23.07.2019

Wie dezentral ist die Zukunft?

Ist dezentrale Automatisierung das Fundament der zukunftsfähigen Produktion? Darüber diskutierten die Teilnehmer der Anwenderkonferenz 'Dezentral Automatisieren' Anfang Juni in Stuttgart. Fest steht: Beflügelt durch Digitalisierung und Co. ist bei dezentralen Automatisierungskonzepten vieles im Wandel - nicht nur bei Steuerungs-, Antriebs- und Sensortechnik, sondern gerade auch was die Kommunikation angeht. In der Folge ergeben sich für den Anwender in vielen Fällen große Vorteile im Vergleich zu klassischen zentralen Lösungen.


Bild: TeDo Verlag GmbH

Der Ansatz, die Automatisierung außerhalb des Schaltschranks zu lösen, ist eigentlich nichts neues. "Dezentral automatisieren ist für den Maschinenbauingenieur, was Fundamente gießen für den Bauingenieur ist", bestätigte auch Dr. Olaf Sauer, stellvertretender Institutsleiter am Fraunhofer IOSB, auf der Anwenderkonferenz 'Dezentral Automatisieren', ausgerichtet Anfang Juni von SV-Veranstaltungen in Kooperation mit dem SPS-MAGAZIN. Es handle sich einfach um eine Kernkompetenz. Neu sind hingegen die Möglichkeiten durch den technologischen Wandel in Bezug auf Digitalisierung oder Miniaturisierung. In wie weit sich daraus ein automatisierungstechnischer Königsweg für die Fabriken der Zukunft ergibt, darüber sprachen hochkarätige Referenten auf der Anwenderkonferenz.

Dezentrales Erfolgsmodell

Ein Highlight der Veranstaltung: Ralf Schubert, Geschäftsführer des gleichnamigen Verpackungsmaschinenbauers, gewährte spannende Einblicke in das dezentrale Erfolgskonzept seiner Maschinen - sowohl im Rahmen der Keynote als auch bei der Besichtigung des Werks in Crailsheim, das 2018 als Fabrik des Jahres ausgezeichnet wurde. Seit rund 50 Jahren spezialisiert sich das Unternehmen auf den Bau von Top-Loading-Maschinen, die Verpackungen automatisiert aufrichten bzw. positionieren und mit Produkten befüllen. Ein Großteil der Schubert-Anlagen wird heute in der Nahrungsmittelindustrie eingesetzt. Ursprünglich erfolgte die Automatisierung über eine Königswelle, später über zentrale Steuerungs- und Antriebstechnik. Doch schon seit den späten 1990er-Jahren verzichtet der Maschinenbauer komplett auf einen zentralen Schaltschrank zugunsten eines modularen und flexiblen Maschinenkonzepts. Heute besitzt jedes Modul nur mehr einen Kabelkanal mit integrierter Steuerung, die Antriebstechnik ist größtenteils motornah verbaut oder motorintegriert. Schubert setzt also seit Jahren erfolgreich auf konsequente Dezentralisierung. Im Gegensatz dazu betonten andere Referenten auf der Anwendertagung, dass es bei der Frage "Zentral oder dezentral?" keine Dogmen geben dürfe. Schließlich komme es immer noch auf die Rahmenfaktoren der jeweils zu lösenden Anwendung an. Die Kombination von Elementen beider Ansätze bietet in vielen Fällen die effizienteste Lösung. Das beleuchteten verschiedenen Vorträge aus dem Blickwinkel der Steuerungs-, Antriebs- und Kommunikationstechnik. In wie weit der Sensorikstandard IO-Link ein Paradebeispiel für zukunftsfähige dezentrale Automatisierung ist, wurde ebenfalls ausgiebig diskutiert. In jedem Fall bietet er die Möglichkeit, die Funktionalität in der Feldebene zu erhöhen und gleichzeitig den Verdrahtungsaufwand zu reduzieren.

Anzeige

Treiber für Anlagenmodule

Im letzten Vortrag am ersten Veranstaltungstag referierte Dr. Thomas Holm, Head of Innovation and Technology bei Wago, über die Entwicklung von MTP zum herstellerunabhängigen Standard für die Prozessindustrie. Das so genannte Module Type Package bietet sich als neue Ebene in der Automatisierung an, da auch Prozessanlagen immer wandlungsfähigere und zunehmend modulare Anlagenstrukturen erfordern. MTP hält quasi als Treiber alle Informationen vor, die für den Betrieb eines solchen Anlagenmoduls notwendig sind. Ein Konzept, das sich auch auf viele andere Marktsegmente adaptieren ließe, auch auf den Maschinenbau und die diskrete Fertigung. "Die Technologiekompetenz bei Referenten und Zuhörern war auf dieser Veranstaltung außergewöhnlich hoch", zog Holm sein Fazit zur Anwenderkonferenz. Die nächste Ausgabe ist für 2020 geplant. (mby)

Anzeige

 
190925_SPS_160x600_ID2080de
MTS Sensor Technologie  GmbH & CO. KG
LTN Servotechnik GmbH - November 2019