13.09.2019

Faulhaber erfolgreich bei Wettbewerb 'Fabrik des Jahres'

Flexibilität ist die halbe Miete

Jedes Jahr wird im Rahmen eines Wettbewerb die Fabrik des Jahres gekürt. Faulhaber konnte sich 2018 in der Kategorie hervorragende Kleinserienfertigung durchsetzen. Doch was genau macht deren Lösung so besonders und wie lässt sich überhaupt die Automatisierung einer solchen Fertigung umsetzen? Auf der Suche nach den Antworten auf diese Fragen hat das SPS-MAGAZIN die ausgezeichnete Produktionstechnik vor Ort begutachtet.

Autor: Mark Morley


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Bild: Dr. Fritz Faulhaber GmbH & Co. KG

In der Kleinserienfertigung ist bekanntermaßen eine Umsetzung von automatisierten Prozessen nur zum Teil möglich. Denn hier stellt ein Unternehmen keine großen Stückzahlen her, was die Vollautomatisierung wirtschaftlich meist nicht sinnvoll macht. Doch welcher Grad der Automatisierung ist hier vernünftig? Und welche Prozesse lassen sich überhaupt automatisieren, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten?

Breites Produktspektrum

Faulhaber ist ein Unternehmen mit langer Tradition. Seit 1947 spielen die kontinuierliche Weiterentwicklung und die Prozessverbesserung eine große Rolle. Besonders wichtig ist für das mittelständische Unternehmen eine hohe Flexibilität, um sich auf dem Markt erfolgreich zu positionieren. Diese spiegelt sich natürlich auch in der Produktion wider: Der Antriebshersteller aus Schönaich bietet seinen Kunden eine große Vielfalt an Produktvarianten und fertigt konsequent auftragsbezogen nach Stückzahl bzw. Kundenwünschen, was auch ein Grund für die Auszeichnung als beste Fabrik war. Kunden können sich Antriebssysteme aus Motor, Getriebe, Encoder oder Controller, unterstützt vom umfangreichen Know-how des Antriebsspezialisten zusammenstellen. 30 Prozent des Umsatzes generiert Faulhaber mit Produkten aus dem Katalog, 40 Prozent sind Modifikationen und 30 Prozent kundenspezifische Antriebslösungen. Dadurch entsteht eine sehr große Antriebsbandbreite.

Standortsynchrone Fertigung

Doch wie lässt sich die hohe Flexibilität für ein solch frei wählbares System mit kurzen Lieferzeiten für ein Unternehmen vereinbaren? Für Faulhaber alles andere als ein Widerspruch, denn das Unternehmen produziert nicht auf Lager. Es setzt stattdessen auf eine standortsynchrone Fertigung. Dabei werden alle Standorte weltweit verbunden und wie ein großer Betrieb geführt. Während die eine Fertigung ein erstes Teil produziert, kann eine andere parallel das zweite Produktteil anfertigen. So sorgt z.B. der Betrieb in Schönaich dafür, dass der Motor gefertigt wird. Gleichlaufend wird in Rumänien das passende Getriebe gebaut. Nach der gleichzeitigen Fertigung verschiedener Bauteile in unterschiedlichen Werken müssen diese schließlich nur noch an einem Standort zusammen gesetzt werden. Dabei könnte das Getriebe z.B. in die Fertigung nach Schönaich geschickt werden, wo es dann mit dem Motor verbunden wird. Dadurch will der Hersteller eine schnelle Lieferung ermöglichen. Das bestätigt auch Hubert Renner, Head of Production bei Faulhaber: "Unser Ziel in der standortsynchronen Produktion ist es, in acht Tagen lieferfähig sein - ganz egal um welchen Auftrag es sich handelt und wohin er geliefert werden muss." Sicherlich war auch die erfolgreiche Umsetzung dieses Anspruchs ein Grund, sich bei der Auszeichnung gegenüber der Konkurrenz durchzusetzen. Im Endeffekt ist es eben die hohe Flexibilität kombiniert mit der großen Produktvielfalt und der standortsynchronen Produktion, die die Kleinserienfertigung des Unternehmens so besonders macht. Aber bleibt in diesem Zusammenspiel nicht die Automatisierung auf der Strecke?

Bedingte Automatisierung

Nein, doch die Automatisierung wird in der Kleinserienfertigung nur dort genutzt, wo es Sinn macht. Mit diesem Ansatz fertigt das Unternehmen schon lange Antriebssysteme in kleiner Losgröße. Und Anstatt zwanghaft auf eine höhere Automatisierung in der Fertigung von Kleinserien zu drängen, erweitert Faulhaber lieber den Blickwinkel - gerade was den Einsatz neuer digitaler Maßnahmen angeht.

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Papierlose Fertigung

Die Zukunft hält aus Sicht von Faulhaber auch vielversprechende Möglichkeiten zur Automatisierung für Hersteller von Kleinserien offen. Diese beschränken sich allerdings nicht nur auf die Produktionsprozesse. Ganz im Gegenteil: Schon seit einiger Zeit setzt der Hersteller aus Schönaich verstärkt auf eine Automatisierung der Produktionsabwicklung: Aufträge sollen künftig automatisiert entgegen genommen, Stücklisten automatisch generiert und Arbeitspläne automatisch erstellt werden. Doch wie ist das Konzept umsetzbar? "Die Fabrik wird sich zu einer papierlosen Fertigung entwickeln, und auch das benötigte Material wird automatisch nachbestellt", erklärt Jan Patrick Schindler. Passend dazu sieht der Production Manager eine große Rolle des Erfolgs bei seinen Mitarbeitern: Dementsprechend waren Mitarbeiterorganisation sowie KVP-Prozesse zusätzliche Kriterien für die Auszeichnung. Auch hier zeigt sich wieder das flexible Grunddenken des Unternehmens: In der Fertigung sind die Mitarbeiter sehr breit qualifiziert, d.h. sie können bei Ausfall oder Stoßzeiten an nahezu allen Stationen in der Fertigung mitarbeiten. Faulhaber legt großen Wert auf eine direkte und ehrliche Kommunikation in allen Abteilungen und Ebenen, dazu setzt man auf ein aktives Shopfloor-Manegement direkt in der Produktion. Darüber hinaus bildet das Unternehmen seine Mitarbeiter selbst aus und in der Regel werden diese nach der Ausbildung auch übernommen. Gleichzeitig werden attraktive Trainee-Programme mit einem großen Handlungsspielraum zur Weiterbildung angeboten. Damit stemmt sich Faulhaber gegen den Fachkräftemangel in der Industriebranche.

3D-Druck als Zukunft der Kleinserienfertigung

Wohin die Entwicklung der Kleinserienfertigung ohne vollständige Automatisierung gehen wird? Schon jetzt testet der Antriebsspezialist Produktionskonzepte mithilfe von Kunststoff-3D-Druckern, dieses Jahr soll noch ein Metall-3D-Drucker hinzukommen. In der additiven Fertigung liegen laut Faulhaber viele Vorteile - von der Konstruktion bis hin zum fertigen Produkt. "Zum einen profitieren wir von den einfachen Gestaltungsmöglichkeiten, die das Verfahren bietet, und zum anderen bietet die additive Fertigung eine günstige Herstellungsmethode, um Produkte vorab zu testen", erklärt Hubert Renner. Über den 3D-Druck ließen sich Produkte wirtschaftlich und gut entwickeln. "Der 3D-Druck ist eine Schlüsseltechnologie in der Produktionstechnik, um die Kleinserienfertigung in Zukunft am Leben und am hiesigen Markt zu halten."

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