03.09.2014

Serie 'Einstieg in das TIA Portal' (Teil 3 von 8)

Umstiegsszenarien - Schritt für Schritt ins TIA Portal wechseln

Das neue Engineering Framework erweitert die Möglichkeiten von Tools, die vielen Anwendern bereits vertraut sind. Der dritte Teil der Serie zeigt auf, wie der Umstieg unkompliziert vonstatten geht. Ein vorhandenes Projekt kann entweder Schritt für Schritt oder im Ganzen übernommen werden, wobei bekannte Steuerungs-Hardware bleibt. Nach Umstieg auf neue Hardware eröffnet sich weiteres Potenzial.

Autoren: Rihab Ehm, Siemens AG;
Andreas Czech, Siemens AG.


Bild 2: Bereits vorhandene Programmteile können weiterverwendet werden, hier aus einer SCL-Quelle.
Bild: Siemens AG

Gegenüber dem Engineering mit Einzel-Tools können mit dem TIA Portal erhebliche Einsparungen erzielt werden - wobei Funktionalität und Performance weiterhin wachsen werden. Doch der Wechsel ist für viele Entwicklungsabteilungen ein heißes Thema. Dabei ist der Ein- oder Umstieg auf dieses Engineering Framework einfach und schrittweise möglich. Anders als bei einem kompletten oder abrupten Wechsel der Programmierplattform sind die Projektrisiken darum recht gering. Das gemeinsame und einheitliche Engineering von HMI, Controller, Antrieben und auch Motion Control unter dem Dach von TIA Portal ermöglicht eine nahtlose Integration aller Automatisierungskomponenten: Eine gemeinsame Datenbasis mit der automatischen und systemweiten Nachführung von Änderungen schafft hohe Projektkonsistenz. Diese Durchgängigkeit entfaltet zusammen mit den weiteren systemübergreifenden Eigenschaften wie dem Bibliothekskonzept oder den einheitlichen Diagnoseanzeigen auf allen Geräten erst ihre volle, Zeit, Aufwand und letztendlich kostensparende Wirkung. Außerdem wird die Funktionalität der Automation unabhängiger von der gewählten Hardware, was einen erheblichen Zuwachs an Zukunfts- und Investitionssicherheit bedeutet. So können im TIA Portal neben der Simatic S7-1200 auch die in der Fabrikautomatisierung weit verbreiteten Controller der Reihen Simatic S7-300 und S7-400 effizienter als bisher projektiert und programmiert werden. Das gilt bereits seit Version 11 und ganz generell für ab Oktober 2007 bestellbare Hardware. Mit der Version 12 wurde dann die neue Controller-Generation Simatic S7-1500 eingeführt. Diese ist wie die Simatic S7-1200 speziell für das Engineering im TIA Portal konzipiert und wird nach einer angemessenen Zeit der gemeinsamen Verfügbarkeit die bisherigen Steuerungssysteme ablösen. Mit der aktuellen TIA-Portal-Version 13 sind u.a. leistungsstärkere Simatic-S7-1500-Controller, neue fehlersichere CPUs sowie weitere Peripheriebaugruppen aus dem Spektrum von Simatic ET 200SP und ET 200MP hinzugekommen. Ab sofort lassen sich alle Automatisierungsaufgaben im Umfeld der Fertigung mit dem zur Verfügung stehenden Simatic-S7-1500-Portfolio und dem TIA Portal Engineering realisieren.

Auf bewährter Basis

Für den Wechsel in das TIA Portal Engineering gibt es mehrere einfache Möglichkeiten:

  • • Konsistente reine Simatic-S7-300- oder S7-400-Projekte sowie integrierte Projekte mit HMI können im TIA Portal ausgewählt und automatisiert ins neue Format umgesetzt werden - entweder mit einem eigenständigen Migrations-Tool oder komfortabel via Wizard. Das gilt für Projekte ab Simatic Step7 Professional 2010 und Step7 ab V5.4 Service Pack 5. Integrierte (Teil-) Projekte können dabei z.B. nach Steuerungs- und HMI-Teil aufgetrennt und diese Teile für sich migriert werden. Dabei wird die bestehende Hardware-Konfiguration zunächst unverändert übernommen. Sie kann bei Bedarf anschließend geändert oder erweitert werden.
  • • Soll lediglich ein S7-Programm umgesetzt werden, legt das TIA Portal zunächst eine unspezifizierte Steuerung an, die der Anwender später durch geeignete Hardware aus dem unterstützten Fundus ersetzt.
  • • Fehlersichere Projekte mit S7 Distributed Safety lassen sich einfach auf Step7 Safety Advanced umsetzen. Dabei bleiben Programmstruktur und Gesamtsignatur erhalten. Das migrierte Projekt muss nicht neu abgenommen, sondern kann ohne erneute Übersetzung in eine geeignete F-CPU geladen werden.
  • • In AWL und SCL erstellte Teile eines Projekts lassen sich auch selektiv als Quellen (Bild 2) in das TIA Portal im- und exportieren. So können auch einzelne Funktionen einfach übertragen werden. Das darin enthaltene spezifische Know-how bleibt weiter nutzbar.

Kompletter Umstieg

Für maximale Investitionssicherheit empfiehlt sich bei Neuentwicklungen und umfangreicheren Erweiterungen bestehender Anlagen der Einsatz der jüngsten Steuerungsgeneration, also von CPUs der Reihe Simatic S7-1500 und S7-1200. Alternativ zu einer Neuprojektierung kann auch dabei auf bestehende Programmteile aufgesetzt werden. Auch bei dieser steuerungsseitigen Umstellung kann der Anwender im TIA Portal die bewährten Lösungen weiterhin nutzen. Die besten Voraussetzungen für den vollen Performance- und Effizienzgewinn bringt jedoch Umstieg auf neueste Hard- und Software. Auch dies ist Schritt für Schritt oder aber komplett möglich. Dazu wird im TIA Portal die bestehende S7-Station ausgewählt und die Umstellung auf die Steuerungsreihe S7-1500 gestartet (Bild 1). Im sich öffnenden Wizard kann eine passende Simatic-S7-1500-CPU ausgewählt werden. Nicht mehr unterstützte Systemfunktionen werden soweit möglich automatisch durch entsprechende Pendants ersetzt. Die Migrationslog-Datei weist auf erforderliche, wiederum dialoggeführte Anpassungen und verfügbare Online-Hilfen hin. Nach Abschluss muss die neue CPU übersetzt werden. Die bisherige CPU kann aus dem Projekt entfernt werden. Im Anschluss daran sollte das Programm dahingehend überprüft werden, ob und welche der neuen Optimierungsmöglichkeiten der innovativen Controller und des integrierten Engineerings mit vertretbarem Aufwand umgesetzt werden können. Dabei unterstützen ein detaillierter Programmierleitfaden und eine Operationsliste im Internet. Wie sich das Potenzial der neuen Simatic S7-1500 am besten ausschöpfen lässt, reißt das Kapitel Projektierung und Programmierung im nächsten Heft an.

Weitere Tools für einfachen und sicheren Umstieg

Die Auswahl geeigneter Hardware vor dem Umstieg unterstützen weitere Tools. Zum einen das TIA Portal Readiness Check Tool, das anhand von Bestellnummern(listen) überprüft, ob in einem Projekt enthaltene Hardware im TIA Portal unterstützt wird. Zum anderen das TIA Selection Tool für die Auswahl, Konfiguration und Bestellung von Geräten, Software und Lizenzen, womit sich auch die Migrationsfähigkeit ermitteln lässt. Befindet sich ein zu migrierendes Ausgangsprojekt nicht auf einem PC mit TIA Portal, kann es mit einem eigenständigen Migrations-Tool in ein kompatibles Format umgewandelt werden. Über diese Datei kann das Projekt dann in das TIA Portal migriert werden. Das Simatic Migration Tool TIA ist auf jeder DVD-Version von Step7 Professional, WinCC Comfort, WinCC Advanced oder WinCC Professional im Support-Ordner zu finden.

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