RFID bringt Dialysekonzentrat sicher zum Patienten

Sicherer Austausch

Eine Maschine zur Herstellung von Dialysekonzentraten setzt auf ein cleveres Konzept, das Prozesse nicht nur sicherer macht, sondern Anwendern auch die Arbeit erleichtert. RFID spielt dabei eine Schlüsselrolle.

Autor: Norbert Matthes


In der Kupplung des Ecomix Revolution, zur vollautomatischen Herstellung von Dialysekonzentraten direkt im Dialysezentrum, befindet sich ein RFID-Schreib/Lesekopf. Er liest den am Fass angebrachten Transponder aus und hilft Fehler bei der Kupplung zu vermeiden.
Bild: Intermedt Medizin & Technik GmbH

Mehr als 160 verschiedene Rezepturen für Dialysekonzentrate sind derzeit in Deutschland verbreitet. Die Intermedt Medizin & Technik GmbH stellt nahezu jedes dieser Konzentrate am Standort im ostfriesischen Ostrhauderfehn als Trockenkozentrat her. Dieses wird an Dialysezentren ausgeliefert und dort mit Osmosewasser passend zum gewünschten Dialysekonzentrat gemischt. Die Ecomix Revolution ist die zweite Maschinen-Generation der ostfriesischen Medizintechniker zur vollautomatischen Herstellung von Dialysekonzentraten. Damit von Bestellung über die Lieferung bis hin zur Mischung mit Osmosewasser und schließlich der Anwendung am Patienten nichts schiefgeht, sind durchdachte Prozesse und eine zuverlässige Dokumentation notwendig. Die erste Maschinengeneration setzte dazu auf Laserscanner und entsprechende Codes. In der neuen Variante kommt nun ein Hochfrequenz-RFID-System von Contrinex zum Einsatz.

Informationen per RFID austauschen

Beim Bestelleingang für Trockenkonzentrat werden alle notwendigen Daten im System des Herstellers erfasst und an die Produktion weitergeleitet. Entsprechend der Vorgaben wird nach der passenden Rezeptur das Trockenkonzentrat hergestellt und in spezielle Behälter, den Ecocarts, abgefüllt. Direkt bei der Befüllung wird der in diesen Behältern fest integrierte RFID-Hochfrequenz Tag des Typs RTP-0090-020 mit dem RFID-Hochfrequenz-Schreib/Lesekopf RLS-1183-020 beschrieben. Der Tag speichert die Rezeptur, aber auch weitere Informationen, z.B. wie viel Osmosewasser beim Anwender zugegeben werden muss, um die endgültige Dialyselösung zu erhalten. Zur Herstellung der Dialyseflüssigkeit wird der Behälter mit dem Trockenkonzentrat beim Anwender über spezielle Schnellkupplungen an das Ecomix Revolution System angeschlossen. In einer der Kupplungen befindet sich ebenfalls ein RFID-Schreib/Lesekopf des Typs RLS-1183-020. Dieser liest alle relevanten Informationen aus dem Transponder aus und gibt Anweisungen für das weitere Vorgehen.

Anzeige

Wenn es nicht normal läuft...

Üblicherweise werden in einem Dialysezentrum zwei bis drei unterschiedliche Arten an Konzentraten eingesetzt. Nach Mischung mit Osmosewasser wird das fertige Trockenkonzentrat in 860l Tanks gelagert. Intermedt empfiehlt für jede Sorte der Dialyseflüssigkeit zwei Vorratstanks vorzusehen, um einen ununterbrochenen Betrieb zu ermöglichen. Wird nun aus Versehen das falsche Trockenkonzentrat geliefert, erkennt die Maschine bei der Kupplung, dass sie dafür keinen geeigneten Tank hat, verweigert den weiteren Prozess und Fehler werden vermieden. Ein anderer Fehler, der auftreten könnte: Ein bereits angeschlossener RFID-Tag wird noch einmal angeschlossen. Die Maschine erkennt das jedoch und bearbeitet die Ecocart nicht. Dadurch, dass ein Tag immer nur einmal ausgelesen werden kann, lassen sich z.B. auch Befüllungen der Behälter durch nicht autorisierte Hersteller vermeiden. Leere Ecocarts gehen zurück zu Intermedt und werden dort gereinigt. Nun können sie wieder befüllt und die RFID-Tags neu beschrieben werden. Weil die leeren Behälter fürs Trockenkonzentrat immer zum Hersteller zurückgegeben werden, kann dieser in seinem System auch nachvollziehen, wenn einer beim Anwender im Lager in Vergessenheit gerät. Christoph Dumschat, Geschäftsführer der Intermedt Medizin & Technik GmbH erklärt: "Grob gesagt hat das Trockenkonzentrat eine Haltbarkeit von einem Jahr. In der Regel bestellen unsere Kunden acht bis zehn Ecocarts auf einmal und verbrauchen diese innerhalb von circa zwei Monaten. Gehen Neubestellungen bei uns ein, erkennt unser System, wenn noch nicht alle Trockenkonzentrat-Behälter aus vorhergehenden Chargen zurückgegangen sind und sich dem Verfallsdatum nähern. Dann weisen wir unsere Kunden darauf hin, noch einmal im Lager nachzuschauen und erst die alten Trockenkonzentrate aufzubrauchen. Das ist ein netter Nebeneffekt des durchgängigen Systems."

Passwortkonzept

Da Prozesssicherheit in der beschriebenen Anwendung eine wichtige Rolle spielt, war ein wesentliches Kriterium für die Wahl der geeigneten RFID-Technologie ein entsprechendes Passwortkonzept. Die RFID-Tags und -Schreib/Leseköpfe sowohl des HF- als auch des NF-Portfolios bieten standardmäßig benutzerdefinierte Passwortschutzfunktionen und damit die geforderte Datensicherheit. Die Tags haben zudem bereits in der Basic Variante die Schutzart IP67 und sind hitzebeständig bis +110°C. Damit überstehen sie die Heißreinigung der Ecocarts ohne Probleme. Zur Integration ins System von Intermedt war außerdem eine einfache Kommunikationslösung ohne zwischengeschalteten Bus gefragt. Dass gewählte RFID-System lässt sich über eine RS485-Schnittstelle programmieren. Contrinex stellt eine Dokumentation zur Nutzung des Protokolls zur Verfügung, so dass die Schreib/Leseköpfe via RS485 ins System integriert werden konnten. Wie alle Schreib/Leseköpfe des HF-Systems sind auch die hier eingesetzten ISO/IEC 15693-konform. Der Einsatz von RFID im Vergleich zum Laser-Scanner der Vorgängerversion, erleichtert zudem das Arbeiten, da der Zwischenschritt des Abscannens entfällt, und macht den Prozess zudem manipulationssicher. Dumschat zeigt sich mit der eingesetzten RFID-Technologie zufrieden: "Anfangs waren die gute Performance und das Preis-Leistungs-Verhältnis für uns die überzeugenden Faktoren. Mittlerweile kommt dazu, dass sich Tags und Schreib/Leseköpfe in der Alltagspraxis als extrem zuverlässig erwiesen haben."

Anzeige