Ähnlich funktioniert die Werkzeugprüfung. Das System kann verlangen, dass ein bestimmtes Werkzeug oder eine Vorrichtung gescannt oder erkannt wird, bevor der Schritt freigegeben wird. Das verhindert, dass aus Bequemlichkeit oder Unachtsamkeit falsche Hilfsmittel verwendet werden. Gerade bei Montagevorrichtungen oder Prüflehren, die sich äußerlich ähneln, ist das ein Schutz vor schleichenden Fehlern. Der Werker bleibt in der Verantwortung für seine Arbeit, aber das System nimmt ihm einen Teil der Last ab, alle Bedingungen permanent im Kopf mitzuführen.

IFM produziert im betrachteten Werk keine anonymen Massenartikel, sondern Sensoren und Komponenten in zahlreichen Varianten mit hoher Fertigungstiefe. Das bedeutet: Manche Produkte laufen täglich, andere nur gelegentlich. Genau hier spielt das Werkerassistenzsystem seine Stärken aus. Seltene Abläufe müssen nicht mehr mühsam aus einem Ordner rekonstruiert werden, sondern stehen in derselben Qualität wie Standardprozesse bereit.

Besonders deutlich wird der Nutzen an Einlernplätzen. Dort werden neue Mitarbeitende oder Umsteiger auf eine Linie eingewiesen. Früher geschah das weitgehend durch Vormachen und mündliche Erklärung, gestützt auf Papierunterlagen. Heute läuft am Platz eine Video- oder Animationssequenz, die den realen Prozess zeigt. Die Aufnahmen stammen direkt aus der Fertigung: Handbewegungen, Bauteile, Werkzeuge, Reihenfolge – alles entspricht dem späteren Alltag. Aus den Sequenzen entstehen Endlosschleifen oder schrittweise abrufbare Clips, die sich mit Textanweisungen kombinieren lassen.

Diese Kombination macht aus IFM-Mate ein Wissensmedium. Neue Mitarbeitende lernen Abläufe nicht nur theoretisch, sondern sehen sie direkt im Kontext. Erfahrene Mitarbeitende nutzen dieselben Inhalte, um sich bei seltenen Tätigkeiten zu vergewissern. Das System muss dafür nicht spektakulär aussehen. Entscheidend ist, dass es den realen Prozess korrekt und verständlich abbildet.

Papierlos, aber nicht abstrakt

Ein zentrales Motiv hinter der Einführung des Systems ist die Ablösung von Papier. Früher mussten Änderungen an Anweisungen oder Vorrichtungen manuell in die Halle getragen, alte Blätter eingesammelt, neue verteilt werden. Dieses verteilte Kopieren ersetzt das Assistenzsystem durch eine zentrale Pflege. Wird eine Anweisung angepasst, steht sie nach Freigabe an allen betreffenden Plätzen in aktueller Form bereit.

Das bedeutet nicht, dass die Arbeitswelt komplett auf ‚Digital only‘ umgestellt wird. Vielmehr verschiebt sich der Schwerpunkt. Die eigentliche Arbeitsführung läuft über das System, ergänzende Informationen können bei Bedarf hinzugezogen werden. Für den Alltag ist wichtig: Der Werker hat alles Wichtige an einem Ort. Blättern entfällt, Übergaben werden einfacher, weil der digitale Status klar zeigt, welcher Schritt bereits erledigt ist und welcher noch ansteht.

Das Werkerassistenzsystem ist bei IFM nicht isoliert im Einsatz. Parallel nutzt das Unternehmen Moneo, die eigene IIoT-Plattform für Zustandsüberwachung, Auswertung und Integration in übergeordnete Systeme wie SAP. Während IFM-Mate den Blick auf die konkrete Tätigkeit richtet, kümmert sich Moneo um Sensorwerte, Zyklen, Verbräuche und Alarme. Beide Systeme spielen zusammen, ohne sich zu überlappen. Lukas Musch, der im Team für beide Welten verantwortlich ist, beschreibt seine Rolle so: „Ich betreue die IFM-Mate-Systeme und bin für die Moneo-Systeme zuständig, also das ganze IoT-Onboarding von den Devices, auch die Use Cases. Und nebenher betreibe ich noch die Digitalisierung in der Produktion.“

Warum die Technik so gewählt ist

Aus Sicht eines Automatisierers lohnt sich der Blick auf die technischen Entscheidungen hinter IFM-Mate. Das System ist bewusst einfach bedienbar gehalten, aber im Kern konsequent modellbasiert. Jeder Schritt ist Bestandteil eines definierten Ablaufes; Abweichungen sind nicht dem Zufall überlassen, sondern explizit. Die Digitalisierung macht hier das sichtbar, was in vielen Werken bisher nur implizit im Kopf existiert: die genaue Reihenfolge, die erlaubten Variationen und die Grenze zwischen richtig und falsch.

Diese Struktur zahlt auf mehrere Ziele ein. Sie verbessert die Qualität, weil Fehler früher erkannt werden. Sie erhöht die Wiederholbarkeit, weil auch seltene Produkte in der gleichen Qualität durchlaufen. Sie erleichtert die Einarbeitung, weil der Prozess erklärbar und anschaulich wird. Und sie verschafft der Organisation mehr Transparenz, weil Prozessschritte und Entscheidungen dokumentiert sind.

Im jetzigen Einsatz ist IFM-Mate ein fester Bestandteil der Produktion: an Einlernplätzen, Montage- und Prüfstationen, vor allem dort, wo Variantenvielfalt und Qualitätsanforderungen hoch sind. Die Mitarbeitenden haben sich an die digitale Führung gewöhnt, nutzen Videos und Schrittanzeige zur Orientierung und verlassen sich darauf, dass Qualifikationen und Werkzeuge korrekt geprüft werden. Das Werkerassistenzsystem ist eines der Werkzeuge, mit denen IFM die Prozesse stabil hält.

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