30.07.2013

Automation Start-up

In den letzten Jahren schwappt eine Gründerwelle durch die gesamte Republik und zieht nicht nur die Aufmerksamkeit von Wirtschaft, Investoren und Inkubatoren auf sich, sondern auch die der Politik. Ein positiver Nebeneffekt: Unternehmertum und Gründungskultur gehen mittlerweile täglich durch die Wirtschafts- und Fach-Medien. Die Gründung eines eigenen Unternehmens stellt auch für Ingenieure, die eine innovative, wettbewerbsfähige Idee oder schon einen Prototypen entwickelt haben, eine attraktive Alternative zu einer Beschäftigung im Konzern dar. Denn Start-ups entstehen über alle Hightech-Branchen hinweg und Unternehmertum ist in den verschiedensten Altersgruppen zu finden. Sowohl Absolventen, die frisch von der Uni kommen, oder Wissenschaftler, die aus der Hochschule ausgründen möchten, als auch gestandene Manager mit jahrelanger Berufserfahrung in Entwicklung und Konstruktion gehören zu den heutigen Unternehmensgründern.


Family Day 2013 - Familientreffen in Bonn

Der Family Day 2013 hat Ende Mai etwa 800 Start-up-Unternehmer, Investoren und Coaches aus dem In- und Ausland zusammengebracht. Networking, Pitches und Workshops sowie prominente Keynotes standen auf der Agenda. Bundeswirtschaftsminister Dr. Philipp Rösler eröffnete den traditionellen 'Seed-Club' am Abend des ersten Tages und unterstrich damit sein Engagement in der deutschen Gründerszene. Die prominenten Keynote-Speaker Carsten Maschmeyer, Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer und Karl-Erivan W. Haub von der Unternehmensgruppe Tengelmann gaben den jungen Unternehmern am 2. Tag in mitreißenden Reden wertvolle Tipps mit auf den Weg. In über 700 One-to-One-Meetings wurden Ideen und Know-how ausgetauscht.

Bild 1: Networking am 2. Tag des HTGF Family Days im Kameha Grand
Bild: High-Tech Gründerfonds Management GmbH

Neben der Analyse des Marktpotenzials, ist eine realistische Kostenaufstellung Basis eines jeden Businessplans. Der Kapitalbedarf für Unternehmen in der Automatisierungstechnik für Entwicklung und den Vertrieb innovativer Produkte ist erfahrungsgemäß höher als in anderen Industrien. Eine Finanzierung ist in der Regel in der frühen Phase, der Seedphase, nur mit Risikokapital oder aus eigenen Mitteln möglich. Risikokapitalgeber erhalten für die als Eigenkapital anrechenbare Mittel Anteile am jungen Unternehmen, die sie nach einigen Jahren wieder gewinnbringend veräußern möchten.

Gründungsfinanzierung in Deutschland top

Deutschland ist in Bezug auf Gründungsfinanzierung sehr gut aufgestellt. Die Öffentliche Hand hat auf Bundes- sowie Landesebene in verschiedenen Formen Möglichkeiten geschaffen. Die Exist-Programme z.B. bezuschussen universitäre Gründungen, eine Reihe von (Forschungs)-Förderprogrammen unterstützen anspruchsvolle Entwicklungsvorhaben mit nicht rückzahlbaren Zuschüssen. Der High-Tech Gründerfonds stellt als Leadinvestor Eigenkapital in der Gründungsphase zur Verfügung und der ERP-Startfonds der KfW ergänzt als Co-Investor die Mittel von privaten Beteiligungsgebern. Auf Länderebene finanzieren eine Reihe von Beteiligungsgesellschaften typischerweise als Co-Investor gemeinsam mit privaten Lead-Investoren risikoreiche Wachstumsunternehmen.

Finanzierungslücken schließen

Der High-Tech Gründerfonds ist in der Seedphase der größte Risikokapitalgeber in Deutschland. Er startete 2005 als Public-Private Partnership und hat zum Ziel, zur Schließung der Finanzierungslücke für neu gegründete Technologieunternehmen in Deutschland beizutragen. Investiert haben in den 272Mio.€ schweren Fonds I daher nicht nur der Bund über das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) und die KfW-Bankengruppe, sondern auch die Industrieunternehmen BASF, Deutsche Telekom, Siemens, Daimler, Robert Bosch und Carl Zeiss. Im November 2011 wurde der Fonds II ins Leben gerufen, der mit einem Volumen von 301,5Mio.€ das Konzept weiterführt. 17 namhafte Unternehmen aus Industrie und Wirtschaft, darunter Mittelständler wie große Konzernen, haben sich neben dem Bund und der KfW an diesem Fonds beteiligt. Für Fondsinvestoren und andere etablierte Unternehmen sind junge High-Tech Start-ups ein wesentlicher Zugang zu bahnbrechenden Innovationen und disruptiven Technologien. Über eine Beteiligung hat ein Konzern oder Mittelständler den Fuß in der Tür. Mit dem Einverständnis des Start-ups kann er nicht nur detaillierten Einblick in die Business-Pläne, das Geschäft und die Entwicklung des Unternehmens bekommen, sondern in der Zusammenarbeit mit den Gründern schon sehr früh eine tragfähige Beziehung zu diesen aufbauen. Eine Finanzbeteiligung kann dann durch verschiedene operative Kooperationen unterlegt werden. Das kann eine relevante Bedeutung für beide Seiten haben: Das junge Unternehmen profitiert beispielsweise von spezialisiertem Know-how, Zugang zu Vertriebskanälen oder dem Ruf und der Stabilität des großen Bruders. Umgekehrt kann ein etabliertes Unternehmen aus der Zusammenarbeit mit einem jungen Unternehmen Einblick in neue Technologien, Märkte und Geschäftsmodelle bekommen.

Netzwerke sind der Schlüssel zum Erfolg

Für Risikokapitalgeber ist das Vernetzen von Portfoliounternehmen mit Investoren und Industrieunternehmen ein wesentlicher Bestandteil, der über den langfristigen Erfolg eines Start-ups entscheidet. Der Zugang zu relevanten Netzwerken ist nicht nur ein unerlässlicher Wettbewerbsvorteil für die jungen Unternehmen, sondern auch im Fundraising für nächste Finanzierungsrunden oder für die Unterstützung in operativen Themen wie Einkauf, Logistik oder Qualitätsmanagement essenziell. Daher hat der High-Tech Gründerfonds ein nationales und zunehmend internationales Netz an Industriepartnern, Industrieinvestoren, Business Angels, Seedfonds, und Kooperationspartnern aufgebaut und erweitert dieses kontinuierlich. Um das Portfolio mit den entsprechenden Stakeholdern zusammen zu bringen, veranstaltet der Fonds verschiedene jährlich stattfindende Events mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Bei der High-Tech-Partnering Conference werden Beteiligungen des Fonds gezielt mit Industriepartnern vernetzt. Hier geht es um strategische Partnerschaften, die Anbahnung von Kunden-Lieferanten-Beziehungen, von Forschungs- und Entwicklungskooperationen oder auch von Investitionen der Industrie in die Technologieunternehmen. Gerade in technisch geprägten Gründungen ist die Nähe zur Industrie unerlässlich. Beim zweitägigen Family Day treffen Gründer aus dem Portfolio des Fonds auf Investoren, Multiplikatoren und weitere Partner.

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Beziehung als Basis

Dass diese Beziehungspflege funktioniert, beweisen die Zahlen. Seit Gründung hat der High-Tech Gründerfonds 312 Beteiligungen realisiert. Insgesamt konnten diese anfinanzierten Unternehmen bis dato rund 560Mio.€ von anderen Investoren in Anschlussfinanzierungen einwerben. Besonders Business Angels und auch ausländische Investoren haben im Jahr 2012 und im ersten Quartal 2013 zu erfolgreichen Anschlussrunden beigetragen. Ziel des Fonds II ist es, in weiteren sechs Jahren jährlich 40 bis 50 Unternehmen zu finanzieren. Dabei müssen die Teams noch nicht komplett sein, wenn die Technologie erfolgsversprechend ist. Der High-Tech Gründerfonds steht hier mithilfe einer professionellen HR-Datenbank und Kontakten zu erfolgreichen Headhuntern bei Managementergänzungen zur Verfügung. Auf diese Weise konnten in den letzten sieben Jahren mehr als 100 Teams vervollständigt oder ergänzt werden. Daneben stellt der Fonds den Unternehmen auf Wunsch einen Pool von akkreditierten Coaches zur Verfügung, auf den von über 50% der beteiligten Unternehmen zurückgegriffen wird.

Gründen lohnt sich

Die Betreuung der Teams steht beim High-Tech Gründerfonds an oberster Stelle. Jedem Team wird ein erfahrener Investmentmanager zur Seite gestellt, der vom ersten Kontakt an als Ansprechpartner zur Verfügung steht, berät, unterstützt und Kontakte herstellt. Das operative Geschäft obliegt jedoch ganz und gar den Managern des Unternehmens und deren Team. Zuhören, gegenseitiges Verständnis und Vertrauen sind die Voraussetzung für diese Partnerschaft auf Zeit. Mit seinem Engagement verbessert der Fonds die Rahmenbedingungen für chancenreiche Start-ups auch aus der Automatierungsbranche und leistet damit zudem einen volkswirtschaftlichen Beitrag. Fazit: Gründen lohnt sich für Ingenieure mit einer bahnbrechenden Innovation immer!

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