Neben den Einsatzmöglichkeiten zur IPC-Überwachung innerhalb einer Produktionsanlage kann mit dem Konfigurations- und Diagnose-Interface für Beckhoff Industrie-PCs auf jeden Parameter eines IPCs (Hardware, Software, Anwendung) lesend oder schreibend zugegriffen werden. Der Zugriff kann sowohl aus Twincat heraus als auch über standardisierte Programmier-Interfaces wie OPC, UPnP, .NET usw. erfolgen. So können auf einfache, aber effektive Art die Parameter eines IPCs zur Anlagenüberwachung genutzt werden. Neben der Anlagenüberwachung kann das Diagnose- und Konfigurations-Interface auch \’Remote\‘ verwendet werden, um Konfigurationsvorgänge zu vereinfachen und Support/Service-Fälle effizienter durchzuführen. Wird von extern auf den IPC zugegriffen (z.B. über LAN), ist der Zugriff Passwort-gesichert. Die \’klassischen\‘ Parameter Die drei klassischen Parameter, die sich für eine einfache und effektive Überwachung eignen, sind Temperaturen, Drehzahlen und Spannungen auf dem Motherboard: Die CPU-Temperatur gibt Aufschluss über die Auslastung des Prozessors und die Belüftungsqualität. Die Drehzahl des Lüfters lässt Ruckschlüsse auf Verschmutzung und etwaigen Verschleiß zu. Eine Überprüfung der verschiedenen On-Board-Spannungen sichert darüber hinaus den einwandfreien Betrieb des IPCs. Außerdem lässt sich das Spannungsniveau der häufig vorhandenen Lithium-Batterie der System-Uhr überprüfen. Neben diesen drei Parametern ist die Prüfung von CF-Karten und RAID-Systemen für den einwandfreien Betrieb der Anlage wichtig. Prüftools, die ein Entfernen des Mediums aus der Anlage vorsehen, eignen sich nur bei Anlagen-Stillstanden, da ein Entfernen der Karte ein Abschalten der Anlagen beinhaltet. Die Online-Überwachung ist komfortabler und kann während des laufenden Betriebs durchgeführt werden. Der Nutzungsgrad der CF-Karte wird über die Diagnose- und Konfigurationsschnittstelle für Beckhoff IPCs direkt in Prozent angegeben. Zusätzlich kann bei Unterschreiten einer bestimmten Grenze eine Meldung am Bildschirm auf den Tausch hinweisen, so dass ein Austausch beim nächsten planmäßigen Wartungseinsatz berücksichtigt werden kann. RAID-Systeme arbeiten im Hintergrund und sind für den Anwender im Betriebssystem nur als ein logisches Laufwerk zu sehen, das nicht zwischen den einzelnen Festplatten unterscheidet. Zur Überwachung kann auf die Daten des RAID-Controllers zugegriffen werden, über die sich der Status und die Performance der einzelnen Festplatten auslesen lassen. Treten auf einer Platte innerhalb derselben Sektion immer wieder Schreib-/Lesefehler auf, sollte ein Austausch erfolgen. Erkennen eines Problems Die sinkende Drehzahl eines CPU-Lüfters ist ein erstes Signal, das in der Regel auf eine starke Verschmutzung des Lüfters hinweist und einen eventuellen Ausfall ankündigt. Wird der Anlagen-Bediener durch ein Popup am Bildschirm darauf hingewiesen, kann eine Reinigung bzw. ein Austausch des Lüfters bei Wartungsarbeiten berücksichtigt werden und ein Ausfall des IPCs wegen schlechter Wärmeabführung vermieden werden. Die Kosten eines Stillstandes stehen kaum in einer Relation zu diesem geringen Wartungseinsatz. Steigt die CPU-Temperatur bei sinkender Lüfterdrehzahl stark an, sollte nicht bis zur nächsten geplanten Wartung gewartet werden. Da die IPCs eine Notfall-Abschaltung bei Übertemperatur beinhalten, steht ohne weitere Kühlung der Ausfall direkt bevor. Wird auch dieser Zustand durch eine Meldung angezeigt, kann effektiv eingegriffen werden: Mit eindeutigen Handlungsanweisungen wie z.B. der Aufforderung zum Abschalten des PCs oder zum Öffnen der Schaltschranktüren wird die Notabschaltung verhindert. Informationen zu Grenzwerten von Drehzahlen, Temperaturen und Spannungen für IPCs von Beckhoff können der Dokumentation entnommen werden. Zugriff über die Steuerung Für die Überwachung eines PCs in einer Produktionsanlage gibt es viele Standard-Szenarien und aus diesem Grund auch vielerlei Software, die als separate Anwendung auf dem IPC installiert werden kann. Der Vorteil einer systemintegrierten Lösung aus der SPS heraus liegt in der gewohnten Arbeitsumgebung eines Twincat-Nutzers. Ohne weitere Einarbeitung können innerhalb von Twincat Grenzwerte festgelegt und Textmeldungen generiert werden. Wird ein entsprechender Parameter zyklisch mit einem Funktionsbaustein ausgelesen, ist die Anzeige einer Meldung bei Überschreitung eines Grenzwertes nur ein weiterer Funktionsbaustein. Der Zugriff über Twincat wird ab Version 2.11 unterstützt. Überwachung über Interfaces IPCs und Embedded-PCs von Beckhoff sind nicht zwangsläufig an Twincat gebunden, daher ist der Einsatz des Diagnose- und Konfigurations-Interfaces nicht an Twincat gekoppelt. Das Interface ist nach einem einheitlichen Layer aufgebaut und somit unabhängig vom installierten Betriebssystem, von der verwendeten Hardware und den verwendeten Programmen. Die einzelnen Parameter von Hard-, Software und Applikation sind gerastert und können ohne Twincat durch Standard-Interfaces, wie zum Beispiel eine Webseite, erreicht werden (siehe Abb. 4). Durch die Diagnose- und Konfigurationsschnittstelle für Beckhoff IPCs hat der Anwender somit sämtliche Freiheitsgrade, vorhandene Informationen sichtbar zu machen und zu nutzen. In jedem Fall liegt die Analyse der Werte beim Anwender. Er entscheidet, ob er die Parameter nur visuell nutzt oder mit anderen Aktionen logisch verknüpft. Anwendungsbeispiele Im Folgenden sollen drei Anwendungsbeispiele vorgestellt werden: 1. Einheitliches Auslesen des IST-Zustandes Egal ob eine Anlage lokal installiert ist oder irgendwo am anderen Ende der Welt steht, sobald der IPC über LAN eingebunden ist, können sämtliche Parameter mit dem Konfigurations- und Diagnose-Interface für Beckhoff IPCs ausgelesen werden. Vorteil: Ist die Dokumentation unvollständig oder nicht vorhanden, können alle Informationen zur verbauten Hardware und installierten Software-Versionen über das Konfigurations- und Diagnose-Interface ausgelesen werden. Tritt beispielsweise ein Programmfehler nur ab einem bestimmten Software-Release auf, kann ohne Telefonate und Reisekosten ermittelt werden, bei welchen Anlagen ein Service-Einsatz erforderlich ist. Nach dem gleichen Prinzip kann bei sämtlichen feststehenden Daten (Seriennummern, Lizenzschlüssel etc.) vorgegangen werden, da durch die Konfigurations- und Diagnoseschnittstelle transparente Informationen zur Verfügung stehen. Typische Beispiele zum Auslesen sind Bildschirmauflösung, IP-Adressen, Abfrage der MAC-ID zum IP-Schutz der eigenen Software, Speicherverbrauch der Software auch aus der Ferne etc. 2. Einstellen eines einheitlichen SOLL-Zustandes Sollen von der Leitebene bei Panel-PCs einheitliche Voreinstellungen vorgenommen werden, kann das zentralisiert mit dem Konfigurations- und Diagnose-Interface für IPCs von Beckhoff durchgeführt werden. Dies hat den Vorteil, dass alle angeschlossenen Terminals auf dem gleichen Stand sind. Der Personaleinsatz wird deutlich reduziert, indem das Update zentral von einer Stelle aus betreut wird. Typische Beispiele, die zentralisiert an alle angeschlossenen Terminals verteilt werden, sind Auflösung der Anzeige, IP-Adressen, PC-Name etc. 3. Support und Servicefälle Nur im seltensten Fall kann der Endkunde bei einer Support-Anfrage konkrete Auskünfte zu den Versionsständen der Software machen. Kann der Support/Service sich diese notwendigen Informationen direkt beschaffen, ist die technische Unterstützung zielgerichteter und somit auch effektiver – man kann direkt einsteigen. Somit kann der Support/Service-Fall schneller und unkomplizierter abgewickelt werden. (Kasten) Modular Device Profile MDP steht für Modular Device Profile und gibt den Aufbau eines Industrie-PCs (IPC) in einer objektorientierten modularisierten Struktur wieder. Das MDP bildet somit ein Informationsmodell, bei dem Hardware- und Software- Komponenten als einzelne Module repräsentiert werden. Durch das MDP können sämtliche in einem IPC enthaltenen Parameter ob Betriebssystem, Hardware oder Anwendersoftware direkt gelesen und geändert werden. Die Module können hierbei Komponenten wie z.B. eine NIC oder eine CPU sein, aber auch Software-Komponenten wie das Twincat-System werden im MDP abgebildet. Der Layer der Konfigurations- und Diagnoseschnittstelle für Beckhoff IPCs wurde an die Spezifikation des EtherCAT-Automation-Protokolls angelehnt. Modularisiert man die Ebenen eines IPCs nach einem allgemeingültigen Schema, kann diese feste Struktur auf jeden beliebigen IPC abgebildet werden, was Konfigurations- und Diagnosevorgänge erleichtert. Die einzelnen Parameter (Subindizes) sind je nach Betriebssystem über unterschiedliche Zugriffswege zu erreichen. Über das MDP ist es möglich, auf Parameter von Hardware, Betriebssystem oder Anwendersoftware zuzugreifen, um (unabhängig von CPU, Betriebssystem oder Twincat) Diagnose- und Konfigurationsinformationen auszulesen und zu verändern. Das auf MDP basierende Diagnose und Konfigurations-Interface ist zusätzlich sprachungebunden: Ob Visual Basic, C++, C# oder eine SPS-Library, durch ADS-Routinen (Automation Device Specification) kann man aus jeder Umgebung auf das MDP zugreifen. Weiterhin kann per UPnP, OPC-UA oder auch direkt per C++ und C# mit dem MDP kommuniziert werden. Grundsätzlich erfolgt der Zugriff auf die Daten per MDP, wie auch bei den regulären Zugriffsverfahren, benutzerauthorisiert und durch ein Passwort gesichert. (Kasten Ende)
Diagnose- und Konfigurations- Interface für Industrie-PCs
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