02.04.2014

Elektromechanik Namur-konform

Explosive Atmosphären, Vermeidung von Anlagen-Stillständen, Kostenminimierung bei gleichzeitiger Erhöhung des Outputs - die Verfahrenstechnik kennt viele Herausforderungen. Bei all dem steht die Sicherheit der Anlage an oberster Stelle. Mit der Push-in-Anschlusstechnik - die der Typprüfung nach NE 95 unterzogen wurde - erhöhen Anlagenplaner und -betreiber jetzt die Verfügbarkeit und Langlebigkeit der Anlage.

Autor: Carsten Lückheide, Phoenix Contact Deutschland GmbH.


Bei der sorgfältigen Anlagenplanung spielt die Auswahl geeigneter Produkte eine wichtige Rolle. Aber wodurch unterscheiden sich qualitativ hochwertige und langlebige Komponenten von denen, die zwar auf den ersten Blick günstig erscheinen, die aber auf lange Sicht verlieren? In Anbetracht der stark gestiegenen Konkurrenz aus Fernost ist die Technologie-Führerschaft für hiesige Anbieter keine Selbstverständlichkeit, und mit dem Prädikat 'Deutsche Wertarbeit' allein halten viele Produkte dem Wettbewerbsdruck aus Fernost nicht stand. Gerade bei internationalen Projekten über mehrere Standorte sollte auf einen hohen Qualitätsstandard als Garant für die Verfügbarkeit einer prozesstechnischen Anlage geachtet werden. Damit sich Anlagenplaner und -betreiber in diesem Dickicht von Produkten und deren Anbietern zurecht finden, bietet - neben internationalen Ex- und anderen Zulassungspaketen - vor allem die Namur als internationaler Verband der Anwender von Automatisierungstechnik der Prozess-Industrie eine wertvolle Hilfestellung zur Auswahl geeigneter Komponenten. In der Kurzfassung der Namur-Empfehlung Nr. 95 - kurz NE 95 - vom 22.01.2013 heißt es: "Der Schwerpunkt der Geräteprüfung liegt auf der Ermittlung der betrieblichen Einsatztauglichkeit. Unter diesem Gesichtspunkt gibt diese Empfehlung einen Leitfaden für die Überprüfung der wichtigsten Kenndaten aus Anwendersicht. Daher werden nicht alle Prüfnormen herangezogen, sondern aus Gründen der Wirtschaftlichkeit eine dem Zweck entsprechende Auswahl." Anschließend listet die Namur auf ihrer Internet-Seite fünf Bestandteile der Typprüfung auf:

  • • Geräteuntersuchung
  • • Instandsetzungsbegutachtung
  • • Montagebegutachtung
  • • Ex-Begutachtung
  • • Prüfung der Gerätedokumentation

Mit ihren Empfehlungen zur Eignung von Komponenten für die Prozess- und Verfahrenstechnik spielt die NE 95 eine wichtige Rolle bei der Auswahl geeigneter Produkte durch die Anlagenplaner- und -betreiber. Das beginnt schon bei der Wahl der geeigneten elektrischen Anschlusstechnik. Hier kommt es darauf an, Schäden durch Alterung und Korrosion an der Leiterklemmstelle zu vermeiden, um die Verfügbarkeit der I/O-Signale und somit der gesamten Anlage zu erhöhen.

Grundstein für elektromechanische Prüfungen

Mit der Push-in-Anschlusstechnik - kurz auch PT genannt - bietet sich hier eine interessante und maßgeschneiderte Lösung. Die Push-in-Technik wurde gemäß der NE 95 geprüft - sie erfüllt alle Anforderungen für die Verwendung der Prozess- und Verfahrenstechnischen Industrie. Außerdem legt die Push-in-Technik einen Grundstein auch für elektromechanische Prüfungen nach NE 95 für passive Bauteile. Damit existiert nun - im Hinblick auf Qualität und Langlebigkeit - ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal gegenüber Produkten von Kopisten und Bil-liganbietern. Die PT-Anschlusstechnik arbeitet nach dem Druckfederprinzip - die Kontaktfeder drückt den Leiter gegen die stromführende Kupferschiene. Die besondere Federkontur ermöglicht eine direkte werkzeuglose Verdrahtung starrer und flexibler Leiter, die mit Aderendhülse oder verdichteten Leiterenden vorkonfektioniert sind. Beim Einführen des Leiters in die Klemmstelle öffnet die Feder dann selbsttätig. Besonders vorteilhaft ist die werkzeuglose Verdrahtung bei beengten Platzverhältnissen oder schwer zugänglichen Stellen. Die Bedienung erfolgt einhändig und ohne Werkzeug: der Leiter wird gegriffen und eingesteckt, wodurch sich Verdrahtungszeiten und Arbeitsermüdung gerade bei hohen Signalzahlen deutlich reduzieren. Vergleichbare Produkte am Markt lassen sich annähernd praxisgerecht nur mit starren Leitern im Nennquerschnitt direkt stecken.

Keine direkte Berührung zwischen Werkzeug und spannungsführenden Teilen

Gelöst wird der Leiter durch Betätigung des integrierten Drückerelementes. Dessen Oberfläche ist so beschaffen, dass die Betätigung mit jedem Schraubendreher beliebiger Antriebe erfolgt. Spezialwerkzeug ist nicht erforderlich - schon der Druck einer Kugelschreibermine entriegelt den Leiter. Feinadrige Leiter ohne Vorkonfektionierung werden ebenfalls durch Betätigung des Drückerelementes verdrahtet. Der signalfarbene Drücker identifiziert die PT-Klemmstelle eindeutig. Bedienbereich und Leitereinführung sind klar voneinander abgegrenzt, und der Anwender findet je Klemmstelle nur eine einzige Position für die Leitereinführung. Als Vorteil für die Sicherheit erweist sich die vollisolierte Bedienung. Das Arbeiten unter Spannung widerspricht zwar den Normen und Unfallverhütungs-Vorschriften - kommt aber leider vor. Auch Mess- und Prüfvorgänge sowie Nachverdrahtungen während des laufenden Betriebs sind in der Praxis keine Seltenheit. Das PT-Drückerelement ermöglicht einen sicheren Berührschutz und trennt die innen liegenden Kontaktelemente vom Bedienwerkzeug über den Isolierwerkstoff. Eine direkte Berührung zwischen Werkzeug und spannungsführenden Teilen wird somit ausgeschlossen. Neben diesen Vorteilen zählt für die PT-Anwender ein weiteres Argument: Die Push-in-Anschlusstechnik wurde durch eine konsequente Produktpolitik in zahlreiche weitere Produktgruppen integriert - neben den Reihenklemmen handelt sich hier vom allem um Relais, Trenner, Steuerungen und Überspannungsschutz-Geräte.

Fazit

Anlagenplaner und -betreiber profitieren mehrfach von der durchgängigen Produktpolitik der PT-Anschlusstechnik. Hoher Verdrahtungskomfort und gute Ergonomie verkürzen die Zeiten für Installation, Migration und Wartung. Das hochwertige Kontaktsystem mit integriertem Drückerelement schließt Verdrahtungsfehler aus. Durch die Erfüllung der Norm NE 95 in Kombination mit internationalen Zulassungen setzt man so einen Grundstein bei der Namur im Bereich der Elektromechanik.

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