01.10.2013

Azubi-Auswahl nach Kompetenzen statt nach Zeugnisnoten

Auch wenn die Bewerberzahlen für betriebliche Ausbildungen sinken, ist für viele Unternehmen die Vorauswahl von Kandidaten nach wie vor unverzichtbar. Da Schulzeugnisse jedoch oft wenig aussagekräftig für den späteren Erfolg bei der betrieblichen Ausbildung sind, wie aus einer Studie der Ruhr-Universität Bochum hervorgeht, stellt sich die Frage nach alternativen Auswahlkriterien.

Autor: Dr. Christian Montel, eligo GmbH.


Mehr denn je ist die Auswahl der zukünftigen Auszubildenden und Mitarbeiter eine unternehmensstrategische Aufgabe. Umso wichtiger ist es für Firmen, bei der Vorauswahl nur möglichst (wenige) gute und zum Unternehmen und der angestrebten Ausbildung passende Bewerber zum Vorstellungsgespräch einzuladen. Die Herausforderung: Selbst gute Noten sagen nur wenig über die Qualitäten eines Bewerbers im Berufsleben aus.

Schulnoten allein nicht aussagekräftig genug

Im Gegensatz zu berufserfahrenen Bewerbern, die bereits anhand der vorherigen beruflichen Stationen als passend bzw. weniger passend eingestuft werden können, sind Unternehmen bei Schulabgängern vielfach auf Abschlussnoten als einziges, aber problematisches Kriterium angewiesen. Dr. Christian Montel, Geschäftsführer der eligo GmbH, kennt die daraus resultierenden Probleme aus seiner Beratungspraxis: "Es ist nicht immer einfach, anhand von Schulnoten das Potenzial von Bewerberinnen und Bewerbern zu vergleichen - kaum jemand bestreitet seit Studien wie PISA ernsthaft, dass sich nicht nur Lehrpläne von Bundesland zu Bundesland, sondern auch deren Ausgestaltung an der jeweiligen Schule und nicht zuletzt die Bewertungspraxis einzelner Lehrer substanziell unterscheiden. Potenzialaussagen sind damit schwierig - die Vier in Mathematik kann daran liegen, dass der Bewerber nicht rechnen kann, aber es gibt erstaunlich viele Beispiele, in denen solche Menschen im Job aufblühen und hervorragende Leistungen zeigen. Hier sieht man dann, welche Rolle die konkrete Schwerpunktsetzung in der Stoffwahl, die gefühlte Irrelevanz bestimmter Inhalte oder auch eine schlichte Antipathie zum Lehrer spielen können."

Schulabschlussnoten werden überschätzt

Die Studienergebnisse der Ruhr-Uni Bochum legen nahe, dass die Schulnoten kaum Hinweise auf die 'Passung' des Bewerbers und seine zu erwartbaren Ausbildungserfolge geben. Grundlage der Studie sind die von der Ruhr-Universität Bochum ausgewerteten aktuellen Daten vom Bundesinstitut für Betriebliche Bildung (BIBB). Dabei wurden die Schul- und Ausbildungsnoten von 1277 Personen erhoben und analysiert. Untersucht wurde vor allem, inwiefern Schulnoten mit dem Ausbildungserfolg korrelieren. Auch wenn Schulabschlussnoten in einem gewissen Zusammenhang mit den späteren Leistungen in der Ausbildung stehen, werden sie oft überschätzt, so die Studie. Weniger als die Hälfte (46,6%) der Personen haben in der Ausbildungs-Abschlussprüfung die gleiche Note wie beim Schulabschluss erreicht.

Eignungstests bieten einheitliche Messlatte

Die Vorauswahl von Azubis ausschließlich nach Schulnoten und ohne Berücksichtigung der Schulform ist damit problematisch, da auf diese Weise ein beträchtlicher Teil fähiger und für die Ausbildung gut geeigneter Kandidaten zu früh ausgesiebt wird bzw. vermeintlich fähige Bewerber erst spät als 'unpassend' erkannt werden. Dr. Montel dazu: "Viele große Unternehmen haben noch vor einigen Jahren absolut solide Eignungstests eingesetzt, die vor Ort im Papier-und-Bleistift-Format vorgegeben wurden. Die in diesen Tests erzielten Ergebnisse boten eine einheitliche Messlatte, an der Eignung und Potenzial der Bewerberinnen und Bewerber verlässlich eingeschätzt werden können. Seit man so etwas online vorgeben kann, sind Kosten und Aufwand pro untersuchter Person deutlich gesunken. So können auch kleinere Unternehmen diesen Wettbewerbsvorteil nutzen, und dabei treffsicherer nach denjenigen Fähigkeiten auswählen, die für den konkreten Job erfolgskritisch sind. Letztlich verringert sich so die Gefahr, Personen zu verlieren, die zwar hohes Potenzial für den Job, aber keine Bestnoten in der Schule haben - da sie den 'Umweg' über Schulnoten einsparen und mehr Personen eine Chance geben können, stellen sie die Eignung im Endeffekt effizienter fest."

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