25.04.2019

Interview mit Bernhard Zangerl über den Stellenwert des Maschinenbaus bei Bachmann

"Je schwieriger, desto besser"

Bachmann Electronic ist über seine ursprüngliche Positionierung als SPS-Hersteller längst hinausgewachsen. Das heutige Angebot deckt neben der Steuerungstechnik ein breites Feld an Automatisierungslösungen ab, z.B. für die Web-Visualisierung oder Condition Monitoring. Doch welche Rolle spielt der Maschinenbau als Abnehmer dieser Technik? Darüber hat sich das SPS-MAGAZIN mit CEO Berhard Zangerl unterhalten.


Bachmann konnte in den letzten Jahren im Schnitt zweistellig wachsen. Wie viel des Erfolgs kam aus dem Maschinenbau, Herr Zangerl?

Bild: Bachmann electronic GmbH

Bernhard Zangerl: Wir lagen mit dem Wachstum im vergangenen Geschäftsjahr weit über Branchendurchschnitt und auch deutlich über unseren Erwartungen. Kurzum: Wir haben davon profitiert, dass es unseren Kunden gut geht. Weil bei Bachmann traditionell die Energietechnik und die Erneuerbaren sehr stark sind, ist der allgemeine Maschinenbau als Gegengewicht von großer Bedeutung. Auch in dieser Hinsicht hatten wir ein wirklich gutes Jahr.

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Welchen Anteil am Gesamtumsatz 2018 hatte denn der Maschinenbau?

Zangerl: Es waren rund 30 Prozent des Geschäfts. Wenn man die benachbarten Bereiche hinzuzählt, sogar rund die Hälfte. Die Industrie ist also ein zentrales Standbein für uns und sorgt als Innovationstreiber auch dafür, dass wir uns auf unseren Erfolgen nicht lange ausruhen. Wir müssen uns gerade jetzt anstrengen. Denn wir verstehen uns nicht als typischen Automatisierungsanbieter, der 0815-Maschinen von der Stange ausrüstet. Statt dessen positionieren wir uns als Spezialist für die harten Fälle. Je schwieriger die Anwendung, desto wohler fühlen wir uns, und desto besser können wir uns von Marktbegleitern distanzieren.

Welche Branchen im Maschinenbau haben Sie im Fokus?

Zangerl: Historisch gesehen war Bachmann sehr stark im Kunststoff-Spritzguss. Mittlerweile kommen die Kunden aber aus ganz unterschiedlichen Industriesegmenten. Es sind Anwender, die entweder eine hohe Performance benötigen, sehr komplexe Aufgabenstellungen lösen oder außergewöhnlich robuste und zuverlässige Technik brauchen. Unter diesen Aspekten spannt sich das Spektrum unserer Kunden von der Halbleiterindustrie, in denen Maschinen verhältnismäßig kurzlebig sind, bis zur Schwerindustrie mit Anlagenzyklen von mehreren Jahrzehnten.

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Ist es nicht schwierig für ein mittelständisches Unternehmen wie Bachmann, dabei auf die spezifischen Wünsche der Kunden einzugehen?

Zangerl: Nein, Partnerschaft ist bei uns im Haus keine Worthülse, sondern wird wirklich gelebt. Als Mittelständler können wir dabei sehr flexibel und schnell auf spezielle Bedürfnisse eingehen. Bachmann ist aber auch groß genug, um als Lieferant ausreichend Stabilität und weltweite Unterstützung zu bieten. Diese Kombination spricht viele ebenfalls mittelständischen Unternehmen im Maschinenbau an, die bei den großen Automatisierern nicht ausreichend Wahrnehmung und Zuwendung erfahren. Der Partnergedanke gehört so untrennbar zu unserem Selbstverständnis, dass wir rein aus betriebswirtschaftlicher Sicht manchmal sogar zu viel tun.

Inwieweit prägt Ihre Ausrichtung auf die speziellen Kundenbedürfnisse denn bereits Ihr Leistungsangebot?

Zangerl: Die Komplexität in der Automatisierungstechnik steigt dermaßen, dass viele Mittelständler überfordert sind. Sie sind zwar Spezialisten für ihre Maschinen, aber nicht unbedingt für deren Automatisierung. Deswegen spüren wir einen zunehmenden Bedarf nach Unterstützung. Denn um das Potenzial moderner Automatisierungssysteme komplett auszuschöpfen, muss man schon umfangreiche Expertise vorweisen können, auch wenn wir uns in Bezug auf die Usability natürlich größte Mühe geben. Dennoch muss man den Kunden manchmal erst zeigen, was sich mit den neuen technologischen Möglichkeiten im Angebot von Bachmann alles machen lässt - und ihn im Zweifel ein Stück weit an der Hand nehmen. Deswegen bauen wir bei Bachmann verschiedene Kompetenzzentren auf, nicht nur für die Steuerungstechnik, sondern z.B. auch für Visualisierung oder Zustandsüberwachung.

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Der individuelle Weg zu Industrie 4.0 ist für die Maschinenbauer nicht einfach zu finden.

Zangerl: Richtig. Jeder muss für sich erarbeiten, wie er mit der Einbindung neuer Technologien zukunftsfähige Lösungen entwickeln und anbieten kann. Selbst wenn der Begriff Industrie 4.0 längst überstrapaziert ist, muss man sich mit den dahinterstehenden Aspekten auseinandersetzen. Entsprechend suchen die Anwender nach konkreten Anreizen der Digitalisierung für ihre Produkte und das Geschäft.

Besteht die Gefahr, dass die hiesigen Maschinenbauer dabei nicht schnell genug sind?

Zangerl: Nun, ich glaube, dass die Consumer-Welt die Industrie diesbezüglich vor sich her treibt. Wenn ein Werker sich heute im Privatumfeld viel mit dem Tablet beschäftigt, dann erwartet er auch am HMI der Maschine eine ähnlich intuitive Bedienung. Die Ansprüche steigen hier schnell.

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Wie steht es dabei mit neuen Geschäftsmodellen? Rechnen Sie bei Bachmann schon via Pay-per-Use oder Pay-per-Runtime ab?

Zangerl: Aus Marketing-Sicht kann man hier sicherlich schon einiges hinein interpretieren. Wenn man aber die Umsatzzahlen betrachtet, dann spielen solche Geschäftsmodelle heute noch eine untergeordnete Rolle. Aber wir spüren durchaus, dass sich die Maschinenbauer Gedanken machen, z.B. hinsichtlich bedarfsgesteuerter Abrechnungs- oder Servicemodelle. Und das tun wir bei Bachmann natürlich auch. Die Basis dafür bilden unsere moderne Remote-Zugangslösungen und -Services. Und die beginnen aktuell wirklich zu fliegen.

Welches Potenzial rechnen Sie denn dem Retrofit von Anlagen als Geschäftsmodell zu?

Zangerl: Das hängt stark davon ab, um welche Art der Maschine es geht. In vielen Fällen ist die Mechanik der limitierende Faktor. Dann lässt sich durch Retrofit-Maßnahmen nicht viel mehr an Leistung herausholen. Man kann nur noch ein bisschen optimieren und versuchen, die Maschinen möglichst lange am Laufen zu halten. In anderen Bereichen kann man die Maschinenfunktionalität durch die Nachrüstung moderner Komponenten aber schon deutlich erweitern. Dennoch sind die meisten unserer Kunden im Maschinenbau heute noch stark fokussiert auf den Verkauf von Neuanlagen.

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Sie haben eingangs gesagt: Wenn es Ihren Kunden gut geht, dann geht es Bachmann auch gut. Welche Erwartungen haben Sie diesbezüglich an das laufende Jahr? Verschiedene Seiten befürchten ja eine Abkühlung der Konjunktur.

Zangerl: Die meisten Maschinenbauer sind nach wie vor damit beschäftigt, ihren Auftragsbestand abzuarbeiten. Trotzdem redet die ganze Welt beim Ausblick auf das laufende Jahr eine Resignation herbei. Wirklich spüren tun wir sie aber nicht. Natürlich geht es im Geschäft mal nach oben und mal nach unten. Und darauf sind wir bei Bachmann auch vorbereitet. Aber wenn man die Entwicklungen und Trendthemen anschaut, stehen die Aktien aktuell eigentlich sehr gut. Egal ob Digitalisierung, Energiewende oder Elektromobilität: Es gibt gewaltiges Potenzial für die europäische Industrie und für Bachmann. Auch wenn man sicherlich noch nicht genau sagen kann, wann und wie stark welcher Trend an Fahrt aufnehmen wird.

Verschiebt sich dann der Fokus bei Bachmann wieder mehr in Richtung Energie?

Zangerl: Nein, das Industriegeschäft und der Maschinenbau bleiben als Multi-Milliardenmarkt absolut gesetzt. Natürlich wollen wir auch bei allen Zukunftsthemen mitspielen, aber unsere zentralen Bereiche werden wir nicht vernachlässigen.

(mby)

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