02.07.2013

Serie Führung und Personalentwicklung

So vergraulen Sie neue Mitarbeiter im Handumdrehen

Wer neue Mitarbeiter beim Start in der Firma nur mit einem Handschlag begrüßt und sie dann sich selbst überlässt, riskiert deren schnellen Weggang. Arbeitgeber sollten deshalb den Einstieg neuer Kollegen mit einem 'Willkommensprogramm' begleiten.


Bild 1: Dr. Wolfgang Feige unterstützt als Personalexperte Top Job-Unternehmen bei der compamedia GmbH.
Bild: compamedia GmbH

Neulich sprach ich in einem Unternehmen mit einer Dame, die erst seit zwei Wochen in dieser Firma als Sachbearbeiterin arbeitete. Ich war sehr erstaunt über das, was ich auf meine Frage "Wie läuft's?" zu hören bekam. Hier einige Zitate:

"Ich habe heute mein erstes Projekt bekommen. Endlich! Ansonsten ist es momentan relativ mühsam, da ich wenig zu tun habe."

"Das ist echt krass, mein Chef ist eher ein weicher Typ, der keine klaren Ansagen macht, sondern immer nur um den heißen Brei herum redet. Außerdem bedankt er sich hundert Mal, dass ich eine Aufgabe übernehme. Dabei bin ich dafür doch da."

"Ich habe mich in den letzten Tagen selbst 'geonboardet', sprich: alles mit der IT geklärt, also die Erstellung eines Hausausweises, der Zutrittserlaubnis etc. Sonst wäre ich jetzt wohl immer noch ohne Zutritt."

Was ist passiert?

Eine neue Mitarbeiterin wird hier ziemlich alleine gelassen. Wenig ist für sie vorbereitet. Das führt dazu, dass sie sich nicht willkommen fühlt. Wieso hat man sie eingestellt, wenn doch anscheinend gar nicht so viel Arbeit vorhanden ist? Wie soll sie zeigen, dass sie was kann? Zudem fasst der Chef die neue Mitarbeiterin - im Vergleich zu den anderen Mitarbeitern - überfreundlich und mit Samthandschuhen an. Das ist sicher gut gemeint, aber in ihren Augen zeigt er ihr damit, dass sie noch nicht dazugehört. Dabei brauchen neue Mitarbeiter gerade in der Einstiegsphase eine klare Führung, die ihnen Sicherheit gibt, die ihnen die Aufgaben und Rahmenbedingungen erklärt und die somit eine Richtung vorgibt - kurz: eine Führung, die den Namen auch verdient. Die Forschung bestätigt das: Studien zeigen, dass viele neue Mitarbeiter eine 'Kündigungsvorentscheidung' bereits in den ersten vier Wochen der Betriebszugehörigkeit fällen. Allerdings kündigen sie nicht sofort, sondern oft erst nach einem Jahr, weil sie sich zunächst nicht eingestehen wollen, dass sie sich in ihrer Entscheidung getäuscht haben. Zudem haben sie ja noch keinen anderen Job. Und schließlich geben sie der neuen Firma einfach noch eine zweite Chance. Allerdings beobachten diese Mitarbeiter nun alle Handlungen der Firma aus diesem negativen Blickwinkel. Das führt auch dazu, dass sie in der Folge noch mehr negative Punkte sehen, die ins Bild passen. Die Folge ist ein 'Aufschaukeln' der negativen Empfindungen und eine Bestärkung der Kündigungsabsicht.

Strukturiertes Programm zur Einführung

Machen Sie sich als Führungskraft bitte Gedanken über ein strukturiertes Programm zur Einführung und Einarbeitung neuer Mitarbeiter: Was muss vor dem ersten Tag vorbereitet werden? Ist ein Einarbeitungsplan erstellt, damit der neue Mitarbeiter weiß, was auf ihn zukommt? Wer führt den neuen Mitarbeiter in formelle und auch informelle Regeln des Betriebes ein? Da die Integration von neuen Mitarbeitern für viele Abteilungen kein Tagesgeschäft ist, muss gerade hier Unterstützung durch eine allgemeine Checkliste vorhanden sein. Sonst wird vieles vergessen. Und das kann sehr teuer werden.

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