13.09.2019

Abgestimmtes System aus Antriebs- und Steuerungstechnik

Plug&Play-Kombination für staudruckloses Fördern

Die Anwender von Automatisierungstechnik fordern zunehmend abgestimmte und einsatzbereite Lösungen. Deswegen bündeln die Unternehmen Rulmeca und Pepperl+Fuchs ihre Kompetenzen und bieten im Ergebnis fertig konfektionierte Antriebsrollen-Kits inklusive Ansteuermodul. Sie erlauben bei der Serienfertigung von staudrucklosen Stückgutförderern eine einfache Inbetriebnahme.

Autor: Andreas Flies


Die Rulmeca BL3 Antriebsrollen und Rollen sowie der Pepperl+Fuchs Controller für staudrucklose Fördertechnik sind aufeinander abgestimmt und werden aus einer Hand geliefert.
Bild: Pepperl+Fuchs

Üblicherweise erfolgt die Installation von Logistikanlage mit umfangreicher Fördertechnik komplett beim Kunden vor Ort. Dafür müssen mechanische und elektromechanische Komponenten aufgebaut, verkabelt, mit der Steuerung verbunden und abschließend in Betrieb genommen werden. Kleine Störungen im Arbeitsablauf können dann längere und kostenintensive Verzögerungen verursachen. Abhilfe soll ein neues Angebot schaffen, das Rulmeca und Pepperl+Fuchs als Plug&Play-Lösung anbieten: Fertig konfektionierte Kits mit Antriebsrollen, Rollen und Riemen inklusive den passenden Ansteuermodulen. AS-Interface- und ZPA-Module (Zero Pressure Accumulation) von Pepperl+Fuchs werden dabei mit den BL3-Antriebsrollen von Rulmeca kombiniert. Laut Rulmeca bietet das Set eine passende Ergänzung zu den anderen Komponenten, die das Unternehmen für die Auslegung von staudruckloser Fördertechnik anbietet.

Kombination für die Serienfertigung

Die im Kit enthaltenen G20-Motormodule von Pepperl+Fuchs wurden speziell auf die Ansteuerung der neuen BL3-Antriebsrollen von Rulmeca abgestimmt. Auch sind die Steckverbinder beider Systeme kompatibel gestaltet. Dadurch lassen sich Kabelsätze bereits in der Planungsphase bedarfsgerecht zusammenstellen, Kabel müssen in der Bauphase einfach nur noch gesteckt werden. Durch diese Möglichkeit zur Vorkonfektionierung können OEM und Anlagenbauer echte Plug&Play Kits für die Serienfertigung ihrer staudrucklosen Fördersegmente erhalten. "Mit der erweiterten Produktpalette können wir unseren Kunden leistungsfähige Lösungen liefern, die ohne übergeordnete Steuerung und ohne aufwendige Programmierung laufen", fasst Andreas Flies, Sales Manager Unit Handling bei Rulmeca, das neue Angebot zusammen. "Die Steuermodule versorgen jeweils zwei Zonen und sind variabel hinsichtlich Einstellung von Geschwindigkeiten sowie Anfahr- und Bremsrampen." Das alles wird übrigens in einer durchgängigen industrietauglichen IP54-Ausführung der BL3-Antriebsrollen, der Steuerungsmodule und aller Steckverbinder und Kabel geboten. Für besonders lange Förderbandsegmente sind auch Verlängerungskabel lieferbar.

Werkzeugloser Einbau

Damit die Serienfertigung sowie die Installation staudruckloser Rollenbahnen spürbar einfacher werden, lassen sich die neuen Kits autark und ohne übergeordnete Steuerung betreiben. "Anwendungsspezifische Einstellungen werden direkt am Modul über Drehschalter vorgenommen", erklärt Dr. Konrad Kern, Leiter Produktmanagement des Geschäftsfelds Systeme bei Pepperl+Fuchs. Auch sonst häufig auftretende Platzprobleme entfallen: Die kompakte Bauform des Systems erlaubt den platzsparenden und zudem werkzeuglosen Einbau direkt in das Profil des Fördersystems. Dafür sind alle benötigten Kabel bereits im Kit integriert. Das macht den Anschluss an die Motorrollen und Sensoren sowie die Verkabelung der Module untereinander besonders einfach. Die intelligenten Module arbeiten über Nachbarschaftserkennung und sind nach dem Anschluss sofort betriebsbereit.

Starke 24VDC-Motorrollen

Die BL3-Drive-Roller als dritte Rulmeca-Generation der 24VDC-Motorrollen für angetriebene Rollenbahnen sind sehr verschleißfest ausgelegt und decken im Vergleich zum Vorgängermodell einen mehr als doppelt so großen Geschwindigkeitsbereich (0,16 bis 1,25m/s) bei bis zu 40 Prozent mehr Drehmoment ab. Sie sind mit einem bürstenlosen Motor mit integrierter Kommutierungselektronik ausgestattet. Das Paket aus Elektronik, Motor und Getriebe ist in einem 50mm-Mantelrohr verbaut und kann in der Regel einen Rollenverband aus sechs bis 20 Rollen antreiben - kraftschlüssig über Rund- oder Poly-V-Riemen oder formschlüssig über Zahnriemen oder Ketten.

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Steuerung über AS-Interface

Pepperl+Fuchs hat das neue Angebot durch sein AS-Interface und das G20-Motormodul komplettiert. Das AS-Interface ist als I/O-System für die Fördertechnik bereits in zahlreichen Anwendungen vertreten. Über das G20-Modul zur Steuerung der DC-Motoren können bis zu acht Geschwindigkeiten eingestellt und umgeschaltet werden. Dadurch können präzise Anfahr- und Stopppositionen realisiert werden. Es lassen sich bis zu acht unterschiedliche Beschleunigungsrampen einstellen. Schlupf lässt sich - abhängig von Transportgut und Gewicht - vermeiden. Auch die Drehrichtung lässt sich kontrollieren und umschalten. Das soll die Flexibilität der Anlage erhöhen und den Wiederanlauf beschleunigen. Die segmentweise Zuordnung der BL3-Antriebsrollen erleichtert die Steuerung im Vergleich zu konventionellen Systemen, bei denen eine zentrale Steuerung gegebenenfalls noch individuell für die jeweilige Anwendung programmiert werden muss. Bei der Plug&Play-Förderlösung erfolgt die komplette, modulare Vorfertigung der Fördersegmentkomponenten ab Werk. Die elektrische Installation vor Ort beschränkt sich auf das Einlegen der Flachkabelleitungen in die G20-Module mit werkzeugloser Montage sowie den Anschluss von Lichtschranken und Antriebsrolle über einfache Kabelstecker. Diese Arbeit ist schnell zu erledigen und lässt sich auch ohne hochqualifizierte Montagemitarbeitern sicher durchführen. Nach dem Einschalten der Spannung ist das System automatisch betriebsbereit.

Staudrucklose Förderung

Prinzipiell gilt, dass eine staudrucklose Förderung beim Transport von zerbrechlichen Waren oder bei Einsätzen Vorteile bietet, die manuelle Arbeitsschritte erfordern - z.B. die Entnahme eines Trays aus einer Förderstrecke. Zudem dienen staudrucklose Förderer auch als Puffer, um nachgelagerte Prozesse passend auslasten zu können, da immer hinreichend Ware in der Staustrecke bevorratet werden kann. Die individuelle Taktung der Fördersysteme hält den zuvor definierten Abstand zwischen den Produkten oder Kartons zuverlässig ein und verhindert gleichzeitig, dass es durch ein mögliches Aufeinanderstoßen zu Beschädigungen kommt. Eingesetzt werden diese Systeme überwiegend für Verpackung, Lager, Kommissionierung und Warenversand sowie im Materialfluss der Produktion. Ein weiterer Vorteil der staudrucklosen Förderung ist die Energieeinsparung durch die gezielte Ansteuerung nur derjenigen Anlagenteile, die für den Weitertransport benötigt werden. Ohne Warenfluss stehen somit alle Anlagenbereich still in Warteposition.

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