03.09.2013

Von der Weide auf den Tisch

Damit aus dem Rind auf der Weide irgendwann ein saftiges Steak werden kann, bedarf es eines umfangreichen Prozesses. Nur eine Handvoll Betriebe weltweit hat sich auf die Herstellung kompletter, automatisierter Schlachtlinien spezialisiert. Als Technologieführer gilt hier die hessische Firma Banss. Für die Fernwartung ihrer Anlagen setzt sie auf industrielle Fernwartungsrouter der Serie eWon von Wachendorff.

Autor: Oliver Prang, Wachendorff Prozesstechnik GmbH & Co. KG.


Bild 1: Banss gehört zu den Technologieführern der Branche. In Mekka hat das Unternehmen gerade einen riesigen Schlachthof in Rekordzeit gebaut.
Bild: Banss Schlacht- und Fördertechnik GmbH

Tier- und Verbraucherschutz nehmen einen immer höheren Stellenwert ein. Gerade die aktuellen Lebensmittelskandale sorgen dafür, dass viele Verbraucher wieder mehr Wert auf Qualität legen. Eine artgerechte Haltung der Tiere zu Lebzeiten ist dabei genau so wichtig wie die Einhaltung von Hygienestandards während des gesamten Schlachtprozesses und der anschließenden Zerlegung. Damit aus dem Rind auf der Weide irgendwann ein saftiges Steak werden kann, bedarf es eines umfangreichen Prozesses. Zunächst muss das Rind geschlachtet werden - möglichst sanft, ohne das Tier unnötig körperlich und psychisch zu belasten. In einzelnen Arbeitsschritten werden dann die Haut abgezogen, die Organe entnommen und das Rind am Ende so in Hälften oder Viertel gespalten, dass ein Zerlegebetrieb das Fleisch weiter verarbeiten kann. Untersuchungen durch Veterinäre sind fester Bestandteil des Prozesses wie die Kühlung des Fleisches nach der Verarbeitung.

Automatisierungsgrad steigt

All diese Arbeitsschritte wurden früher durch Schlachter von Hand ausgeführt. Heute verlangt der Markt nach immer effizienteren Methoden, sodass der Automatisierungsgrad in der Fleischproduktion stetig ansteigt. Hinzu kommt die Nachfrage nach internationalen Standards. Wenn Länder ihr Fleisch nach Europa oder in die USA exportieren wollen, dann sind bestimmte Hygiene- und Qualitätsvorgaben zu erfüllen. Mit kleinen Schlachtereien in Hinterhöfen ist das nicht zu stemmen - kontrollierte Prozesse müssen her, die sich nur mit leistungsfähiger Maschinentechnik realisieren lassen. So setzen immer mehr Fleischproduzenten auf moderne Linien, die von Reinigungsmöglichkeiten bis zu Kontrollfunktionen alle wichtigen Komponenten enthalten.

Ein besonderer Auftrag

Die hessische Firma Banss Schlacht- und Fördertechnik GmbH mit Sitz in Biedenkopf hat sich auf genau diese Linien spezialisiert. Vom letzten Weg des Tieres in die Betäubungsbox über die einzelnen Schritte der Schlachtung und die Fördertechnik zwischen den Stationen bis hin zum Kühlen der Hälften bietet Banss komplette, schlüsselfertige Anlagen für die Tiergattungen Rind, Schwein und Schaf an. "Eine besondere Nachfrage verzeichnen wir momentan aus Ländern, die bisher noch keine derart hohen Leistungs- und Hygienestandards aufweisen können", erklärt Marketingleiter Josef Pham. Ein ganz besonderer Auftrag ereilte das Unternehmen 2012. Das saudi-arabische Königshaus ließ in Mekka von Banss einen gigantischen Schlachthof errichten, in dem die rituelle Schlachtung, die die Pilger traditionell dort vornehmen, ausgeführt werden soll. Vier Linien wurden hier errichtet - bis zu 200 Rinder, Schafe oder Kamele sollen hier bei Bedarf pro Stunde geschlachtet und zerlegt werden können - nämlich einmal jährlich zur Hadj, wenn mehrere Millionen Pilger nach Mekka kommen. "Dadurch war auch der Zeithorizont klar: Zur Hadj musste der Schlachthof laufen - das bedeutete, dass wir nur die Hälfte der Zeit zur Verfügung hatten, die wir üblicherweise für so ein Projekt benötigen", erzählt Josef Pham stolz, denn alles lief planmäßig und war pünktlich fertig.

Bedeutung der Prozesssicherheit

Besonders wichtig ist bei solchen Mengen die Prozesssicherheit. Wenn die Tiere angeliefert werden, dann muss der Schlachtvorgang beginnen - sie dürfen kaum, weil vielleicht die Anlage ausgefallen ist, ohne Wasser und Futter längere Zeit auf dem Parkplatz am Schlachthof stehen bleiben. Auch während des Schlachtvorgangs ist Eile geboten. Nur eine grundlegende Prozesssicherheit gewährleistet einen wirtschaftlichen Betrieb der Anlage und eine optimale Verwertung der Fleischwaren. Folglich ist es in dieser Branche besonders wichtig, dass von der einzelnen Maschine bis zur Fördertechnik alles optimal und reibungslos läuft. Treten Störungen auf, muss unverzüglich reagiert werden, um nicht den Verlust der gesamten Ware zu riskieren. "Darum setzen wir konsequent auf Fernwartung", erklärt ein Mitarbeiter der Banss Elektrotechnik. "Treten Störungen auf, dann können wir sofort auf die Steuerung zugreifen, uns alle wichtigen Parameter anschauen und so den Fehler schnell eingrenzen", erklärt der Fachmann. Das ist besonders wichtig, weil Banss weltweit liefert und dadurch ein Techniker nicht so schnell vor Ort sein kann, wie es nötig wäre. Außerdem gibt es häufig Sprachbarrieren, wenn ein Bediener sich vom anderen Ende der Welt im hessischen Biedenkopf mit einem Problem meldet. Wenn dann durch einen Blick in die Anlagendaten der Fehler schnell gefunden werden kann, dann ist das für alle Seiten bares Geld wert. "Früher haben wir mit unterschiedlichen Fernwartungslösungen gearbeitet", laut Banss. Das Ergebnis ist ein Service-Raum, in dem gleich mehrere Computer stehen - für jedes System einer, denn die einzelnen Systeme blockieren sich zum Teil gegenseitig, sodass man sicherheitshalber für jedes Fernwartungstool einen eigenen PC nutzt. "Eine Software davon blockiert sogar alles - auf dem Rechner läuft dann neben dem Fernwartungstool gar kein anderes Programm mehr", erklärt Banss. Dass diese Vorgehensweise ebenso anstrengend wie unpraktisch ist, kann man sich vorstellen.

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Weltweit einsetzbar

Darum suchte man bei Banss ein System für alle Fälle: Weltweit einsetzbar, mit nur einer Oberfläche zu bedienen und auf jedem PC laufend - auch beim Servicetechniker zuhause, falls er am Wochenende Bereitschaftsdienst hat. Fündig wurde Banss bei Wachendorff. "Mit dem Fernwartungsrouter der Serie eWon Cosy im Zusammenspiel mit dem etablierten Cloud-Service Talk2M haben wir genau die passende Lösung gefunden, die wir gesucht haben", schildert Josef Pham, Elektrotechniker bei Banss. Der Router passt auf der Hutschiene neben die Steuerung und sorgt hier via Internet für die Verbindung der Anlage zum Serviceteam in Biedenkopf. Der sichere Open VPN-Tunnel verhindert unbefugten Zugriff von Außen. "Wir haben jetzt schon eine ganze Reihe von Anlagen mit eWon-Fernwartungsroutern ausgestattet und es läuft alles wunderbar einfach", berichtet Pham von seinen Erfahrungen. "Man ist bei Störungen sofort im Bilde - egal, wer gerade Dienst hat und welcher PC für den Internetzugang genutzt wird", erzählt er begeistert. So wird bei Banss nun jede neue Anlage mit einem eWon-Router ausgerüstet - und damit mit deutlich schnelleren Reaktionszeiten beim Service und echten Vorteilen für den Endkunden.

Im Detail: Fernwartungsrouter eWon Cosy

Der Fernwartungsrouter eWon Cosy 141 verfügt über einen Vier-Ethernet-Port-Switch für den Anschluss des Maschinen-LAN, einen WAN-Ethernet-Port für die Verbindung zum Internet über das lokale Firmennetzwerk und eine MPI- oder serielle Schnittstelle zum Anschluss der Steuerung. Das integrierte Gateway ermöglicht die Protokoll-Umsetzung von Ethernet auf seriell. Im Zusammenspiel mit dem Talk2M Cloud-Service bietet der Fernwartungsrouter einen sofortigen Internet-Fernzugriff, ohne die Komplexität von firmenspezifischen IT-Infrastrukturen berücksichtigen zu müssen. Der Fernwartungsrouter ist für die Wartung vieler SPS-Marken ausgelegt. Zahlreiche Funktionen vermitteln dem Anwender das Gefühl, als ob er neben der Maschine oder Anlage stehen würde. Beispiele hierfür sind das Programmier- und Setup-Tool und die transparente Kommunikation mit den meisten seriellen oder auf Ethernet basierenden Steuerungen (Modbus RTU-TCP, DF1-Unitelway, Fins Hostlink-Fins TCP, MPI / PPI / Profibus-ISOTCP). Die eWon-Geräteserie ist komplett über ein Webinterface konfigurierbar. Es wird lediglich über einen Webbrowser auf das Gerät zugegriffen und darüber die Konfiguration vorgenommen. Somit ist die Konfiguration des Gerätes browser- und betriebssystemunabhängig. Das Webinterface leitet den Benutzer durch einfache Assistenten hin zur Inbetriebnahme innerhalb weniger Minuten. Die in den Routern verwendeten VPN-Sicherheitsmodi nutzen SSL/TLS für die Sitzungsauthentifizierung und das IPSec-ESP Protokoll für den gesicherten Tunnel-Transport über UDP. Unterstützt werden X509 PKI (Public Key Infrastructure) für die Sitzungsauthentifizierung, das TLS Protokoll für den 'Schlüssel-Austausch', die Cipher-Independent EVP-Schnittstelle (DES, 3DES, AES, BF) für die verschlüsselte Tunnel- Verbindung und der HMAC-SHA1Algorithmus für die getunnelten Daten.

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