Im Interview: John Browett über CC-Link IE: Gigabit-Ethernet für die Steuerungs- und Feldebene

Welche Eigenschaften kennzeichnen CC-Link IE – welche Vorteile hat es z.B. gegenüber anderen Ethernet-Lösungen? John Browett: Die Haupteigenschaften des CC-Link haben wir in unserem Markennamen \’The Non-Stop Open Network\‘ zusammengefasst. Das bezieht sich auf eine Eigenschaft der CC-Link-Technologie, die so ausgelegt ist, dass die Produktion selbst dann nicht unterbrochen wird, wenn widrige Umstände auftreten. Extreme Betriebsbedingungen, wie z.B. starke elektromagnetische Störungen, Spannungsausfälle, die den Betrieb von Steuerungen oder Slave-Stationen beeinträchtigen können, oder selbst beschädigte oder getrennte Kabelverbindungen müssen nicht zwangsläufig zu einer Unterbrechung der Produktion führen. Darüber hinaus ermöglicht das industrielle Netzwerk CC-Link IE eine Ethernet-Kommunikation mit einem Datentransfer von bis zu 1GBit/s. Welche Anwendungen und Branchen sind bevorzugte Einsatzfelder? John Browett: CC-Link IE wurde nach Vorgaben aus der Industrie entwickelt, um in Echtzeit große Datenmengen ohne Produktivitätsverluste über die gesamte Fertigung hinweg austauschen zu können. Diese Vorgaben ergaben sich aus den gestiegenen Anforderungen an Qualität, Nachverfolgbarkeit und Quantität der Produktionsdaten in modernen Produktionslinien und -mitteln. Die Elektronikfertigung und die Automobilindustrie waren die ersten Anwender, die an dieser Technologie partizipierten. Insbesondere in der Flachbildschirm-Fertigung fand und findet CC-Link IE eine weite Verbreitung. Wie hat CC-Link IE Field den Einsatz von CC-Link IE verändert? John Browett: CC-Link IE wurde 2007 vorgestellt, um als \’Backbone\‘-Netzwerk den in Echtzeit erfolgenden Hochgeschwindigkeits-Datenaustausch zwischen Steuerungen zu ermöglichen. CC-Link IE Field folgte dann 2009. Entscheidend für die Entwicklung des CC-Link IE Field war dabei, die gleiche Gigabit-Leistung wie das CC-Link IE anzubieten, diese aber bis in die Operandenebene vorzutreiben, um auf allen Ebenen der Netzwerkhierarchie die gleiche Leistungsfähigkeit und Produktivität zur Verfügung zu stellen. CC-Link IE Field ermöglicht Baugruppen niedrigerer Ebenen, z.B. E/As, MMIs und Frequenzumrichtern, ebenfalls in Gigabit-Ethernet-Geschwindigkeit mit den Steuerungen zu kommunizieren. Welche regionalen Märkte sind für CC-Link IE interessant? John Browett: Da CC-Link ursprünglich in Japan entwickelt wurde, erfolgte die Einführung zunächst nur auf dem asiatischen Markt. In ihrer über zehnjährigen Geschichte hat sich die CC-Link-Technologie aber auf der ganzen Welt etabliert, und in Europa sowie Nord- und Südamerika lässt sich mittlerweile eine nicht unerhebliche Anzahl installierter Geräte verzeichnen. Im Jahr 2011 hat die CC-Link Partner Association (CLPA) seine \’Gateway to China\‘-Kampagne gestartet. Diese unterstützt europäische OEMs beim Eintritt in den chinesischen Markt. An welchen Entwicklungen arbeiten Sie derzeit? John Browett: Die CLPA verfügt über mehrere Arbeitsgruppen, die sich mit der kontinuierlichen Weiterentwicklung der Technologie beschäftigen, um von zukünftigen Bedürfnissen der Fertigungsindustrien zu antizipieren und für diese rechtzeitig Lösungen anbieten zu können. Einige der Schlüsselentwicklungen, die wir für die nächsten Jahre planen, sind: CC-Link IE Motion, ein Ethernet-Netzwerk basierend auf einem Motion Control-Netzwerk, und CC-Link IE Safety für sicherheitskritische Anwendungen. Wie viele Anwender setzen derzeit CC-Link IE ein? John Browett: Weltweit verfügen 8,5Mio. Geräte über die CC-Link-Technologie in der einen oder anderen Form. Diese Zahl wächst jährlich um ca. 1Mio. Geräte. In Bezug auf die Anzahl der Anwender hat die CLPA zur Zeit über 1.500 Mitglieder, was sie zu einer der größten Feldbus-Organisationen weltweit macht. (afs) Kasten: Im Detail: CC-Link IE