23.07.2019

Energieverteilsystem ermöglicht zahlreiche Ausführungsvarianten

Breites Anwendungsspektrum bis 4.000A

Mit dem Konzept der Systemtechnik hat sich Hager im Bereich der Niederspannung bis 630A in den vergangenen Jahrzehnten zu einem führenden Anbieter entwickelt. Die Idee hinter diesem Konzept: Möglichst viele Anwendungen mit einem kompletten Lösungsangebot aus einer Hand abzudecken. Diesen Systemgedanken hat Hager mit Unimes H mittlerweile auch auf den Hochstrombereich übertragen - Grund genug, sich dieses Konzept einmal genauer anzuschauen, das in Kombination mit dem Verteilersystem Univers N sogar ein durchgängiges System bis hin zur Etagenverteilung durch einen Anbieter bietet.


Energieverteilersystem Unimes H
Bild: Hager Vertriebsgesellschaft mbH & Co. KG

Grundsätzlich handelt es sich beim Energieverteilsystem Unimes H um eine bauartgeprüfte Schaltgerätekombination nach DIN EN61439-1/-2 (VDE 0660-600-1/-2) zum Bau von Niederspannungs-Hauptverteilungen bis 4000A Bemessungsstrom. Mögliche Anwendungen erstrecken sich auf Infrastruktur-Einrichtungen wie Bahnhöfe, Flughäfen oder Autobahntunnel, auf Geschäftsgebäude wie Hotels, Banken, Einkaufszentren und Sportstätten. Aber auch in Rechenzentren, Krankenhäusern, Verwaltungsgebäuden oder der Industrie ist das System unimes H einsetzbar.

Die Grundlage: der Basisschrank

Unimes H umfasst Schranktypen mit Tiefen von 600 und 800mm sowie Schrankbauhöhen von 2000 und 2200mm. Der Bemessungsstrom bestimmt dabei die notwendige Tiefe der Schränke: Ab 2.950A sind Schranktiefen von 800mm zu verwenden. Insgesamt setzt sich das Schranksystem zusammen aus zwölf verschiedenen Schrankgrundvarianten inklusive Basisschränken, Typen bis 1.600, 2.000, 2.500, 3.200 und 4.000A sowie Abgangsschränken, Univers N Modulschränken und Eckschränken. Die Schranktypen sind kombinierbar für die oben genannten Anwendungsgebiete in der Infrastruktur und in der Gebäudetechnik. Dazu kann ein Steuerfach oder das Univers N-Ausbaukit bei einzelnen Schrankvarianten integriert werden. In dieses können Steuerungs- und/oder Messgeräte im Schrank eingebaut werden, die zum einen berührungsgeschützt sowie zum anderen innerhalb der Bauform integriert sind. Bemerkenswert: Über den Modulschrank Univers N kann die gesamte Systemtechnik der Innenausbausysteme Univers N und Univers N HS mit Bemessungsströmen bis zu 1.600A integriert werden. Die Grundlage aller Schranktypen des Energieverteilsystems Unimes H bildet der Basisschrank. Von diesem Basisschrank als neutraler Plattform für Schaltgerätekombinationen gibt es zwei Varianten: Eine ohne integrierten Kabelraum sowie eine mit integriertem Kabelraum. Das Konzept der Schrankvarianten erleichtert die Übersicht, reduziert die Montagezeiten und erhöht die Betriebssicherheit und Bediensicherheit. Zudem bieten die Basisschränke weitere flexible Lösungsmöglichkeiten: Sie können eingesetzt werden als angereihte Einzelschränke für die Kabelräume der Nachbarschränke, zum Einbau von Kompensationsanlagen oder Zählereinrichtungen, von modularen Abdeckplattensystemen oder von Montageplatten für den individuellen Ausbau. Bei der Standardauslieferung der Schränke werden verschiedene Ausbaustufen unterschieden. Die Standardausführung umfasst je nach Schrankvariante den Grundschrank mit verzinkter Rückwand, wobei je nach Schranktyp aber auch weitere Ausbaustufen bestellt werden können. So lassen sich auf der Grundlage des Basisschranks aus standardisierten Schrankvarianten mehr als 1.000 Ausführungsvarianten zusammenstellen. Hervorzuheben ist dabei die Verbindungstechnik mit bohrungsloser Anbindung an das Hauptsammelschienensystem H-SaS. Es erlaubt kurze Verbindungen und Montagezeiten von Einspeisungen und Ableitungen. Durch die bohrungslose Montage werden zudem Querschnittsverringerungen vermieden.

Hohe Sicherheitsstandards

Neben seiner Flexibilität zeichnet sich Unimes H durch ein hohes Maß an Arbeits- und Betriebssicherheit aus. Hierfür sorgen die Wahl der Bauform bis 4b, der N-Leiterquerschnitt bis 200 Prozent, die Kurzschlussfestigkeit bis 120kA (Icw (1s)) oder - neben der Einsatztechnik - auch die Schubeinsatz- und Einschubtechnik, die einen sicheren Wechsel beim Einsatz entsprechender Schutzausrüstung selbst unter Spannung erlauben. Besonders hervorzuheben ist die Störlichtbogenprüfung nach IEC/TR 61641. Denn für das Energieverteilsystem Unimes H bietet Hager neben dem passiven optional auch ein aktives Störlichtbogen-Schutzsystem an, das die Reaktionszeit erheblich verkürzt. Zum technischen Hintergrund Störlichtbogenschutzes: Der passive Schutz soll die Entstehung eines Lichtbogens verhindern, bzw. die Wahrscheinlichkeit der Entstehung eines Störlichtbogens reduzieren. Dieser soll durch geeignete Maßnahmen auf den Entstehungsort begrenzt bleiben und benachbarte Funktionseinheiten und Räume einer Schaltanlage nicht beeinträchtigen. Ziel ist es, die Auswirkungen eines Störlichtbogens sowohl hinsichtlich des Personenschutzes als auch hinsichtlich des Anlagenschutzes so klein wie möglich zu halten. Dies wird durch die Einhaltung verschiedener Prüfkriterien hinsichtlich des Personenschutzes und hinsichtlich des Anlagenschutzes sichergestellt. Der aktive Störlichtbogen-Schutz bietet ein besonders hohes Schutzniveau. Er benötigt zur Löschung des Störlichtbogens nur zwei bis drei Millisekunden. Damit garantiert das aktive Störlichtbogen-Schutzsystem eine extrem kurze Abschaltzeit der gesamten Anlage. So können die verheerenden Auswirkungen eines Störlichtbogens auf ein Minimum reduziert oder im Idealfall ganz vermieden werden. Die obersten Ziele sind hierbei maximale Personensicherheit und bestmöglicher Anlagenschutz. Das Hager Störlichtbogen-Schutzsystem besteht aus Komponenten, die an den neuralgischen Punkten der Schaltanlage 'aufpassen'. Bei Gefahr treten sie eine exakt kalkulierte Kettenreaktion los: Zunächst wird der Störlichtbogen durch eine doppelte Sensorik detektiert, nach zwei bis drei Millisekunden lösen die Löschgeräteeinheiten aus und nach 30 bis 50 Millisekunden wird die komplette Anlage automatisch abgeschaltet. Dadurch wird die Einwirkenergie gleich zu Anfang nahezu vollständig eliminiert - der Störlichtbogen erlischt, bevor er Schaden anrichten kann und die Anlage kann nach der Fehlerbehebung schnell wieder in Betrieb genommen werden.

Flexibles Raum- und modulares Frontkonzept

Ein weiteres Merkmal von Unimes H ist das durchdachte Raumkonzept: So ermöglicht der modulare Aufbau eine Vielzahl von Ausführungsvarianten, bei denen Kombinationen im Baukastenprinzip erstellt werden können und auch Erweiterungen problemlos möglich sind. Darüber hinaus reduzieren standardisierte Verkupferungen zwischen den Räumen Planungsaufwand sowie Herstellungszeiten und innere Unterteilungen in Form von Schottungen begünstigen einen passiven Störlichtbogenschutz. Durch die klare Raumaufteilung im Schrankinneren lassen sich die unterschiedlichen Funktionsbereiche wie Haupt-Sammelschienenraum, Feldverbindungs- und Geräteraum oder auch Anschluss- und Kabelraum optimal voneinander trennen. So können die gängigsten Bauformen 2b, 3b und 4A/b einfach realisiert werden. Zusätzlich wird die Wahrscheinlichkeit der Entstehung von Störlichtbögen minimiert und damit die Sicherheit erhöht. Ergänzt wird das flexible Raumkonzept durch ein modulares Frontkonzept, das alle Bedürfnisse an eine flexible Frontausstattung erfüllt. Abhängig vom Schranktyp und den einbaubaren Geräten hat der Schaltanlagenbauer die Wahl zwischen drei Varianten: Dem Fronteinbau FE1 mit fester Front oder mit Türen, bei dem der Gerätezustand sichtbar ist und die Gerätebedienung an der Schrankfront erfolgt. Alternativ besteht die Möglichkeit des Fronteinbaus vom Typ FE2 mit Abdeckplatten ohne Tür. Auch hier ist der Gerätezustand sichtbar und die Gerätebedienung erfolgt ebenfalls an der Schrankfront. Als dritte Variante schließlich bietet Unimes H eine als Hinterfront HF bezeichnete Version, bei der sich die Geräte hinter einer Volltüre, einer Sichttüre oder hinter Modultüren befinden. Hierbei sind die Geräte nicht von außen bedienbar, die Schutzart kann in der HF Version jedoch von IP30 auf IP40 erhöht werden.

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Vielfältige Aufstellungsmöglichkeiten

Nicht minder flexibel zeigt sich Unimes H bei den Aufstellungsmöglichkeiten: Eine Reihen-, L- oder U-Aufstellung mit oder ohne Sockel an der Wand oder frei im Raum ist ebenso möglich wie eine entsprechende Parallel-Aufstellung mit Bedienungsgang. Praktisch: Bei der Wandaufstellung ist kein Wandabstand notwendig - das Energieverteilsystem ermöglicht sogar das Aufstellen in einer Nische. Ebenfalls möglich ist die sogenannte Doppelfrontaufstellung, bei der zwei Schränke 'Rücken an Rücken' frei im Raum aufgestellt werden. In Abhängigkeit von der jeweiligen Aufstellungsart erfolgt die Belüftung der Schränke. Hierfür stehen verschiedene Lüftungskonzepte mit Boden-, Dach- und/oder Frontventilation zur Verfügung. Je nach erforderlichem Lüftungskonzept reichen die entsprechenden Schutzarten von IP20 bis IP40.

Umfangreiches Zubehörprogramm

Abgerundet wird Unimes H durch ein umfangreiches Zubehör- und Geräteprogramm, das flexible und individuelle Lösungen für Energie-Schaltgerätekombinationen nach EN61439-1/-2 in Niederspannungs-Hauptverteilungen ermöglicht. Dazu zählen Montagematerialen, Sammelschienensysteme und -träger ebenso wie kompakte und offene Leistungsschalter, Sicherungs-Lastschaltleisten, NH-Sicherungs-Lasttrennschalter, Lasttrennschalter mit Sicherung in Leistenbauform oder auch Sicherungseinsätze - und das komplette Zubehörprogramm Univers N bzw. Univers N HS.

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