtschaft (siehe Seite 138). Wesentlicher Grund für die gedämpften Erwartungen ist ein unsicheres weltwirtschaftliches Umfeld. Die chinesische Volkswirtschaft, größter Abnehmer deutscher Maschinen und Elektroerzeugnisse, wuchs 2018 aufgrund der Handelsauseinandersetzungen mit den USA 'nur' noch um 6,5 Prozent. Auch die Wirtschaftsbeziehungen zwischen der EU und den Vereinigten Staaten sind weit von einer Entspannung entfernt. Und dann ist da noch der sich abzeichnende harte Brexit: Laut der Beratungsgesellschaft Oliver Wyman und der Kanzlei Clifford Chance wird dieser die Unternehmen in der EU jährlich rund 35 Milliarden Euro an Zöllen etc. kosten. Ein anschauliches Beispiel dafür, wie kompliziert die Wirtschaftsbeziehungen zwischen der EU und Großbritannien mit einem ungeregelten Brexit laufen würden, lieferte die Wochenzeitung 'Die Zeit' (Nr. 45/2018): Die Kurbelwelle eines im englischen Oxford zusammengebauten, zum BMW-Konzern gehörenden Diesel-Minis überquert - bevor der Pkw auf dem europäischen Festland seinen Käufer findet - viermal den Ärmelkanal. Gegossen wird sie in Frankreich, gedrillt, geschliffen und gefräst im britischen Hams Hall, im Motor verbaut in Österreich, der dann wiederum in Oxford im Fahrzeug montiert wird. Bisher konnte die Kurbelwelle nahezu ungehindert die Grenzen passieren. Ein nicht nur zeitlicher Mehraufwand der durch einen harten Brexit bedingten Zollkontrollen lässt sich bisher nur erahnen. Insgesamt besteht der Mini aus rund 3.000 Teilen, von denen mehr als die Hälfte aus der EU stammen. Dies sind nur einige der Stöcke, die in das sonst so dynamisch laufende Rad der heimischen Wirtschaft geworfen werden, wie es jüngst der Vorstandsvorsitzende eines namhaften deutschen Verbindungstechnikherstellers ausdrückte. Hausgemachte Probleme wie der Fachkräftemangel, der deutsche Nachholbedarf beim Thema künstliche Intelligenz sowie der eher schleppende Ausbau des Mobilfunkstandards 5G kommen hinzu. Das nachlassende Wirtschaftswachstum bietet den permanent am oberen Limit arbeitenden Firmen aber auch die große Chance, sich endlich Gedanken darüber zu machen, wie sie das ungeheuer komplexe Thema der Digitalisierung angehen und für sich umsetzen sollten. Wichtige Anregungen hierzu finden Sie auch dieses Jahr wieder im SPS-MAGAZIN. Viel Spaß bei der Lektüre der ersten Ausgabe 2019!

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