03.09.2014

Block feiert 75 Jahre Zukunft.Interview mit Wolfgang Reichelt

"Wir leben die Zukunft!"

Block feiert sein 75-jähriges Bestehen. Das Unternehmen hat sich seit vielen Jahren einen Namen als Hersteller von Transformatoren, industriellen Stromversorgungen, Drosseln und EMV-Filtern gemacht. Inhaber Wolfgang Reichelt blickt angesichts des Jubiläums allerdings viel lieber nach vorne als zurück. Das SPS-MAGAZIN hat sich nach den heutigen Aktivitäten und den künftigen Plänen erkundigt.


Zur Person:

Wolfgang Reichelt ist gelernter Handwerksmeister und studierter Ingenieur. Er sitzt seit Jahren im Vorstand ZVEI und ist Leiter des Fachverbands Transformatoren und der Landesstelle Niedersachsen-Bremen. Zudem ist Reichelt in der Normung aktiv: In Deutschland als Obmann von K323 und bei der IEC als Sekretär von TC 96. Weiterhin ist er Präsident eines regionalen Unternehmensverbandes und Mitglied des Ausstellerbeirats der Hannover Messe.

Bild: Block Transformatoren GmbH & Co.

Herr Reichelt, 2014 ist das Unternehmen Block 75 Jahre alt geworden. Wie begehen Sie dieses Jubiläum?

Reichelt: Wir wollen gar nicht so sehr über unsere Historie reden. Das ist sicherlich unser Fundament, aber wir schauen immer voraus. Wir sind die Nummer eins im Markt und arbeiten mit den großen Unternehmen der Branche - z.B. mit Siemens oder Rockwell - eng zusammen. Und doch sind wir in einigen Bereichen kaum bekannt. Deshalb wollen wir das Jubiläum vor allem als Aufhänger nehmen, um uns selbst mehr ins Scheinwerferlicht zu rücken und bekannt zu machen.

Blickt man in die Historie von Block, so hat das Unternehmen richtig Fahrt aufgenommen, als Sie 1971 Inhaber der Firma wurden.

Reichelt: Ja, damals war Block ein Handwerksbetrieb und hat Fernseher repariert oder Antennen gebaut. Dort habe ich auch meinen Handwerksmeister für Radio- und Fernsehtechnik gemacht. Anschließend habe ich einige Jahre bei Telefunken in der Grundlagenforschung gearbeitet und bei Nordmende u.a. den ersten Stereodecoder für Kofferradios entwickelt. Im Jahr 1970 habe ich dann meine ehemalige Lehrfirma übernommen und zu Jahresbeginn 1971 dort angefangen. Nach zwei Jahren haben wir schon die erste Halle gebaut und seitdem ist es kontinuierlich über gut 40 Jahre nach oben gegangen. Inzwischen haben wir ein zweites Werk, nur fünf Autominuten von hier, in dem die neue Kernfertigung untergebracht ist. Mit den Mitarbeitern dort beschäftigen wir mittlerweile über 700 Menschen.

Und wie sieht es international aus?

Reichelt: Wir haben heute elf Firmen unter einer Holding zusammengefasst. Unter anderem haben wir ein Büro in Shanghai, weil wir auch dort einkaufen und mit Partnern produzieren. Der nächste Schritt ist eine eigene Produktion in den USA, den wir noch in diesem Jahr umsetzen wollen. Dort sind wir bereits seit über zehn Jahren aktiv und haben viele gute Kunden.

Was macht Ihr Unternehmen denn so besonders?

Reichelt: Als erstes ist hier der Aufwand und die Ausrüstung unserer Entwicklung zu nennen. Wir unterhalten z.B. ein akkreditiertes EMV-Labor, stellen mit einer eigenen Anlage Pulverkerne her und besitzen ein Röntgengerät, mit dem wir neue Einblicke und Erkenntnisse sammeln. Mein Traum aber war immer eine eigene Grundlagenforschung, und die gibt es heute tatsächlich.

Echte Grundlagenforschung setzt ja einen großen F&E-Etat voraus.

Reichelt: Den haben wir: Allein in der Entwicklung beschäftigen wir weit über 50 Ingenieure. In der Grundlagenforschung und deren eigenem Labor arbeiten vier feste Mitarbeiter, einige promovieren parallel, sowie einige Studenten. Zudem arbeiten wir eng mit zahlreichen Hochschulen zusammen.

Ist dieser Aufwand denn wirklich nötig und rechnet er sich?

Reichelt: Wenn man unser Portfolio anschaut, kommen viele Forschungsfelder auf: EMV, Energieeffizienz, neue Materialien, die Ökodesign-Richtlinie, Embedded System Design usw. Diese Themen besetzen wir allesamt. Schließlich arbeiten wir auch mit fast allen Herstellern von Frequenzumrichtern zusammen und müssen schon heute in etwa wissen, was diese in den nächsten Jahren benötigen. Auch der ZVEI erstellt regelmäßig eine Roadmap, mit den zukünftigen Anforderungen an Leistungshalbleiter. Auf diese Fragen versuchen wir heute schon Antworten zu geben, um zum richtigen Zeitpunkt mit den richtigen Produkten auf dem Markt zu sein. Und unsere Kunden wissen, dass sie sich auf unsere innovativen Produkte verlassen können.

Und was zeichnet Block abseits der Entwicklung aus?

Reichelt: Es gibt einige weitere sehr wichtige Punkte: Zum Beispiel bleibt all das Geld, das wir verdienen, im Unternehmen. So investieren wir stets stark in unsere hochmoderne Fertigung: in den hauseigenen Werkzeugbau, in die Kunststoffspritzerei oder in unsere Vakuumdruckimprägnierung. Zudem zeichnet uns eine enorme Fertigungstiefe aus. Entsprechend ist unser Umsatz pro Mitarbeiter auch nicht so hoch wie in manch anderem Unternehmen. Mit gut 700 Mitarbeitern erwirtschaften wir rund 70Mio.E Umsatz. Dafür haben wir fast alle Schlüsseltechnologien im eigenen Haus. Viele große Firmen beschränken sich auf ihre Kernkompetenz. Dann brauchen sie einen Partner wie uns, der ihnen abseits davon ein fertiges Produkt mit Gehäuse und internationale Zulassungen wie VDE, UL und CCC bieten kann. Ein weiterer Punkt liegt in unseren Träumen über neue Produkte in der Zukunft. Diese Neugierde, diese Suche nach neuen Lösungen, ist unser Innovationstreiber. Dabei konzentrieren wir uns neben der Grundlagenforschung vor allem auf die Anforderungen unserer Kunden.

Im Rahmen Ihrer Tätigkeiten im ZVEI haben Sie bei der Gründung von ZVEI Europe Electro in Peking maßgeblich mitgewirkt. Was sind die Ziele Ihrer Aktivitäten dort?

Reichelt: Kurz gesagt: Wir versuchen, die IEC in die chinesische Normung zu bekommen. Aber das ist sehr schwierig. Was ich aber, vor allem in meiner Funktion als Sekretär des IEC-Normenkomitees erreichen will, ist, dass die VDE-Prüfstelle das UL-Prüfzeichen vergeben kann und auch umgekehrt. Das würde eine Menge Kosten sparen.

Wie spiegelt sich das in Ihrem Geschäft wider?

Reichelt: Wir haben einen weltumfassenden Vertrieb mit insgesamt 38 Standorten, und die berichten natürlich permanent. Als wir die Rezession vor drei Jahren hatten - bei der wir zwar 29% Umsatzeinbußen hinnehmen mussten, aber niemanden entlassen haben, habe ich mich mit Prof. Hüter vom Institut für Wirtschaft in Köln unterhalten und ihn gefragt, wann der Tiefpunkt erreicht sei? Er antwortete, ich wisse das viel besser als er. Heute können wir das in der Tat gut einschätzen: Sobald irgendwo große Aufträge anlaufen, z.B. im Eisenbahngeschäft, können wir das an unseren Anfragen ablesen. Weil wir eben in allen wichtigen Marktsegmenten zu Hause sind.

Sie wollen also stets nah am Geschehen sein?

Reichelt: So ist es. Im ZVEI habe ich dafür Sorge getragen, dass wir in Brüssel mit sechs Mitarbeitern richtig aufgestellt sind. Das waren vormals nur ein oder zwei. So bekomme ich jede Woche von der niedersächsischen Landesvertretung in Brüssel Bescheid, was zur Zeit läuft - aktuell geht es gerade wieder um die Öko-Design-Richtlinie.

Diese Richtlinie betrifft ja vor allem den Bereich der Motoren. Gibt es bei den Transformatoren etwas ähnliches?

Reichelt: Heute soll alles über Frequenzumrichter laufen, und wir liefern als einer der führenden Hersteller die Filter dafür. Mit Leistungen bis knapp 1MW können wir meines Wissens sogar die größten Filter bauen.

Das Thema Filter ist ebenfalls ein wichtiges Betätigungsfeld für Ihr Unternehmen. Wie sieht hier Ihr Geschäftsmodell aus?

Reichelt: Als Partner arbeiten wir mit allen großen Herstellern in allen Teilen der Welt sehr eng zusammen - auch im Bereich der Filtertechnik. Und weil die großen nicht alles selbst machen, brauchen sie uns auch für die Zukunft. Gerade haben wir einen großen Auftrag aus Hong Kong erhalten, weil dort das Thema Netzqualität mittlerweile gravierend ist. Wir bieten dann spezielle Filter, die optimal für diese Verhältnisse ausgelegt sind.

Welche Rolle spielt der Maschinenbau für Ihr Unternehmen und Ihr Selbstverständnis?

Reichelt: Wir stellen sehr hochwertige, primär getaktete Netzteile her. Aber der wichtigere Bereich, in dem wir Marktführer sind, ist elektronische Absicherung. Diese Einrichtungen lassen sich in das Bussystem integrieren, sinnvoll an- und abschalten sowie überwachen.

Das bedeutet, Sie verstehen sie als Bestandteil der Automatisierung?

Reichelt: Ja - gerade im Hinblick auf Industrie 4.0. Wie sieht das in Zukunft aus? Was braucht der Markt, um diese Vision umsetzen zu können? Das ist ein hochinteressantes Thema: Die smarte Produktion, Smartgrids, E-Mobilität - das spielt auch im Bereich der Normung eine große Rolle und dort sind wir ja sehr aktiv. Zudem verfolgen wir das Thema Gleichspannung, weil wir es für die Zukunft in den Häusern sehen.

Hatte Edison am Ende doch recht? Ist die Gleichstromversorgung im Haus doch die überlegene Technologie?

Reichelt: Das ist eine gute Frage. Für die Antriebstechnik war die dreiphasige Wechselspannung natürlich großartig. Mithilfe der Frequenzumrichter können wir heute zweiphasige Spannung wieder dreiphasig machen und Drehmoment sowie Geschwindigkeit nach Bedarf anpassen. Das ist schon faszinierend, muss ich sagen.

Zurück zum Jubiläum 75 Jahre Block: Gibt es dafür ein Motto?

Reichelt: Wir leben die Zukunft! 75 Jahre ist natürlich eine große Zahl, doch das, was wir heute sind, haben wir erst vor 40 Jahren begonnen. Aber selbst 40 Jahre sind eine lange Zeit. Und obwohl ich pro Woche zwei, drei Briefe bekomme, in denen jemand die Firma Block kaufen will, sind wir immer noch als mittelständisches Unternehmen existent. Wir haben eine hohe Eigenkapitalquote und sind finanziell gut aufgestellt, weil alles im Unternehmen bleibt. Das vielleicht allerwichtigste: Wir haben großartige Mitarbeiter. Viele haben hier gelernt, viele in der zweiten Generation schon. Viele sind schon 20, 30 oder 40 Jahre hier.

Man kann natürlich nicht 75 Jahre in die Zukunft orakeln. Aber, was Sie sich für die nächsten zehn Jahre vornehmen, das würde mich interessieren.

Reichelt: Details verrate ich Ihnen nicht. Aber ich sehe die nächste Halle mit 4.000m2 vor mir und weiß jetzt schon genau, was darin passieren wird. Ich weiß genau, dass wir hinsichtlich Leistung und Effizienz neue Produkte brauchen, die ganz andere Möglichkeiten bieten. Diese entwickeln wir bereits und in fünf Jahren sollen sie weitestgehend umgesetzt sein. Mehr darf ich Ihnen nicht erzählen.

Block ist also für die Zukunft gerüstet?

Reichelt: Ja, schließlich gibt es so ein Unternehmen wie Block nicht zweimal. Wir sind horizontal aufgestellt und in allen Branchen auf der ganzen Welt zu Hause. Wir sprechen mit den großen Marktteilnehmern über Materialien genauso wie über die Technik. Wir müssen wissen, was in der Welt passiert, um dann mit unseren Partnern gemeinsam eine Lösung für die Zukunft zu finden. n

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