Die international genormte CANopen-Anwendungsschicht (EN50325-4) sieht für zeitkritische Übertragung von Prozessdaten das PDO-Protokoll vor. Es ist auf eine einzige CAN-Nachricht abgebildet, d.h., man kann pro PDO nur 8-Byte-Nutzdaten übertragen. Das reicht zwar für viele Befehlsworte und Statusinformationen aus, aber das voreingestellte PDO-Mapping ist nicht für jede Anwendung optimal. (Hinweis: In allen CAN-basierten Netzwerken, also auch in CANopen-Systemen, muss der Anwender darauf achten, dass er nur absolute Prozessdaten in den PDOs überträgt. Dies liegt daran, dass es vorkommen kann, dass eine CAN-Nachricht ein zweites Mal übertragen wird, obwohl die erste bereits von dem Empfänger als gültig akzeptiert wurde. Im Falle eines relativen Wertes, beispielsweise dem Kommando, die Temperatur um 10°C zu erhöhen, würde der Empfänger diesen Befehl zweimal empfangen und die Temperatur um 20°C anheben. Sind alle für eine Anwendung relevanten und zusammen gehörigen Prozessdaten in demselben PDO untergebracht, muss der Anwender nichts optimieren. Werden aber beispielsweise ein Byte aus einem PDO und ein weiteres Byte aus einem anderen PDO für eine Aufgabe benötigt, so hat der Systementwickler die Möglichkeit, die beiden Werte in ein PDO zu packen (engl.: to map). Dazu kann man ein neues PDO schaffen oder eines der beiden vordefinierten PDOs ummappen. Dazu gibt es im CANopen-Objektverzeichnis für jedes PDO eine Zeigerliste, die auf die zu mappenden Prozessdaten verweist. Die Zeigerliste enthält die \’Adressen\‘ (16-bit-Index und 8-bit-Subindex) der Prozessdaten, die in dem jeweiligen PDO zu übertragen sind. Theoretisch kann man bis zu 64 1-Bit-Prozessdaten in einem PDO übertragen. Man muss allerdings nicht die gesamte Länge des PDOs (8 Byte) ausnutzen. Wenn man nur 4Byte Prozessdaten benötigt, wird man, um die Buslast zu reduzieren, ein entsprechend kurzes PDO versenden. Dies erhöht zwar relativ den Anteil des Protokoll-Overheads, reduziert jedoch den absoluten Anteil an der Busbandbreite. Viele am Markt befindliche E/A-Module unterstützen solch ein variables PDO-Mapping. Es kann sehr komfortabel mit Hilfe von Softwarewerkzeugen genutzt werden. Bei einigen Tools erfolgt die Optimierung der PDOs von E/A-Modulen sogar automatisch oder zumindest semi-automatisch. Von variablem PDO-Mapping spricht man, wenn die Konfiguration im Netzwerkmanagement-Zustand (NMT-Status) \’pre-operational\‘ erfolgt. In diesem Zustand darf das CANopen-Gerät keine PDOs senden und empfangen. Somit muss der Systementwickler bei der Konfiguration nicht darauf achten, dass die PDO-Sender und -Empfänger jederzeit konsistent konfiguriert sind. Erst wenn die an der PDO-Kommunikation beteiligten Geräte in den NMT-Status \’operational\‘ geschaltet werden, müssen Sende- und Empfangsseite konsistent konfiguriert sein. Es gibt auch CANopen-Geräte, die ein dynamisches PDO-Mapping erlauben. Dann muss der Systemdesigner darauf achten, dass die PDOs während der inkonsistenten Phase in der Konfiguration nicht gesendet beziehungsweise empfangen werden. Dazu kann er die PDOs abschalten und nach der Konfiguration wieder einschalten (Bit 31 im COB-ID-Parameter). Dies kann selbstverständlich auch von einem Tool automatisch bewerkstelligt werden. Die Buslast-Reduzierung durch ein optimiertes PDO-Mapping ist allerdings begrenzt. Wesentlich größeren Einfluss auf die Buslast hat ein optimierter Sendeplan (Scheduling) der PDOs. Das \’richtige\‘ PDO-Scheduling Viele aus der SPS-Welt kommende Systemdesigner übertragen Prozessdaten periodisch, da auch die Steuerung intern periodisch arbeitet. Dazu kann man in CANopen den PDO-Event-Timer ungleich Null setzen. Dieser Parameter ist im Objektverzeichnis mit Hilfe der SDO-Dienste (Servicedatenobjekt) konfigurierbar. Diese Übertragungsart ist aus Sicht der Busbandbreite allerdings nicht optimal. Die Busbandbreite ist in CAN-basierten Systemen ein kritischer Wert, da er von der Länge des Netzwerkes determiniert ist. Je länger der Bus, desto geringer ist die maximale Datenrate (von 1MBit/s bei 25m bis zu 50KBit/s bei 1km). Bei einer periodischen Übertragung wird der Wert auch gesendet, wenn er sich nicht geändert hat. Er ist also aus Anwendungssicht redundant. In CAN-Netzwerken ist deshalb eine Übertragung zu bevorzugen, bei der nur dann gesendet wird, wenn sich eines der gemappten Prozessdaten geändert hat. Mit dieser Scheduling-Methode kann man die Buslast reduzieren. Dies ist auch deshalb wichtig, da es in CAN-Netzwerken mit einer permanenten Buslast von über 50% vorkommen kann, dass ein Teilnehmer nicht mehr an der Kommunikation teilnehmen kann, da er im Error-Passive-Modus seine Fehlertelegramme nicht mehr korrekt beenden kann. Die asynchrone Change-of-state-Übertragung ist deshalb zu bevorzugen. Der Systementwickler muss allerdings berücksichtigen, dass sich alle Prozessdaten zum gleichen Zeitpunkt ändern können und sozusagen ein PDO-Gewitter ausgelöst wird. Übrigens: Die periodische PDO-Übertragung löst – wie landläufig angenommen wird – dieses Problem nicht: Da der Event-Timer von der lokalen Uhr getriggert wird, die nicht mit denen Uhren der anderen Teilnehmer synchronisiert sind, werden zu einem Zeitpunkt alle PDOs getriggert und erzeugen so eine hohe permanente Buslast. Um eine möglichst gleichmäßige Buslast zu erzeugen, gibt es deshalb in CANopen die synchrone Übertragung von PDOs sowie die Möglichkeit die lokalen Uhren mit der Time-Nachricht zu synchronisieren. Die Time-Nachricht ermöglicht es, eine absolute Systemzeit (in Millisekunden nach Mitternacht und Tagen nach dem 1.1.1984) mit einer Genauigkeit von 1ms an alle anderen Busteilnehmer zu versenden. Diese können dann ihre lokalen Uhren auf diese Systemzeit synchronisieren und ihre PDOs synchronisiert versenden. Die häufiger genutzte Alternative ist der PDO-Sync-Mechanismus. Dabei sendet ein Teilnehmer die Sync-Nachricht. Wenn diese empfangen wird, erfassen die CANopen-Geräte die Sensor- und Status-Prozessdaten und senden diese in so genannten synchron-zyklischen PDOs. Dabei hat der Systementwickler die Möglichkeit, das synchrone PDO so zu konfigurieren, dass es bei jeder Sync-Nachricht die Daten erfasst oder bei jeder zweiten oder dritten oder (bis zu) 240sten. So lässt sich die benötigte Busbandbreite für niederfrequente Prozessdaten deutlich reduzieren. Trotzdem kann es passieren, dass Prozessdaten redundant übertragen werden, da sich der Wert über einen längeren Zeitraum nicht ändert. Um dies zu vermeiden, gibt es in CANopen die synchron-azyklischen PDOs. Diese werden nur ausgelöst, wenn ein Sync-Nachricht empfangen wurde und eine Change-of-state-Bedingung vorliegt, sich also der Wert gegenüber dem letzten Wert verändert hat. Mit den unterschiedlichen Scheduling-Arten kann der Systementwickler die PDO-Kommunikation an seine Anwendung optimal anpassen. Selbstverständlich unterstützen ihn dabei die am Markt angebotenen CANopen-Konfigurationstools. Dies geht soweit, dass die Werkzeuge die gesamte Optimierung vornehmen. Der Anwender muss also keine tiefen CANopen-Kenntnisse haben; er muss sich allerdings auf die im Tool implementierten Optimierungsalgorithmen verlassen. Eine Auswahl der verfügbaren Werkzeuge findet man im jährlich aktualisierten CANopen-Online-Produktführer der Nutzerorganisation CAN in Automation (CiA), der auch als CD erhältlich ist. Die \’richtige\‘ PDO-Priorität Um wichtigen Prozessdaten eine Vorrangstellung einzuräumen, kann der Systementwickler sie in PDOs mappen, die mit einer höheren Priorität auf dem CAN-Netzwerk übertragen werden. Im COB-ID-Parameter konfiguriert der Anwender die eineindeutige Priorität mit der ein PDO gesendet wird. Die voreingestellte PDO-Priorität kann der Anwender ziemlich frei verändern, er muss allerdings darauf achten, dass die Prioritäten eineindeutig vergeben werden. Die höchste Priorität hat die CAN-Nachricht mit dem Identifier \’0\‘ und die niedrigste Priorität hat der Identifier \’2047\‘. Für die PDO-Kommunikation stehen normalerweise die Identifier \’385\‘ bis \’1407\‘ zur Verfügung. Es dürfen aber auch andere Identifier verwendet werden außer \’0\‘ (NMT-Kommando), \’1409\‘ bis \’1663\‘ (Default-SDO) und \’1793\‘ bis \’1919\‘ (Heartbeat oder Boot-up-Nachricht). Die eineindeutige Zuordnung der CAN-IDs kann von Tools automatisch geprüft werden. Die \’richtige\‘ Vergabe der Prioritäten hat ebenso wie das \’richtige\‘ Scheduling eventuell Rückwirkungen auf das \’richtige\‘ PDO-Mapping. Es macht beispielsweise wenig Sinn, ein hochpriores Prozessdatum mit einem niederprioren im selben PDO zu übertragen. Die Optimierung der PDO-Kommunikation läuft also meistens in mehreren Iterationsschritten. Die \’richtige\‘ Lösung Letztendlich führt die PDO-Optimierung fast immer zu mehreren \’richtigen\‘ Lösungen. Es gibt nicht die einzig wahre, richtige Lösung. Wer keine Tools für die Optimierung der PDO-Kommunikation verwendet will, muss sich detaillierte Kenntnisse über CANopen aneignen. Bei einfachen CAN-open-Systemen ist eine PDO-Optimierung nicht unbedingt notwendig. Dies gilt vor allem für Netzwerke, bei denen die durchschnittliche Buslast deutlich unter 25% liegt. Die am Markt erhältlichen CANopen-Systemdesign-Tools unterscheiden sich insbesondere in ihrem Automatisierungsgrad: von rein manuellen Tools bis zur vollständig automatischen PDO-Optimierung. Der Anwender hat die Qual der Wahl – nicht nur bei den CANopen-Geräten, sondern auch bei den Tools.
Systemkonfiguration mit Software- Werkzeugen Optimierung der PDO-Kommunikation in CANopen-Netzwerken
-
Erfolgreiches Omlox-Plugfest
Auf dem Omlox-Plugfest prüften 21 Experten aus neun Unternehmen zwölf verschiedene Omlox-Komponenten, darunter UWB-Infrastruktur, Ortungstags, ergänzende Positionierungstechnologien, Omlox-Hubs und industrielle Softwareanwendungen.
-
Energy-Monitoring für nachhaltige Umgebungen
Plug&Play-Energieüberwachung
Facility-Management-Systeme (FMS) ermöglichen die Echtzeitmessung/-überwachung des Energieverbrauchs für die Kostenoptimierung. Sie unterstützen erweiterte Diagnosen und ermöglichen schnelle Reaktionen auf Änderungen und betriebliche Anforderungen. Aber: Bestehende FMS-Lösungen sind nicht…
-
Philip Harting verstärkt VDMA-Hauptvorstand
Der VDMA hat Philip Harting in den Hauptvorstand aufgenommen.
-
Schwere Industriesteckverbinder bei der Montage und Inbetriebnahme
Schneller verbunden, schneller produktiv
Mit welchen Herausforderungen sieht sich der Maschinen und Anlagenbau konfrontiert und welchen Beitrag können Steckverbinder bei der Lösung leisten? Einfache, standardisierte und möglichst automatisierbare Verbindungsprozesse werden zum entscheidenden…
-
Antriebstechnik
Hybridleitungen reduzieren Aufwand, Kosten und Störanfälligkeit
Antriebssysteme sollen heute kompakt, leistungsfähig und zuverlässig sein. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Verkabelung, Montage und Betriebssicherheit. Hybridleitungen bündeln Energie- und Datenübertragung in einem Kabel, reduzieren den Aufwand…
-
DataTec verzeichnet 9% mehr Aufträge
DataTec hat das Geschäftsjahr 2025/2026 in einem angespannten wirtschaftlichen Umfeld erfolgreich abgeschlossen.
-
NIS-2 in fünf Schritten strukturiert und pragmatisch umsetzen
So gelingt das Setup
Cyberangriffe auf industrielle Systeme sind längst keine Ausnahme mehr. Produktionsanlagen, Steuerungen und vernetzte…
-
Design, Produktsuche und Beschaffung auf einer Plattform
Nachschlagewerk für Automatisierer
Wer als Maschinen- oder Anlagenbauer schnell die richtigen Komponenten finden, Schaltpläne skizzieren und…
-
Elektroexporte wachsen etwas langsamer
Mit Warenlieferungen im Wert von 20,7Mrd.€ verzeichnete die deutsche Elektro- und Digitalindustrie auch…
-
Virtuelle SPS: Reif für die Praxis?
Lange galt die virtuelle SPS als Zukunftsvision. Inzwischen sehen viele Hersteller sie als…
-
IIoT und Cloud-Visualisierung
Sensordaten sicher erfassen und weltweit visualisieren
Edge Computing und Cloud-Technologien verändern den Umgang mit Produktionsdaten. Maschinen- und Sensordaten lassen…
-
Interview auf dem Eplan Next26
Wie KI, Daten und Plattformen die Elektrokonstruktion verändern
Auf dem Event Eplan Next26 in München standen die Zukunft des Engineerings, künstliche…
-
Stromversorgung außerhalb des Schaltschranks
Netzteilreihe mit Schutzart IP67
Mit der neuen Netzteilreihe S8NR bringt Omron robuste Netzteile mit Schutzart IP67 auf…
-
Prof. Dr.-Ing. Volker Stich ins VDI-Präsidium gewählt
Prof. Dr.-Ing. Volker Stich wurde mit Wirkung zum 1. Juli in das Präsidium…
-
Intelligentes Transportsystem sorgt für mehr Flexibilität beim Labeling
Digitaldruck in sechs Freiheitsgraden
Herkömmliche Druckverfahren mit Kunststoff- und Papieretiketten sind mit langen Rüstzeiten, häufigen manuellen Eingriffen…
-
Ansatz für nachhaltige Produktentwicklung
Neue Kategorie der Weltdarstellung
Die 3D Univ+rses sind eine neue Kategorie der Weltdarstellung, entwickelt von Dassault Systèmes.…
-
Hochmanövrierfähige Fahrzeugplattform mit Hebeeinrichtung
Omnidirektional
Weiterentwicklungen in der Handhabungs- und Montagetechnik steigern den Grad der automatisierten Produktion. Effiziente…
-
Schwarz Digits eröffnet neuen Campus
Schwarz Digits, die IT- und Digitalsparte der Schwarz Gruppe, hat ihren neuen Campus…
-
Update-Management für vernetzte Maschinen
Aus Pflicht wird Potenzial
Vernetzte Maschinen müssen über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg aktualisiert werden und Hersteller müssen…
-
Geräteschutz und digitale Transparenz verbinden
IIoT-Framework
Mit dem IIoT-Framework Caparoc erweitert Phoenix Contact die Kommunikationsmöglichkeiten des gleichnamigen Geräteschutzschalter-Systems um…
-
Für den Maschinen- und Anlagenbau
Robuste Wellschläuche
In der automatisierten Fertigung müssen Kabelschutzschläuche von Maschinen, Bearbeitungszentren und CNC-Anlagen vielfach hohe…
-
Für effizienteres Kabelmanagement Mehrfachdurchführungen
Mit den robusten Kabeldurchführungen der Serie MCE Pro und dem modularen System MCE…
-
Cybus beruft Stefan Schwab zum Co-CEO
Cybus hat Stefan Schwab mit Wirkung zum 1. Juli zum Co-CEO berufen.
-
Spatenstich für Hummel-Werkserweiterung
Mit einem symbolischen Spatenstich hat Hummel das offizielle Startsignal für die geplante Werkserweiterung…
-
Mit 3 Metern Reichweite
Kompakte Ultraschallsensoren
Mit den Ultraschallsensoren U1KM in Miniaturbauform erweitert Wenglor sein Portfolio um eine Lösung…
das könnte sie auch interessieren
-
-
-
Edge, Cloud und Cybersecurity in der Praxis
IIoT im Realitätscheck: Warum Vernetzung heute anders gedacht wird als 2020
-
Funktionale Sicherheit
SIL3 auf dem Touchscreen: Wie sichere HMIs die Bedienung neu denken
















